ETIKA

FRANZISKUS-CHRONIK

www.etika.com

12F3171

Priester verehren

11.-20.10.2012

Der Cronicken der mindern Brüder, das erst Buch, Konstanz 1603

Von der Underthänigkeit unn Demut /inn welcher der Heylig wollte daß seine Brüder nach Ordnung der Römischen Kirchen / unnd under der Gehorsame der Priester leben solten.

Cap. 71. S. 230-233

ER wolte daß seine Brüder der heyligen Catholischen Religion underthänig sein solten / derselben Praelaten gehorsam und underworffen / und dessentwegen sein Religion gedachter Kirchen so wol recommendiert unn befohlen / hinderlassen.

Dann als er eines mals gen Rom gezogen, sagt er zu den Brüderen:

Ich gehe hin disen Orden der Kirchen zu befehlen / von der will ich /daß die Bösen gestrafft / unnd die Kinder der Gehorsame zu ihrem Heyl begabet sollen werden. Derhalben wann die Kinder die liebliche Gutthaten der Mutter erkennen / werden sie allezeit mit geistlicher Andacht derselben Lehr nachfolgen / unnd inn dem Orden under den Flüglen ihrer Protection nichts Widerwertiges handlen / wirdt auch das Kind Baals  / unnd der Ungehorsame nit ungestrafft bleiben.

Die heylige Kirchen wirdt die Glori unser Armut erhalten / auch nit zulassen / dz die Schöne der Demut durch die Eytelkeiten / Hoffart / und Ambition / verloren werde / wirdt in euch erhalten das Band deß Fridens und Liebe: die jenige aber so von der Regel und derselben Tugent abweichen / ernstlich straffen / auff daß sie durch die Haltung der Evangelischen Reynigkeit / allzeit in ihren Angesicht grune / unnd wirdt nit zulassen / daß sie den lieblichenGeschmack den sie ihr geben / verliere.

Dise ist deß heyligen Francisci Intention gewesen / seine Brüder der heyligen Catholischen Kirchen underthänig zu machen.

(Anmerkung des Abschreibers: am 11.10.2012 abgebrochen wegen heftiger Rückenschmerzen, fortgesetzt am 17.1.2013)

Ordnet auch allezeit einen auß den Cardinälen zu ihrem Protectoren zu erkiesen / als ein Sach die ine zu Wolfahrt deß Ordens nohtwendig zu seyn gedunckte:

Wolte nit allein daß sie gedachtem Protectori / sonder auch allen anderen Praelaten unnd Priesteren gehorsam seyn solten / sagte ihnen:

Wisset daß wir Mithelffer der Priester und Religiosen / die Seelen zu behalten genant seynd / und daß also durch uns / der Kirchen geholffen / und derselben heyligisten Glauben gemehret muß werden. Unnd dises glaube ich / habe mir der Bischoff von Assisi anmelden wöllen / da er zu Anfang meiner Bekehrung mich gewarnet / ich solte mich weißlich verhalten / auff daß zu selben betrübten Zeiten mein Orden die Herren nit zu hoch auffhebte / und etwar die Kirchen nit erkennen wolte / dessenwegen hab ich hernach allezeit ein geistliche Reverentz unn Ehrerbietung getragen / unnd will daß auch hinfüro getragen werde / den Praelaten / Priesteren / und allen Religiosen : unnd dieweil Gott dem allmächtigen nichts als das Heyl der Seelen angenemmer / wie S. Paulus sagt (1. Cor. 3.) / also wird solches vil mehr durch den Frid und Freundschafft der guten und frommen Religiosen /als durch Uneinigkeit zu wegen gebracht werden.

Unnd derhalben wann etwelche werden trachten sie zu verhinderen / will ich nit daß ihr darwider contrastieren / sonder daß ihr dem höchsten Gott die Sorg lasset / euch sey genug ihnen underthänig zu seyn / unn ewer Seits so tugentreich zu leben / daß von ewerentwegen under euch nit Uneinigkeiten / Zanck  und Hader erwachsen.

Wann ihr das thut / werdet ihr under einest / Gott dem Herren den Clerum, Religion / und das Volck gewinnen / welches seiner Allmacht vil angenemmer / als das Volck allein zu gewinnen / seyn wirdt.

Befleisset euch derhalben die Priesterschafft nit zu ärgeren / sonder so vil als immer müglich / ihre Mängel zu bedecken / und das jenig was bey ihnen ermanglen möchte / zu erstatten.

Dessentwegen disem heyligen Vatter zu einer Widergeltung die heylige Kirchen diese herrliche Antiphon zu einem Lob singet:

Francisce / ein Catholischer und Apostolischer Religios / hat die Christen underwisen / den Glauben der Römischen Kirchen wahrhafftigklich zu defendieren / zu schützen / zu halten / und die Priester uber alle anderen zu ehren.

Wann er sie in die Welt außschicket / war under den Underweisungen so er ihnen thäte / gewißlich diese die erste:

Wann ihnen ein Priester begegnet / solten sie vor ihm auff die Knie fallen / die Händ küssen / und die Benediction von ihm begehren / wann es sich begebe / ihnen die Kirchen säuberen / und bey denen vil mehr: als anderen sich auff halten und beherbergen.

Allegierte wann ihme ein Heyliger von Himmel / und ein Priester begegneten / wolt er zuvor dem Priester die Hand küssen / und hernach erst dem Heyligen Reverentz beweisen:

Dann von dem Priester empfienge er Christum Jesum / darumben wäre er mehrer Ehren würdig.

Von dieser Würde so er ihnen erkente / und der Reverentz so ihnen erzeigt solte werden / wolte er nit Priester werden / sonder allein Diaconus und der Priester Knecht seyn / welches seyn Exempel so vil gewürckt / daß zu dem Anfang der Religion / und Reformierung der Observantz / daß in einem Convent under vilen Brüderen / gar wenig Priester waren / suchten alle mehr durch das Mittel deß Gebetts / der Demut / unn Einfalt zu der Göttlichen Communication zu steigen / dann durch hohe Würden / Digniteten / und andere unverdienstliche Stapffen.

Anmerkung:

Franziskus wusste nicht, wie sich die katholische Kirche um die Wende zwischen dem zweiten und dritten Jahrtausend darbietet. Folgende Zeitungsmeldung hat er nicht gelesen, sonst hätte er die obigen Anweisungen anders formuliert und vor allem Konkretes über das Vorgehen bei Kindern Baals ausgesagt.

Der Philosoph Robert Spaemann sagte in der deutschen Zeitung „Welt“, das Zweite Vatikanische Konzil habe eine „Epoche des Niedergangs“ der katholischen Kirche eingeleitet, „hat die Katholiken lasch gemacht“; alles sei „so welk geworden“. Menschen, die die Auferstehung Christi leugneten, könnten Theologieprofessoren bleiben und als Priester während der Messe predigen. Leute, die die Kirchensteuer nicht zahlen wollten, flögen dagegen aus der Kirche hinaus. („Dolomiten“, 27.10.2012) Und an Kinderschänder hat er auch nicht gedacht, vgl. die ETIKA-Beiträge Kinder des Teufels und Mann und Frau.

Franziskus-Übersicht - - - Index 1