ETIKA

FRANZISKUS-CHRONIK

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Franziskus nimmt Abschied vom Sultan

10.7.2012

Der Cronicken der mindern Brüder, das erst Buch, Cap. 58, S. 197ff., Konstanz 1603

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Wie der heylige Vatter wider in Italiam kommen.
Cap. 58.
Fioreto.

Als er zu dem Soldan kommen / unnd freundtlichen von ihme empfangen worden / sagt er zu ihm in Geheim / er wolte gern ein Christ werden/ dann er hielte für gewiß / daß solche Religion der gewisseste Weg deß Heyls wäre / er förchte ihme aber solches (weil es ein ungelegne Zeit / der Krieg im Feld / wir Christen so sehr gehaßt / er auch seiner selbst Person nit sicher seyn wurde) inn das Werck zu richten.

Dieweil aber du (sagt er zu ihm) durch dein Widerkunfft / so vil als ich erachten kan / vilen wirst helffen mögen / und ich vil meiner hochwichtigen Geschefften zu verrichten habe / bitte ich / du wöllest mich an jetzo so vil underweisen / unnd den Weg zeigen / auff daß wann ich mich auß disen meinen Geschefften geschüttet / ich dir zu gebürender Zeit gehorsamen möge / wie ich dir dann hiemit versprochen will haben.

Der heylige Vatter nimbt Zeit zu der Beantwortung / begibt sich in das Gebett / verharret in selbigem etliche Tag / unablässig den Herrn für dise Seel bittend / unn so lang biß er erhört / unnd ihme der Verfolg geoffenbaret worden.

Wendet wider zu dem Soldan / unnd sagt:

Herr ich will nacher Italiam reisen / dann also ist der Will meines Gottes / aber wann es Zeit ist / versprich ich euch zwen meiner Brüder zu schicken / durch welcher Mittel (wie mir mein Gott geoffenbaret / und ich euch an jetzo anmelde und verspriche) ihr die Seligkeit erlangen werden.

Als der Soldan dise Antwort vernommen / schreibt ers mit sonderem Content in das Hertz / der Heylig nimbt sein Abschid / und zeucht nacher Italiam / fehlt nit sein Versprechen zu halten / dann er erschine zweyen der seinigen so inn Soria wohnten / und schickt sie zum Soldan / welcher tödtlich kranck lag.

Die Brüder gehorsamen / ziehen hin / underweisen den in dem Christlichen Glauben / und nach dem sie in getaufft / stirbt er.

Dannenhero der heylige Antonius von Padua / von dem Soldano redend / gleicher Weiß gesagt:

Vil halten für gewiß / der Soldanus seye vor seinem Absterben getaufft worden / dieweil menigklich bekannt die grosse Liebe so er zu den Christen getragen / welchen er auch so vil vertrawet / daß er niemandts anderen als denselben die Guardi seines Leibs (Anmerkung: Leibwache) vertrawen wöllen.

Gleicher Weiß gibt Jacobus de Vitriaco Cardinal inn der Histori / so er von Eroberung deß heyligen Lands geschriben / von dieser deß heyligen Francisci Reiß Zeugnus / da er sagt:

Wir haben gesehen den heyligen Vatter Franciscum den ersten Stiffter deß Ordens der Mindern Brüder / einen einfältigen Mann / unnd ohne Geschickligkeit / aber so hoch von Gott und den Menschen geliebt / und inn so hohe Innbrunst deß Geists erhebt / daß als er inn das Christlich Lager / so vor der Stadt Damiata lage / kommen / er unerschrocken mit dem Schilt deß Glaubens bewaffnet / mitten durch das Heer der Mohren gezogen / und gesagt:

Führt mich zu dem Soldano / welcher als er dahin geführt / und der Soldan ihne gesehen / er alsbald auß einem reissenden Wolff / zu einem sanfftmütigen Lämblein worden / unn vil Tag mit grossem Auffmercken von ime das Wort deß Herren gehört / doch letstlichen dieweil er besorgte vil der seinigen (welche den Heyligen gern hörten / unn ihme anhiengen ) sich bekehren / unnd auff unser Seiten begeben möchten / hat er ihn mit grosser Reverentz unnd Ehrerbietung wider zu uns geschickt / unnd zum Abschid gesagt / er solte seinen Gott für ihn bitten / daß er ihne lehrte disen Glauben anzunemmen / und zu halten / welcher seiner Göttlichen Majestät zu dem angenembsten wäre.

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