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FRANZISKUS-CHRONIK

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Wie Franziskus seinen Brüdern von weitem zu Hilfe kam

16.9.2012

Der Cronicken der mindern Brüder, das erst Buch, Konstanz 1603. S. 210f.
mit dem Segen für Bruder Leo

Wie der Heylige etlichen seinen Brüderen von weitem zu Hilff kommen.
Cap. 64.

DIeweil der heylige Vatter seine Brüder allzeit in dem Hertzen seiner Seelen truge / verdient er daß der Herr vil malen (wann er für sie bettet) ihme die Trübsal und Mühseligkeiten derselben offenbarte / auff daß er denen durch sein Zureisen / Schicken / oder Gebett / zu Hilff kommen möchte.

Eines mals als sein Vicarius Capitel gehalten / sicht der heylige Mann im Geist einen Bruder / welcher sein Schuld / auff daß ers nit büssen dörffte / nit bekennen wolte / defendierte sich mit scheinlichen Außreden auff das eusserist.

Der Heylig rüfft einen seiner Brüder / und spricht:

Siehe wie sich der Teuffel disem Armen Bruder auff die Achsel gesetzt unn ime den Hals verhebt / ich hab aber Gott für in gebetten / und er hat mich erhört / gehe hin unn sage im / er solle sich gegen seinem Vicario demütigen / der Teuffel werde hinfüro keine Gewalt an ihme haben.

Als der Bruder / den er geschickt / solches verricht / wirfft sich der arme Mann schon wol berewt ime zu Füssen / erkent seine Schuld / thut Buß / und verdient hinfüro heylig zu leben.

Als Bruder Leo mit vilen teufflischen Anfechtungen und Versuchungen beladen / schickt ihme der heylig Vatter einen seiner Zetlen / eben wie er ihn begerte.

Alsbald er den lase / ward er entlediget / dessen Innhalt war diser.

Der Herr bewahre und benedeye dich / und wende sein Angesicht zu dir / der Herr arbarme sich deiner / unnd geb dir Friden / der Herr gebe dir Bruder Leoni seinen Segen / Amen.

Diese Wort auß dem Buch Numeri (Num. 6.) von der Benediction deß Herren genommen / hätten solche Krafft / daß sie alle die / welchen der heylige Vatter solche Schrifftlichen zuschicket / von den Versuchungen erledigten.

Inn S. Maria der Engel Kirchen / zeigte der Herr dem heyligen Francisco ein grosse Menge der Teuffel / welche hinein in die Kirchen begerten /unn aber nit hinein kommen möchten / so lang biß ein Bruder gegen einem anderen angefangen Haß zu tragen / welcher als er allgemach zuname / unnd ihme das Hertz gefült / bekame der Teuffel dardurch Gewalt uber ihn / und fuhre in ihn.

Welches als der Heylige (wie ein mitleidenlicher Hirt seiner Schäffle) sahe / ließ er alsbald den Bruder berüffen / strafft ihn wegen deß Haß / so er gegen seinem Mitbruder getragen.

Diser erschrickt / daß der Heylig solches wissen solte / erkent die Krafft Gottes / laßt den Haß fallen / unn wirt also von seinem Feind erlediget (Anmerkung: befreit, entlediget).

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