ETIKA

FRANZISKUS-CHRONIK

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Von der Demut des Franziskus

29.9.2012

Der Cronicken der mindern Brüder, das erst Buch, Konstanz 1603.

Von der Demütigkeit die in dem Heyligen erscheinte.
Cap. 66. S. Bonaventura. Aug. - S. 216ff.

NAch solchem seiner und der seinen rühmlichen wider den Teuffel erlangten Sig / (weil diser allein der ihme zu vil zumißt uberwunden / der demütige aber durch das Garn schleufft wie die kleinen Vischlen) ist es Zeit daß wir sehen / auß was Ursachen der heylige Vatter wider dise hoffertige unnd rebellische Geister sighafft worden / so durch nichts anders / dann sein grosse Demut beschehen / mit welcher er nit allein ihre schröckliche Anläuff und Stürm uberwunden / sonder weil sie ihme in die Läng nit widerstehen möchten / gar inn die Flucht getriben / dieweil solche die Guardi / die Schöne / unnd die Mutter aller anderen Tugenten ist / uber welche alle sie inn ihme erleuchtet und scheinet / als in einer Person / so under allen den Minderen Brüderen die geringste wolt seyn / und welche sich unabscheulich für den grösten aller Sünderen bekante / unnd sich anderst nichts als ein Vaß aller Laster / und nit (wie er wäre) ein außerwehlt  Vaß voller Heyligkeit / wegen seiner vilfältigen Tugenten / unnd sonderen Gnaden / in welchem (als in einem reynen Spiegel) alles Guts erscheinte / schetzte.

Hat derhalben sich beflissen auff dise Tugent der Demut / alles seyn heyliges und edels Gebäw zu setzen: Sagte / von nichts anders wegen wäre Christus der Herr auß der Schoß seines himlischen Vatters in die Welt kommen / unn dises unser so verachtlich Fleisch angenommen: dann daß er uns (nach dem wir erlößt worden) als der wahre Meister der Demut mit Worten unnd Wercken das jenig so er selbst sagt / underwise / da er spricht (Matt. 11.):

Lernet von mir / dann ich bin sanfftmütig / unnd demütig von Hertzen:

Dannenhero er sich (als sein Nachfolger) hoch bemühet in der Demut bey ihme selbsten / unnd dann bey anderen sich zu erzeigen / förchtet daß ihme das jenig nit begegnet / wie geschriben stehet / daß diser so vor der Welt Groß geacht werde / vor Gott ein Grewel seye / pflegte offtermalen zu seinen Brüdern zu sagen (Prov. 11.):

Wie groß der Mensch vor dem Angesicht Gottes ist / so vil ist er / und nit mehr:

derhalben es unnütz und eytel Werck wäre sich selbsten in den weltlichen Würden begeren zu erhaben.

Darumben erfrewet er sich der Schmach / und Spott / so ihme angelegt wurden / betrübet sich deß Lobens unnd Ehrens / contendiert sich vil mehr gestrafft / als liebkoßt zu werden / dann / sagt er / von dem Straffen lernet er sich zu besseren / und zu demütigen / das Loben aber wäre ein lautere Eytelkeit / und unnutzlich Thun.

Brauchet grossen Fleiß die Gaben Gottes zu verbergen /  wolt auch das jenig so ihm zum Fall möchte Ursach geben / nit entdecken: dann als er einmal Heylig genent worden / sagt er / nit nent mich Heylig / dann ich kann noch Kinder geberen: Es solte auch niemandt gelobt werden / dann der welcher biß an das End (welches ungewiß) verharrete.

Der Sünder solte auch in allem was er thäte / ihme selbst kein Ruhm zumessen. Es köndte der Sünder fasten / weinen / betten / und das Fleisch casteyen / doch solches auß ihme selbsten nit / das wäre das fürnembst / nemblich seinem Herren getrew zu seyn / unnd inn solchem allein die Seel sich rühmen / das wurde er zu wegen bringen / wann er inn seinem Dienst alles das jenig so er Guts thäte / dem Herren zumeßte / von welchem alle Gnaden und Vollkommenheiten / als dem wahren Vatter alles unseres Trosts / herflussen.

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