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ETIKA D12FA |
FRANZISKUS-CHRONIK |
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12F3161 |
Der teuflische Einfall |
Der Cronicken der mindern Brüder, das erst Buch, Cap. 61, S. 204ff., Konstanz 1603 |
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Von vilen andern Versuchungen und Künsten
Dieweil die Teuffel sich noch nit begnügten, ine mit den Versuchungen zu beunruhigen / thaten sie ine auch mit Gelegenheit der Sünden bestreiten / wie in nachfolgendem Exempel zu sehen.
Dann als er in Puglia zu den Zeiten da er noch unbekant / in einer Kirchen / nahent Keyser Fridrichen deß anderen Palast
(in Bari?) predigte / kamen darzu vil desselben Hoffgesinds / welches als sie ihne die Sünd so eyfferig hörten straffen / sagende daß die jenige welche ihrer Begirligkeit folgen oder genug thun wolten / nimmer kein Statt oder Theyl in dem Reich Gottes haben würden : Lauffen sie dem Palast zu / erzehlen alles (Spott weiß) dem Keyser / der gibt ihnen zu Antwort:Wahrlich dise Prediger sagen vil / und halten wenig / derhalben will ich / auff daß ich sehe ob sein Leben der Lehre gleich / daß ewer einer ihne zu Gast lade / unn uber Nacht behalte / unnd nach dem ihr ihme wol zu Essen unnd zu Trincken geben /
ihme ein schön Weibsbild zulegen / auff daß man erfahren möge / ob sein Beständigkeit so groß als ers predigte.Alsbald nimbt einer dise Burde auff sich / (wie man dann an den Höffen vil findet / die inn dergleichen Sachen vil lieber ihren Fürsten liebkosen / dann da Ehr unnd Tugent mitlauffen) diser da es ihn Zeit gedunckt / ladet den Heyligen zu Gast.
Der nimbt einfältiger Weiß (weil er niemandt was Billichs unn Ehrlichs zu versagen gewohnt) die Ladung an / und gehet mit ihme inn sein Hauß / welches gar prachtlich zugerüst was / setzen sich zu Tisch / essen / der heylig Mann aber seinem Gebrauch nach gar wenig.
Als solches vollendet / führt er ihn in ein wolgezierte Kammer / darinn ein herrlich Beth / und ein groß Feur in dem Kamin wegen der kalten Zeit gebrunnen / saget zu ime er solte ruhig schlaffen / und wünschet ihme ein gute Nacht.
Der heylig Vatter sprache / ein solche Kammer und Beth gehörten nit für einen Bettler wie er / sonder der blosse Boden / oder ein wenig Stro darauff wäre sein Geliger.
Er aber antwortet nichts / sondern zeucht darvon / und laßt die Thür ein wenig offen
/ führt alsbald ein schöne und in solcher Arbeit wol erfahrne Metz hinein / verheisset ihr grosse Geschänck / wann sie disen Bruder mit ihr zu sündigen bewegen möchte.Dise nach dem sie ihne sein Gebett verrichten / und seiner Gelegenheit nach niderliegen lassen / gehet als es sie Zeit gedunckte / zu ihme da er lage.
Als sie der heylig Mann gesehen / sagt er: Wer bist du / oder was hast du allhie zu schaffen?
Sie antwortet / sie wäre kommen verborgner Weiß bey ihme zu ligen / unnd von dannen nit zu weichen / so lang / untzt er ihren Willen vollbracht hätte.
Der Heylig stehet auff von dem Beth / unnd sagt: Wolan weil dus also haben wilt / so gesche es / allein hab ein kleinen Verzug / biß ich uns das Beth richte / verricht ein kurtzes Gebett / eylet dem Kamin zu / zeucht mit einem Eysen so alldorten / die brinnende Glut herauß auff das Pflaster / breits auß einander / legt sich ohn verletzt darauff / begert zu gleich wie mit der Möhrin in Egypten / die Metz solte sich zu ihm legen.
Das arme Weibsbild / die gleichwol ein Sünderin / als sie das sahe / facht an laut zu schreyen / und sich zu beklagen / sagende / sie habe Gott und seinen Diener beleydiget / wirfft sich weinend ime zu Füssen / und bitt umb Verzeihung.
Die jenigen gleichfals so vor der Thür den Außgang ihrer argen Anstifftung erwarteten / erschracken ihrer schandtlichen That wegen / bereweten / dieselbe lauffen zitterend und voller Schrecken dem heiligen Mann zu / begeren Verzeyhung.
Berichten dises alles den Keyser / der erforderet ihn / begert gleichfals umb Verzeyhung / und bittet / er solle seiner unnd der seinigen in dem Gebett gedencken.
Also auff dise Weiß entgieng er dem Wollust deß Fleischs / so ihme durch dises Weib und den Teuffel angebotten / wurde der Keyser sambt dem Hoffgesind confundiert / und uberwunden / und geoffenbart / daß der Heylig eben diser im Werck / der er in Worten / wäre / und letztlich der allmächtig G O T T gelobet.
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