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FRANZISKUS-CHRONIK

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Beständig in der Demut

6.10.2012

Der Cronicken der mindern Brüder, das erst Buch, Konstanz 1603

Von der Bestandhafftig- und Mannligkeit deß heyligen Francisci /
unnd wie er die Novitzen inn der Demut und Gehorsame probieret.

Cap. 70. S. 228ff.

ZUgleich wie er dem guten und heyligen Raht eines jedwederen / wie einfältig er auch war / gehorsamet / also entgegen wann solcher teuffelisch ware / verwilliget er darein mit nichten / erzeigte inn solchem die Beständig- und Mannligkeit seines Gemüts / wie wol zu sehen geweßt inn dem Raht / so der Ostiensische Cardinal ihme / wie im 53. Capitel gemeldet worden / geben wöllen / inn welchem er erzeigt / daß wider den höchsten Raht Gottes / der Raht der Menschen nit solte gehört werden / unnd derhalben nie wolte bewilligen / daß in dem Orden / den er mit so grosser Strenge angefangen / etwas solte an derselben nachgelassen werden:

Wie er dann auch erzeigt / als ihme höchlich persuadiert worden / er solte den Brüderen der jenigen so in den  Orden tretten / zeitliche Güter anzunemmen vergonnen / auff daß sie in der Noht sich derselben gebrauchen  unnd bedienen möchten / welches er auch nit einwilligen wöllen / weil er wol erkante / wie grosse Ergernis solches den Weltlichen geberen wurde / welche vermeynen möchten / die Brüder wurden mehr von wegen ihres Nutzes und zeitlicher Gelegenheit / dann auß Eyffer deß Heyls der Seelen / in den Orden an und auffgenommen.

Zu dem daß ihnen selbsten durch dises Ursach gegeben wurde / sich von ihrer ersten nackenden Armut zu eusseren: Sonsten in allem anderem (das doch Gott unnd dem Orden nit zu wider ) außgenommen in disen gemelten Stucken / ließ er sie / seinen eignen Willen verlaugnend / ihres Gefallens regieren / wolte auch daß die anderen seine Brüder solchen verlaugneten / und selben dem Willen ihrer Praelaten underwurffen.

Es setzte der Heylig ein solches Fundament in dise sein Tugent der Demut / daß er von derselben wegen / die Gehorsame und Armut / ihre Töchteren sonderlich liebet / und sonderlich durch die Gehorsame probieret er die jenige / welche in sein Orden taugenlich oder untaugenlich wären / wie er dann zweyen Jünglingen die den Habitum begert / gethan / unn sie auff ein seltsame Weiß examiniert hat / Nemblichen / er führt sie in den Garten / und befilcht ihnen sie solten Kölsetzling umbsetzen wie er thäte / facht an alle mit der Wurtzen uber sich / und dem Kraut in die Erden zu setzen.

Als der eine under ihnen solches gesehen / facht ers an dem Heyligen zu verweisen / unn zu sprechen:

Nit also Vatter thut man ihm / aber grad das Widerspil. (Anm.: Gegenteil)

Der heylig Mann sagt:

Thu ihm wie ich / und frag weiter nit nach.

Der Jüngling aber / der die Krafft Gottes noch nit erkante / hielts für ein Narrenwerck / unnd wolts nit thun.

Der heylig Vatter spricht:

Ich sihe wol Bruder / du bist ein grosser Meister / fügest nit inn meinen Orden /

schickt ihn hinwegk: dem anderen aber der ihme gleich geantwortet / legt er den Habitum an.

Dieweil er sich aber in der Ubung dieser seiner Demut nie erstättiget / sagt er eines mals zu den Brüdern:

Als er auff ein Zeit Gott gebetten / er solte ihme / wann er sein wahrer Diener wäre / zu erkennen geben / habe ime der Herr geantwortet:

Alsdann wäre er sein wahrer Diener / wann er etwas das seinen Dienst belangte / gedechte / redte / oder würckete / derwegen sagt er:

Wann ihr mich inn solchem werden hinlässig sehen / bitte ich euch / straffet mich / unnd macht mich offentlich zuschanden.

Er liesse keines Wegs zu / daß er uber andere solt privilegiert seyn / weder in der Ehrerbietung / oder andern Particulariteten / die ime mehr Wolgefallen / als anderen in irdischen Sachen bringen möchten / weder in Kranckheiten / noch Reisen / zu welchen wann sie ihme eigne Gefehrten / die ihne nit verlassen solten / zugeben wolten / wolt ers doch in keinerley Weiß zugeben / sagte / er wolte disen sonderen Vortheyl nit haben / es wäre ihme genug daß er von einem Ort zu dem anderen wie sie der Herr inspirierte / begleitet wurde.

Unnd wann es nit ein Ubelstand wäre / sagt er / daß ein Religios allein unn einig wandlet / wolte ich (weil ich ein Blinden den ein kleins Hündle leitet / gesehen) mit mir auch kein anderen Gesellen nemmen / auff daß ich nit mehr als er wäre: hielt es für ein sondere Glori und Ehr / daß er von solcher Gelegenheit / Ehrerbietung / und Singularitet möchte abgehalten seyn.

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