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FRANZISKUS-CHRONIK

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Wie Franziskus seine Brüder von Versuchungen befreite

15.9.2012

Der Cronicken der mindern Brüder, das erst Buch, Konstanz 1603. S. 208ff.

Wie der heylige Vatter seine Brüder von den Versuchungen entledigte.
Cap. 63. S. Bonaventura.

AUff dise Weiß hat diser heylige Mann mit der Hilff Gottes / so viel rühmliche Sig und Victorien wider die Feind erhalten / und dieselben also erschreckt / daß er sie allein in seinem Namen / wann es zu der Ehr der Göttlichen Maiestät reichte / außtribe.

Uber welche Krafft Gottes er / wegen deß steten Streits / so er mit ihnen geführt / so grosse Erfahrung gehabt / daß er den seinigen alle mal wann es die Noht erforderet / köndte rahten / sie trösten / und allerley Mittel wider solche suchen / unnd geben / wie hernach zu sehen ist.

Ein alter / Gottesförchtiger / und dem Heyligen gar angenemmer Bruder / war mit wunderbarlichen Gedancken der fleischlichen Versuchungen angefochten / also daß er schier solchen weitern Widerstand zu thun  gar verzagte / und schämet sich (weil die Scham solcher schnöden unnd bösen Gedancken allbereit so weit in ihm eingewurtzt) solche zu beychten / halff ihne weder das Fasten / Casteyen / oder das Gebett / widerstunde doch auff dz best so er möchte.

Sihe da schickt ihme der allmächtig Gott seinen Diener Franciscum zu Hilff / welcher als als er zu ihme kommen / ihne auff ein Ort genommen / unnd gesagt:

Allerliebster Bruder / ich will du sollest hinfüro dise und jene deine Fantaseyen nit mehr beychten / mit welchen dich der Teuffel bißher nit könden fellen. Derhalben förcht ihn hinfüro nit mehr / sonder sprich allemal / wann er dich versuchen unnd anfechten wirdt / drey malen das Vatter unser / so wirst du durch die Barmhertzigkeit Gottes erlediget werden.

Der Bruder verwundert sich der Krafft deß heyligen Manns / daß er auch seine Gedancken erkent hätte / erfrewet sich einer so leichten und ringen Artzney / braucht selbige / unnd wirdt von den Versuch- und Anfechtungen entlediget.

Bruder Rugierus auß der Marck / ein Religios eines heyligen Lebens / wirt auß Verhengknus Gottes dermaßen von den Teufflen angefochten / daß er vermeynt von Gott verlassen zu seyn.

Als ihn aber darwider nichts helffen wolt / nimbt er dises zu dem letsten Mittel an die Hand / und spricht:

Ich will zu dem heyligen Vatter gehen / wann derselbige mich freundtlich empfahen / und sich gütig gegen mir (wie sein Gewohnheit ist) erzeigen wirt / will ichs für ein gewiß Zeichen halten / daß sich Gott meiner erbarmen werde / sicht er mich aber nit gern / wirt es ein Zeichen seyn / daß Gott mich verlassen.

Als er diß gesagt / macht er sich auff den Weg / gehet dem heyligen Mann zu / der sich zu Assisi in deß Bischoffs Hauß kranck befande / und deme dises alles geoffenbart ware / der befilcht den Brüderen Leoni und Maseo / sie sollten ihme entgegen gehen / und von seinet wegen anmelden / er liebte ihne under allen der Religion Verwanten sonderlich.

Als solches der trostlose Bruder gehört / falte er auff die Knie / sagt Gott von gantzem Hertzen Danck / welcher seine Diener nimmermehr verlasset / und allzeit das Bitt derenso ime vertrawen / erhöret / und mit seiner Gnaden zu Hilff kommet / auff daß sie inn seinem Dienst verharren:

Stehet auff / gehet mit ihnen zu dem Vatter / welcher als er ihn gehört / von dem Beth auffgestanden / ihm entgegen gangen / ihne umbfangen / und von ihme biß er entlediget worden / mit gescheiden / schickt ihn alsdann wol content / und von den Anfechtungen / unnd Versuchungen entlediget / widerumb seinen Weg fort.

Bruder Angelus ward gleichfals so starck angefochten und versucht / daß er zu Nacht auß Forcht der Teuffel nit dörffte allein seyn / disen bezeichnet der heylige Mann mit dem Zeichen deß heyligen Creutzes / und befilcht ihme / er solt auff den Berg steigen / und mit heller Stimm sagen:

O ihr hoffertigen Teuffel / kommet nur alle her / und verrichtet an mir / was euch von dem Herren vergont ist.

Als der Bruder diß verricht / sahe oder hörte er nichts mehr  / so ihn beleydigen möchte.

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