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ETIKA D12FA |
FRANZISKUS-CHRONIK |
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12F3179 |
Wie Franziskus in Greccio die erste Krippe aufstellte |
Der Cronicken der Minderen Brüder, Konstanz 1603. I, Cap. 79 |
Das erst Buch
Von der Auffmerckung / so
der Heylig in seinem Gebett gehabt / und der Andacht so er zu dem Gottsdienst
getragen.
Cap. 79.
S. Bonaventura
Mit grosser Andacht bettet er die Horas Canonicas, unnd ob er gleichwol wegen seiner Kranckheiten gar ermüdet und schwach / achtet ers doch nit /sonder stunde allezeit / oder kniete mit entblößtem Haubt / lase alles fleissigklich.
Wann er reiset / unnd es Zeit war / hielt er sich auff / unnd erließ die Ordnung nit weder von Regen / oder ander Ungewitters wegen / allegierte / daß weil der Leib / welcher von den Würmen gefressen müßte werden / mit Ruh wolte essen /wie vil mehr der Seelen diese Ruh / wann sie die Speiß deß Lebens empfienge / unnd selbige ewigklich ohne Corruption zu geniessen hatte / sollte gegeben werden?
Die Psalmen / sammt allem das darbey tractiert wurde / sprach er / als vor Gottes Angesicht: unnd wann sich begabe daß er darinn den Namen Gottes nennen müßte / sprach er ihn so lieblich auß / als wann er die Lefftzen lecket / so grosses Wolgefallen empfunde er an der Seelen.
Befahle auch seinen Brüderen / sie solten alles das Papir / darauff der Namen Jesus stünde / fleissig samblen unnd verwahren / damit es nit mit Füssen getretten wurde / hielte derhalben für ein grosse Beleydigung / weil man mit Gott redte / daß man anderem Acht geben solte.
Unnd wann es sich jemalen begabe / daß er sein Gemüt zu andern Sachen / ob es wol geistliche waren / wendet / bekente er sein Schuld inn der Beycht / wiewol er durch seinen grossen Fleiß dermassen die innerliche Potentias zu samen gebracht / daß ihme diese Weltmuggen wenig zu schaffen gaben.
Als er eine Fasten inn der Einöde war / begibt er sich zu einer Ubung ein Geschirr zu machen / als aber die Zeit verhanden / und er die Tertz bettet / und ihme sein Geschirr zu Sinn kommen / nimbt ers / wirffts inn das Feur / unnd sagt: Ich opffere dich dem Herren für sein Opffer / welches du verwirret hast.
Es
truge diser heylige Vatter ein sondere Andacht gegen dem heyligen Geburtstag deß
Herren: Dannenhero als er eines mals nit weit von Grecio war / zu Erweckung der Andacht der Glaubigen sich
entschlossen / solches Fest auff ein newe Weiß zu celebrieren.
Derhalben
als er zuvor (zu Verhütung Ergernus) von dem Babst die Erlaubnus begert / laßt er ein
grosse Krippen under einem alten Gewelb oder Bogen mit Hew zurichten / laßt
darzu ein Ochsen und Esel führen /
beruefft so vil seiner Brüder darzu / daß ihr schier mehr als der Innwohner
derselben Statt worden.
Dieweil
er aber solches zuvor publiciert / ist auß den umbliegenden Dörfferen / unnd
Schlossen vil Volck mit Pfeiffen und Schallmeyen / und anderen underschidlichen
Instrumenten zugeloffen / also daß selbige Berg von wegen deß Halls der
Instrumenten / weil sie es die gantze Nacht triben / erschalleten: er aber
verblibe allezeit sambt seinen Brüderen inn dem Gebett / mit einer Anzahl Liechter
/ welche mit Fleiß vor einem Bild / welches Christum / unser Frawen / unnd den
heyligen Joseph repraesentierte /
brannen / sagte das Evangelium bey der Meß / unnd prediget dem Volck mit solcher
Erweichung der Hertzen / daß als er den Namen Jesus nennen wollte / kondte ers nit
verbringen / nennet ihn nur das Kindle von Bethlehem.
Dises
Fest gieng nit ohne sein Nutz ab: Dann ein fürnemmer Edelmann / genant Johannes
von Grecio / nach dem er der Welt Ritterschafft / und seinen Pracht verlassen /
machet sich dem Heyligen gar gesellig / und einen Nachfolger / weil er ihne
vergangene Nacht / mit einem Kind an dem Arm / welches schlaffend scheinte /
und er lieblich erwecket / inn einem Gesicht gesehen.
Das Hew aber so auß dieser Krippen
genommen / hat vil Menschen und Vieh geheylet / und von ihren Kranckheiten
erlediget / durch welches erkent worden / daß der Herr bey dieser Andacht
gegenwärtig gewesen.