ETIKA

FRANZISKUS-CHRONIK

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12F3157

Wie Franziskus der schönen Mohrin widerstand

24.6.2001 – 3.6.2012
Korrigierte Fassung

Der Cronicken der mindern Brüder, das erst Buch, Cap. 57, S. 195ff., Konstanz 1603

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Wie der Heylige und seine Gesellen
in dem Reich deß Soldans den Glauben verkündten /
und wie der heylig Franciscus wunderlich einer Möhrin widerstanden / die ihne fleischlich anreitzet

Also zertheylt der heylig Franciscus die Brüder durch Egypten und Soriam / er aber unnd Bruder Illuminatus durchzogen dasselbig gantz Reich / predigten unablässig das Evangelium / und eines mals als er an ein Ort kommen / unnd wegen Unwetters sich allda auffhalten mußte / begibt er sich in ein Hauß allda zu beherbergen.

In dem war ein Möhrin von eusserlicher Gestalt gar schön / aber innerlich gar ungestalt / dise wirdt von dem Teuffel (welcher allzeit seine Strick den heyligen Mann zu fellen leget) angereitzt / gehet die Nacht zu ihm / da sie ihn allein glosiert hätte / facht ihn an mit aller Mügligkeit zu bitten / und zu bewegen / er solte mit ir sündigen.

Dero antwort der heylig Mann:

Weib, wann du wilt daß ich dich erkenne / must du zuvor auch thun das jenig / so ich an dich begere.

Die verliebte Möhrin erbeut sich also ihme zu willfahren.

Von stundan gehet der heylig Vatter zu dem Feur dz allda war / breitets auß einander / legt sich darauff / ruefft der Möhrin / begert sie solte ihme das Versprechen halten / und sich zu ihme auff dises so schön und leuchtend Beth legen.

Die Möhrin stehet im Zweiffel zwischen der Liebe unn Schrecken / will erwarten / was darauß werden wölle. Als sie aber letstlich sahe / daß er sich darinn / als wann er inn Rosen und Gilgen lege / unverletzt umbwendet / erkent sie sich selbst / und ihre Sünd / laßt sich tauffen / unnd bekehrt gleich wie ein andere Samaritanin / (durch Erzehlung dises deß Heyligen Wunderzeichens) ein grosse Anzahl Mohren zu Christo dem Herren.

(Anmerkung: Hier endet die Geschichte von der Mohrin, für jene, die der Rest nicht interessiert)

Derhalben nach dem sich der heylige Mann etliche Tag allda aufgehalten / zeucht er wider seiner Reiß nach / unnd als er drey oder vier Meil nahend Antiochia inn ein Ort Montenegro genant / kommen / in welchem ein Benedictiner Kloster war / hielte er sich daselbst auff / unnd würckte dermassen / dass in wenig Tagen der Abt und die Münch alles was sie hatten / zu Handen deß Patriarchen renuncierten / unnd den Orden der Minderen Brüder annamen.

(S. Bonaventura) Under dessen begegnet zweyen seinen Brüderen / daß da sie von einem Mohren so gar ellend und armselig gesehen warden / er ihnen auß Mitleiden das Allmusen geben / sie aber solches mit nichten annemmen wöllen / und er was Ursach das geschehe / fragte / und daß solches umb der Liebe Gottes willen / und daß sie inn diser Welt weder Gelt noch anders dergleichen zu haben begerten / berichtet / faßt er so grosse Liebe gegen ihnen / daß er sie allzeit underhielte / und versprache alles das Seinig sie zu underhalten zu verkauffen / wann sie nur allda verharren wolten.

So hoch war das Exempel ihres Lebens admiriert / daß dise welche durch die Wort nit möchten bekehrt werden / durch die tugendtreiche Werck so vil kräfftiger seynd / zu Gott bekehrt wurden.

Sie erweichten die Barbarische und wilde Völcker / unsers Namens tödtliche Feind / und demütigten sie.

Dieweil aber die Anzahl der Widerwertigen wuchse / und je länger je mehr zuname / und sie doch wegen deß Soldans Brieffen nit umb das Leben bringen dörfften / machten sie die Brüder ein tödtlich Leben führen / und plagten sie auff vilerley Weg.

Mitler Weilen als der heylige Mann den Willen Gottes / daß er widerkehren solte erkente / versamblet er mit Hilff seiner Göttlichen Maiestät die Brüder / zeucht nach geringem geschaffeten Nutz dem Soldan zu sein Abschid zu nemmen / unn wider nacher Italiam zu ziehen.

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