ETIKA

FRANZISKUS-CHRONIK

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Von den Schlachten der Teufel in den Einöden

14.9.2012

Der Cronicken der mindern Brüder, das erst Buch, Konstanz 1603. Cap. 62, S. 206ff.

Von den grossen Schlachten / so die Teuffel dem Heyligen inn den Einödinen zufügten.
S. Bonaventura. S. Ant.

GRoss waren inn Wahrheit diese deß Heyligen Anfechtungen / aber vil grösser die jene / welche ihme die Teuffel under dem Gebett / in den Einödinen zufügten / da sie ihn hefftig bekriegten / erschinen ihme inn erschröcklichen unnd so abscheulichen Gestalten / daß es menschlicher Creatur / ohne sondere Krafft und Beystand Gottes / unleidenlich / unnd vil malen mit solcher Ungestimme / daß es scheinte als ob sie streiten wolten.

Eines Tages sagt der heylige Mann zu Bruder Egidio (welcher gleichfals von dem Teuffel angefochten / ihne fragte / ob er auch jemalen was inn der Welt gesehen / welches Anschawung so abscheulich wäre / daß es niemandts wers auch wäre / so lang als ein Vatter unser gebettet / erdulden möchte) der Teuffel wäre so unflätig und erschröcklich / daß ihn auch keiner eines halben Vatter unsers lang ohne Sterben möchte anschawen / wann ime nit sonderlich von dem Herren geholffen wurde.

Mit disem allem / hat er mit himlischen Waffen angethan / je mehr er von ihnen bestritten / je mehr sich selbsten auffgemuntert / unn beflissen / sagende (Psal. 56.):

Under dem Schatten deiner Flügel/ O Herr / will ich mich vor dem Gewalt dieser bösen Geister erretten.

Erfordert sie vil malen inn der Wüste / unnd sprach:

Gehet mit mir umb wie ihr wöllend / ihr falschen und argen Geister / dann ich bin gewiß / daß ir nichts mehr an mir vermögt / als euch von meinem Gott zugelassen wirdt / dessen Geschöpff bin ich / und von dessen wegen bin ich bereit alle Beängstigung / und Trübsal / die er mir durch euch schicken wirdt / zu gedulden.

Ab welcher grossen Beständigkeit die Teuffel erschracken / solche nit erleiden möchten / und von ihme weichen müssen.

Als sich der heylig Mann nit weit von Bononia inn S. Peters Kirchen auffgehalten / kam ihn ein Begird an zu ruhen / auff daß er hernach dem Gebett desto baß obligen möchte.

Als er aber kaum ein wenig entschlaffen / empfindt er seine Feind / bezeichnet sich mit dem heyligen Creutz / gehet zu der Kirchen auß / und sagt:

Ich beschwere euch ir bösen Geister in dem Namen Gottes allmächtigen Vatters / daß ir disem meinem Leib alles das jenig anthut / was euch von dem Herren zugelassen wirdt / dann ich bin bereit alles von seiner Liebe wegen zu leiden / unnd dieweil ich keinen grössern Feind hab / als disen meinen Leib / werdet ihr mich an ihm rechen.

(Anmerkung: Ich beschwöre euch, ihr bösen Geister, in dem Namen Gottes des allmächtigen Vaters / daß ihr diesem meinem Leib alles dasjenige antut / was euch von dem Herren zugelassen wird / denn ich bin bereit, alles von seiner Liebe wegen zu leiden / und dieweil ich keinen größern Feind hab / als diesen meinen Leib / werdet ihr mich an ihm rächen.)

Als er diß gesagt / entwichen sie alle.

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