ETIKA

FRANZISKUS-CHRONIK

www.etika.com

12F3161

Der teuflische Einfall
Kaiser Friedrichs II.

7.1.1999 – 13.9.2012

Der Cronicken der mindern Brüder, das erst Buch, Konstanz 1603. Cap. 61, S. 204ff.

Von vilen andern Versuchungen und Künsten
/ mit welchen der Teuffel ihn geplaget. Fioreto.

DIeweil die Teuffel sich noch nit benügten / ine mit den Versuchungen zu beunrühigen / thaten sie ine auch mit Gelegenheit der Sünden bestreiten / wie in nachfolgendem Exempel zu sehen.

Dann als er in Puglia zu den Zeiten da er noch unbekant / in einer Kirchen / nahent Keyser Fridrichen deß anderen Palast (in Bari?) predigte / kamen darzu vil desselben Hoffgesinds / welche als sie ihne die Sünd so eyfferig hörten straffen / sagende daß die jenige welche ihrer Begirligkeit folgen oder genug thun wolten / nimmer kein Statt oder Theyl in dem Reich Gottes haben würden : Lauffen sie dem Palast zu / erzehlen alles (Spott weiß) dem Keyser / der gibt ihnen zu Antwort:

Wahrlich dise Prediger sagen vil / und halten wenig / derhalben will ich / auff daß ich sehe ob sein Leben der Lehr gleich / daß ewer einer ihne zu Gast lade / unn uber Nacht behalte / unnd nach dem ihr ihme wol zu Essen unnd zu Trincken geben / ihme ein schön Weibsbild zulegen / auff daß man erfahren möge / ob sein Beständigkeit so groß als ers predigte.

Alsbald nimbt einer dise Burde auff sich / (wie man dann an den Höffen vil findet / die inn dergleichen Sachen vil lieber ihren Fürsten liebkosen / dann da Ehr unnd Tugent mitlauffen) diser da es ihn Zeit gedunckt / ladet den Heyligen zu Gast.

Der nimbt einfältiger Weiß (weil er niemandt was Billichs unn Ehrlichs zu versagen gewohnt) die Ladung an / und gehet mit ihme inn sein Hauß / welches gar prachtlich zugerüst was / setzen sich zu Tisch / essen / der heylig Mann aber seinem Gebrauch nach gar wenig.

Als solches vollendet / führt er ihn in ein wolgezierte Kammer / darinn ein herrlich Beth / und ein groß Feur in dem Kamin wegen der kalten Zeit gebrunnen / saget zu ime er solte ruhig schlaffen / und wünschet ihme ein gute Nacht.

Der heylig Vatter sprache / ein solche Kammer und Beth gehörten nit für einen Bettler wie er / sonder der blosse Boden / oder ein wenig Stro darauff wäre sein Geliger.

Er aber antwortet nichts / sondern zeucht darvon / und laßt die Thür ein wenig offen / führt alsbald ein schöne und in solcher Arbeit wol erfahrne Metz hinein / verheisset ihr grosse Geschänck / wann sie disen Bruder mit ihr zu sündigen bewegen möchte.

Dise nach dem sie ihne sein Gebett verrichten / und seiner Gelegenheit nach niderliegen lassen / gehet als es sie Zeit gedunckte / zu ihme da er lage.

Als sie der heylig Mann gesehen / sagt er: Wer bist du / oder was hast du allhie zu schaffen?

Sie antwortet / sie wäre kommen verborgner Weiß bey ihme zu ligen / unnd von dannen nit zu weichen / so lang / untzt er ihren Willen vollbracht hätte.

Der Heylig stehet auff von dem Beth / unnd sagt: Wolan weil dus also haben wilt / so gesche es / allein hab ein kleinen Verzug / biß ich uns das Beth richte / verricht ein kurtzes Gebett / eylet dem Kamin zu / zeucht mit einem Eysen so alldorten / die brinnende Glut herauß auff das Pflaster / breits auß einander / legt sich ohn verletzt darauff / begert zu gleich wie mit der Möhrin in Egypten / die Metz solte sich zu ihm legen.

Das arme Weibsbild / die gleichwol ein Sünderin / als sie das sahe / facht an laut zu schreyen / und sich zu beklagen / sagende / sie habe Gott und seinen Diener beleydiget / wirfft sich weinend ime zu Füssen / und bitt umb Verzeyhung.

Die jenigen gleichfals so vor der Thür den Außgang ihrer argen Anstifftung erwarteten / erschracken ihrer schandtlichen That wegen / bereweten / dieselbe lauffen zitterend und voller Schrecken dem heiligen Mann zu / begeren Verzeyhung.

Berichten dises alles den Keyser / der erforderet ihn / begert gleichfals umb Verzeyhung / und bittet / er solle seiner unnd der seinigen in dem Gebett gedencken.

Also auff dise Weiß entgieng er dem Wollust deß Fleischs / so ihme durch dises Weib und den Teuffel angebotten / wurde der Keyser sambt dem Hoffgesind confundiert / und uberwunden / und geoffenbart / daß der Heylig eben diser im Werck / der er in Worten / wäre / und letstlich der allmächtig G O T T gelobet.

Franziskus-Übersicht - - - Index 1