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FRANZISKUS-CHRONIK

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15.6.2013

12F3180

Von der Ordnung in den Bethäusern der Brüder

Der Cronicken der Minderen Brüder, Konstanz 1603. I, Cap. 80

Das erst Buch
Von der Ordnung / die der heylige Vatter in Zubereitung der Betthäuser gebraucht / und von der Sorg / so er getragen / auff daß seine Kinder guberniert wurden.
Cap. 80. Fioreto.

HOechlich bemühet sich der heylige Mann / auff daß seine Kinder die Weiß wißten / wie sie recht betten solten / damit sie / von allen weltlichen Geschefften befreyt / sich zu dem Gebett unn Betrachtung / als zu einem Bronnen / welcher allen unordenlichen Durst ersteckt und undertruckt / hergegen aber die Seel mit geistlichem Geschmack der Gnaden Gottes erfült / unnd ersättiget / begeben solten.

Und auff daß sie solches desto bas verrichten möchten / wolte er daß die Betthäuser der Brüder von der Gemeinschafft des Volcks abgesündert solten seyn / auff daß sie durch selbiges nit verhindert / und inn dem Gemüt zerstört wurden: Liesse ihnen solche inn den Wälden von den Esten der Bäumen unnd Rohren gestrickt machen / darinn sie ihre Fasten / inn dem Gebett und Abstinentz verzehren möchten.

Und damit die Sorg der zeitlichen Sachen / die Gnad deß heyligen Geists sie nit ersteckte / unnd also von allen weltlichen Gedancken entlediget wären / gab  er allein einem under ihnen / wanns die Anzahl der Brüder erleiden möchte / das Ambt der Porten / Kuchel / unnd deß Zehrgadens / die andern aber sollten nachfolgende Ordnung halten.

Den ganzen Morgen solten sie inn dem Gebett und Embteren verzehren / und das Silentium streng halten / so lang biß sie der Official zu gebürender Stund zu der Taffel rüffte / welches mit einem Ziegel geschahe / weil sie wegen Schöne der heyligen Armut kein Gloggen gebrauchten.

Es hätte der H. Mann im Gebrauch / in dem Winter in der Nacht umb drey Uhr auffzustehen / und wann er kein Liecht in der Kuchel sahe / inn den Garten zu gehen Kraut zu gewinnen / rüffte alsdann dem Koch / und gab ims / den Bruderen zu kochen.

Und wann der Koch inen Eyer oder Keß / so er zu Allmusen bekame / gabe / asse ers zu gebürender Zeit mutigklich und frölich / auff daß er den Brüderen ein Hertz machte / lobet die Fürsichtigkeit deß Kochs: wann er aber den Sachen zu vil thäte / strafft er ihn darumb / und befahl ihm / er solte ihm deß andern Tags nichts geben / das dann geschach.

Unnd obwol die meiste Zeit ihnen zu der Taffel nur Stückle Brot / so durch Gottes willen gesamblet / gegeben wurden / assen sie doch dieselben mit sonderem Lust / als ein Sach von Gott begert / und von seiner Liebe wegen empfangen.

Darumben / wie der Herr selbsten sagt (Deut. 8.): Der Mensch lebt nit allein von dem Brot / sonder von einem jeden Wort das da außgehet auß dem Mund deß Herren: wann sie zum wenigisten sorgten / unnd zum meisten bedörfften / waren sie durch die Engel / welche stet mit ihnen in dem Gebett conversierten / versehen.

Alsbald das Essen fürüber / übten sie sich mit grosser Stille / in den leiblichen Ubungen / bemüheten sich / nach Anordnung deß Vatters / inn den Nohtwendigkeiten deß Hauß.

Hernach zu der Vesper und Complet Zeit begaben sie sich sammetlich zu gewohnlichem Gebett in die Kirchen / oder ein ander darzu verordnet Ort.

 

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