ETIKA

FRANZISKUS-CHRONIK

www.etika.com

12F3160

Von vielen anderen Versuchungen des hl. Franziskus

12.9.2012

Der Cronicken der mindern Brüder, das erst Buch, Cap. 60, S. 202ff., Konstanz 1603

Von vilen anderen Versuchungen / so der heylige Vatter gehabt.
Cap. 60.

ALs der heylige Vatter in der Grecianischen Einöde in stetem Gebett wohnte / begibt sich einer Nacht under anderen / als ihme ein Edelmann ein Pfulm (Anmerkung: Kopfkissen) geschickt /den Kopff wegen seines grossen Augenwehes darauff zu legen / daß er doch wegen eines solchen Haubtzitteren / und ganzen Leibs Schmertzens weder schlaffen  / ruhen / noch betten köndte.

Und nach dem er lang discurriert / was doch dessen Ursach seyn möchte / erkennet er letstlich daß es nichts anders / als der Teuffel / der sich inn disen Polster verborgen hätte / rüfft dem Gesellen / befilcht ihm er soll den Polster hinauß tragen: dieser nimbt ihn auff die Achsel / tragt ihn hinauß / verleurt von stundan die Red / kann nit von dem Ort weichen / unnd das noch mehr / den Pfulben nit abwerffen :

Stehet also in dieser Tribulation bekümmert und verstockt so lang / biß im der heylig Mann / der sich seines Außbleibens verwundert / rüffte / von welcher Stund er wider zu sich kommen / den Pfulben zu Boden geworffen / sich seines Außbleibens verwundert / rüffte / von welcher Stimm er wider zu sich kommen / den Pfulben zu Boden geworffen /  dem Heyligen zugangen / unnd ihme alles wie es ergangen erzehlt / zu deme sagt der heylige Vatter:

Bruder / noch gestern weil ich die Complet bettet / hab ich disen Teuffel in die Kammer gemerckt kommen. Jetz sichst du weil er kein ander Ort gefunden / hat er sich in disen linden Polster gesteckt / und wie listig er ist / dann wann er der Seelen (darumb daß sie durch die Gnad bewahrt wirdt) nit schaden kan / begert er die Ruh deß Leibs zu zerstören auff daß derselb zu gebürlicher Zeit weder betten / noch andere Ubungen verrichten möge / oder denselben erkräncken / auf daß er anfahe murren / und sich versündige.

Ein ander mal als er grossen Wehetagen an den Augen gelitten / daß er mehr als in 50. Tagen kein Liecht sehen möchte / und in einer finsteren Kammer von Ror und Leym gemacht seyn müßte / und kein Stund Ruh haben möchte / schicket ime der Teuffel / zu noch mehrerer Plag / ein grosse Anzahl großer Meuß in die Zell / damit sie ihn zu Ungedult bewegen solten.

Sagt derhalben der heylige Mann (der sich gantz inn die Arm des Herren geworffen) mit grosser seynes Hertzens Angst:

Hilffe mir Herr inn so vil meinen Schwachheiten und Betrübnussen / auff daß ich´s mit Gedult möge ertragen.

Deme wirt von einer Stimm geantwortet:

Sag mir Francisce / wann einer für dise deine Kranckheiten und Trübseligkeiten / dir einen so grossen unnd kostlichen Schatz wolte geben / welcher wann schon die gantz Erden Gold / und alle Stein Diamanten  / oder ander kostlich Edelgestein / und alles Wasser Balsam / und du dennochter gedachten Schatz wie Kot achtetest / unnd rechnest / woltest du dan nit zu friden seyn / und solche alle gedultigklich leiden?

Der heylige Vatter antwortet:

O Herr / mein Freud wäre vil desto grösser.

Darauff sprach die Stimm:

So erfrewe dich / dann du magst versicheret und getröst leben / als wann du schon in meinem Reich wärest.

Der heylige Vatter stehet wegen diser Heimsuchung  Erledigung und Göttlichen Vorheissung  / voller Freuden von dem Gebett auff / und sagt seinen Gesellen:

Wann ein König seinem Diener ein Reich ubergebe / hätte er nit Ursach allzeit frölich zu seyn?

Sie sagten von Ja.

Und wann er alle Reich der Welt ihme geben / hätt er nit noch mehr Ursach?

Sie antworteten gleicher Weiß / wahrlich Ja.

Darumben / sagt er / muß ich nit allein unendtliche Freud um meinen Kranckheiten und Betrübnussen erzeugen / sonder auch umb selbige dem Vatter der Barmhertzigkeit / Jesu Christ meinem Erlöser / und dem Tröster dem heyligen Geist Danck sagen / weil er mir als gleichwol unwürdigem Knecht / so vil Gnad und Barmhertzigkeit erzeigt / unn an jetzo sich gewürdiget mich seines Reichs zu vergwissen / darumben will ich ihm Lob singen / unnd unendtlich Danck sagen.

Franziskus-Übersicht - - - Index 1