ETIKA

FRANZISKUS-CHRONIK

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Übung der Demut

4.10.2012

Der Cronicken der mindern Brüder, das erst Buch, Konstanz 1603

Von dem Gespräch und Ubung der Demut deß heyligen Francisci.

Cap. 69. S. Bonaventura. S. 226f.

ES wolte der heylige Mann nit / daß daß in seiner Religion etwas (wie edel es auch wäre) seyn solte / welches in seinem Wesen eusserlich nit was der Demut und Armut erzeigte / von welches wegen er den Tittel der Buß Prediger / so Babst Innocentius der Drit / ime und den seinen gegeben / verlassen / und seiner Religion den Namen der Minderen geschöpffet / inn welchem sie das Leben der Minderen führend / sich als wahre Kinder der Apostolischen Regel / so er sie lernet / erhalten solten.

Eben diser Ursach halber wolt er nit / daß die Praelaten seines Ordens / sich solten Priores nennen / sonder allein Ministros unnd Diener / ein Namen von Christo im Evangelio gesetzt / da er sagt: (Matt. 20.):

Er wäre kommen zu ministrieren unnd zu dienen / auff daß sie mit disem Ubernamen allzeit ir Amt / und Anfänger Christum Jesum in Gedechtnus behielten. Er nent sie auch Guardianen / auff daß sie gute Guardi uber ihre Brüder halten solten.

Uber das wolt er / daß seine Brüder mehr mit den Armen / als mit den Reichen unnd grossen Welt Hansen conversieren solten.

Und auff daß er sie demütig erhielte / übet er sie im Hauß außkehren / Schüssel wäschen / kochen / in den Spitälern den Krancken und Außsätzigen zu pflegen / und inn Verlaugnung deß eignen Willens: welches alles er in seiner selbst Person erzeigte / und ob er gleichwol General ware / handlet er doch nichts auß eignem Kopff /sonder berahtschlagets zuvor mit den seinigen / oder meisten Theyls in dem Gebett mit Gott / welcher dann ihme / was er für sich selbsten / und andere thun solte / offenbaret.

Er schembt sich nit von den Ringeren als er auch die geringste Sachen zu lernen / weil er der wahrhafftig Geringste war / welcher von dem höchsten Meister Christo grosse Sachen / ja die fürtrefflichste Philosophiam gelernet hätte:

·       Sein Begird alle die Zeit seines Lebens ist gewesen / von den Verständigen unnd Einfältigen /von Vollkomnen und Unvollkomnen / von Grossen und Kleinen / Hohen und Nideren / die Weiß wie er ein wahrer Diener Christi möchte werden / zu lernen / und dancket ja gar mit dem Fußfall einem jeden einfältigen unnd geringen Menschen / der ihne was lernet.

Wie er eines mals gethan / als er gar schwerlich kranck war / und seiner Oratorium eins besuchen wolte / und auff einen Esel gesessen / findet er ein alten Baursmann / welcher die Erden hawet: Diser als er ihn sahe / höret auff zu arbeiten / fragt sein Gesellen / ob diser der berühmbte Bruder Franciscus wäre.

Disem antwortet der Bruder / er wär es. Der Baur wendet sich zum heyligen Mann / unn spricht:

Befleisse / und bemühe dich Bruder / dass du fromm seyest (wie wir alle von dir halten) dann vil haben ein sonderen Glauben inn dein Person / derhalben halte dich also daß durch dich nichts geschehe / dann was man von dir hoffet.

Alsbald der H. Vatter diß erhört / steigt er von dem Esel / falt ime zu Fussen / küßt ihm die Füß / und dancket im umb die brüderliche Erinnerung / so er ihme gethan hätte.

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