ETIKA

FRANZISKUS-CHRONIK

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Liebe und Eifer aus Demut

30.9.2012

Der Cronicken der mindern Brüder, das erst Buch, Konstanz 1603.

Von der Liebe und Eyffer / so er wegen der Demut getragen.
Cap. 67. - S. 218ff.

EInesmals in dem Gespräch / sagt er zu den Brüderen:

Ich halt mich nit für einen Minderen Bruder / wann ich nit zuvor inn mir die nachfolgende Prob mache.

Ich nimm mir für ich ziehe zu dem Capitel / da alle Brüder versamblet seyen / und daß solche mich / als einen Praelaten / mit hoher Reverentz und Ehrerbietung empfahen / und bitten / ich solle sie mit Fürtragung deß Worts Gottes trösten / und ich auff daß ich ihrem Begeren Statt thue / auff die Kantzel steige / sie aber sich sammetlich wider mich auffwerffen / und sagen / schweig still / wir wöllen dich für keinen Prälaten mehr haben / dann du bist ein bäurischer / ungeschickter / und unerfahrner Mann / weist nit was du sagst / unnd ist uns ein Schand / daß wir einen solchen Praelaten unnd Obristen haben solten / und stossen mich also mit Schanden meinem Verdienst nach auß dem Capitel / ich hielte mich nit (sagt er) für ein Minderen Bruder / wann ich dises alles nit mit solcher Freud unnd Gutwilligkeit litte / als ich thäte wann ich gelobt wurde.

Darumben wann ich mich inn der Ehrerbietung erfrewe / was schöpff ich für Nutz darauß / als daß ich mein Seel mit eytelem Ruhm beschwere / und anders nichts gewinne: Da entgegen durch die Verschmähung die Seel versichert / und großen Nutz in dem Geist schaffet.

Auß welchem grossem Eyffer der Demut gefolget / daß wann er von wegen seiner Predigen / oder anderen Handlungen  gelobt wurde / er seinem Gesellen befahle das Widerspil zu sagen / unnd ihne mit Worten zu schmähen.

Welches als der Bruder (gleichwol wider sein Willen) verrichtet / antwortet der Heylig:

Gebenedeyet seyest du / der du die Wahrheit / unnd das jenig / welches deß Peter Bernhardons Sohn verdienet / redest.

Als er bey S. Maria der Engel war / kombt Bruder Maseu(m?) ein Lust an / unangesehen er sein allerliebster Freund (allein weil er wißte ihme ein Gefallen daran zu thun) den heyligen Mann inn seiner Demut zu versuchen / gehet zu ihm / und spricht dise Worte:

Woher dir? Woher dir?

Als wolt er sagen / woher dir O Francisce / so vil der Ehren? Deme antwort der heylig Vatter lachend:

Was meynst du mit disem Bruder Masee /

die gantze Welt (spricht er (Maseo)) laufft zu dir / ein jeder begert dich zu sehen / zu ehren / unnd dir zu gehorsamen / so vil ich aber weiß und sihe / bist du doch nit schön von Leib / du bist nit gelehrt / du bist nit wolberedt / unnd nit edel? Woher dann dir / daß jedermann dir zueylet? und die gantze Welt dir nachfolgt?

Der heylig Vatter allerdings mit seiner Demut angethan / antwortet disem seinem so grossen Freund / (nach dem er die Augen gen Himmel erhebt / ein wenig gebettet / und Gott gedancket)

Begerst du zu wissen woher diß wie du sagst / daß mir die gantze Welt nachfolge / so höre zu:

Es kommt von den Augen deß allmächtigisten Gottes / welchen (weil sie durch alle Ort die Guten und Bösem sehen ) gefallen / mich als den einfältigisten und schlechtisten Sünder der Welt zu erwehlen / dann die Schwachen und Einfältigen der Welt erwehlet Gott (1. Cor. 1.) / mit selbigen die edlen / hohen / starcken / und eytelen Weisen zu confundieren / auff daß die Glori allein sein seye / unnd die Creatur vor dem Angesicht deß Erschaffers nichts nit (sich selbst zu glorieren und zu rühmen) habe.

Wahrlich ein Antwort mehr als menschlich / von Himmel herab gegeben / da sie der Geist deß heyligen Vatters von disem hohen unnd gewaltigen Gott gelernet / welcher seine Augen allezeit auff die Demütigen im Geist wendet / wie dann solche die aller heyligiste Jungkfraw ebner Massen gelernet / da sie / als sie von der heyligen Elisabeth gelobt warde / antwortet:

Mein Seel machet groß meinen Herren: Dann er hat angesehen die Demut seiner Magt. (Luc. 1.)

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