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ETIKA |
FRANZISKUS-CHRONIK |
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12F3157 |
Wie
Franziskus der schönen Mohrin widerstand |
Der Cronicken der mindern Brüder, das erst Buch, Cap. 57, S. 195ff., Konstanz 1603 |
Wie der Heylige und seine
Gesellen
in dem Reich deß Soldans den Glauben verkündten /
und wie der heylig Franciscus wunderlich einer Möhrin widerstanden / die ihne
fleischlich anreitzet
Also
zertheylt der heylig Franciscus die Brüder durch Egypten und Soriam / er aber
unnd Bruder Illuminatus durchzogen dasselbig gantz Reich / predigten unablässig
das Evangelium / und eines mals als er an ein Ort kommen / unnd wegen Unwetters
sich allda auffhalten mußte / begibt er sich in ein Hauß allda zu beherbergen.
In
dem war ein Möhrin von eusserlicher Gestalt gar schön /
aber innerlich gar ungestalt / dise wirdt von dem Teuffel (welcher allzeit seine Strick den heyligen Mann zu
fellen leget) angereitzt / gehet die Nacht zu ihm / da sie ihn allein
glosiert hätte / facht ihn an mit aller Mügligkeit zu bitten / und zu bewegen /
er solte mit ir sündigen.
Dero
antwort der heylig Mann:
Weib,
wann du wilt daß ich dich erkenne / must du zuvor auch thun das jenig / so ich
an dich begere.
Die
verliebte Möhrin erbeut sich also ihme zu willfahren.
Von
stundan gehet der heylig Vatter zu dem Feur dz allda
war / breitets auß einander / legt sich darauff / rueffet der Möhrin /
begert sie solte ihme das Versprechen halten / und sich zu ihme auff dises so
schön und leuchtend Beth legen.
Die
Möhrin steht im Zweiffel zwischen der Liebe unn Schrecken / will erwarten / was
darauß werden wölle. Als sie aber letztlich sahe / daß er sich darinn / als
wann er inn Rosen und Gilgen lege / unverletzt umbwendet / erkent sie sich selbst / und ihre Sünd / laßt sich tauffen /
unnd bekehrt gleich wie ein andere Samaritanin / (durch Erzehlung dises deß
Heyligen Wunderzeichens) ein grosse Anzahl Mohren zu Christo dem Herren.
(Anmerkung: Hier endet
die Geschichte von der Mohrin, für jene, die der Rest nicht interessiert)
Derhalben nach dem sich der heylige Mann etliche Tag allda
aufgehalten / zeucht er wider seiner Reiß nach / unnd als er drey oder vier
Meil nahend Antiochia inn ein Ort Montenegro genant / kommen / in welchem ein
Benedictiner Kloster war / hielte er sich daselbst auff / unnd würckte
dermassen / dass in wenig Tagen der Abt und die Münch alles was sie hatten / zu
Handen deß Patriarchen renuncierten / unnd den Orden der Minderen Brüder
annamen.
(S. Bonaventura) Under dessen begegnet zweyen seinen
Brüderen / daß sie von einem Mohren so gar ellend und armselig gesehen warden /
er ihnen auß Mitleiden das Allmusen geben / sie aber solches mit nichten
annemmen wöllen / und er was Ursach das geschehe / fragte / und daß solches umb
der Liebe Gottes willen / und daß sie inn diser Welt weder Gelt noch anders
dergleichen zu haben begerten / berichtet / faßt er so grosse Liebe gegen ihnen
/ daß er sie allzeit underhielte / und versprache alles das Seinig sie zu
underhalten zu verkauffen / wann sie nur allda verharren wolten.
So hoch war das Exempel ihres Lebens admiriert / daß dise welche
durch die Wort nit möchten bekehrt werden / durch die tugendtreiche Werck so
vil kräfftiger seynd / zu Gott bekehrt wurden.
Sie erweichten die Barbarische und wilde Völcker / unsres Namens
tödtliche Feind / und demütigten sie.
Dieweil aber die Anzahl der Widerwertigen wuchse / und je länger
je mehr zuname / und sie doch wegen deß Soldans Brieffen nit umb das Leben bringen
dörfften / machten sie die Brüder ein tödtlich Leben führen / und plagten sie
auff vilerley Weg.
Mitler Weilen als der heylige Mann den Willen Gottes / daß er
widerkehren solte erkente / versamblet er mit Hilff seiner Göttlichen Maiestät
die Brüder / zeucht nach geringem geschaffeten Nutz dem Soldan zu sein Abschid
zu nemmen / unn wider nacher Italiam zu ziehen.
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