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ETIKA D12FA |
FRANZISKUS-CHRONIK |
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12F3182 |
Wie
er durch das Gebet alles von Gott erlangt |
Der Cronicken der
Minderen Brüder, Konstanz 1603. I, Cap. 82 |
Das erst Buch
Wie er durch Mittel deß
Gebetts alles von Gott erlangt.
Cap. 82.
S. Bonaventura.
Allein Gott /
der ihme so vil Gaben unnd Gnaden mitgetheylt / kondte solches alles erzehlen /
nicht desto minder will nit billich seyn / das jenige so uns beschriben worden
/ zu verschweigen.
Als er sich in
die Einöde / seiner Fasten eine allda zu halten / begeben wollte / unnd aber
solches wegen seiner Schwachheit zu Fuß nit verrichten möchte / bittet er einen
armen Mann / er solte ihme sein Esel leyhen.
Der
bewilligets nit allein gern / sondern wolt auß sonderer Andacht auch mit ihme gehen:
und weil es gar heisse Zeit war / vermeynt er inn selben trucknem
Gebirg Dursts zu sterben /
klagts derhalben dem heyligen Mann / der wirdt alsbald zu Mitleiden bewegt /
steigt von dem Esel / kniet nider / facht an Gott anzurueffen /
lasst nit nach / biß er ihn erhört / stehet alsbald auff / sagt zu ihme:
Gehe hin zu diesem
Felsen / der wirt dir Wassers genug zu deiner Notturfft geben.
Der Mann gehet
/ findet das Wasser / unnd löschet den Durst / der Bronnen aber gestehet wider.
Dardurch der
Welt zu erkennen geben / dass allein durch die Verdienst deß heyligen Vatters /
gleich wie eines anderen Moyses / der Herr auß einem harten Stein Wasser habe fliessen lassen.
Weil der heylig Mann zu
Spoleti wohnet / sagt ihme ein Bruder / Andreas von Senis genant / so das Allmusen
samblet / es wäre ein ungottsförchtiger Burger daselbsten / von welchem er nie
kein Allmusen gehaben möchte.
Dem antwortet
er / er sollte sich befleissen / nur ein einig Stuck Brot von ihme zu bekommen
/ und ihme zu bringen.
Der Bruder gehet / ist mit
dem Begeren so unverschambt / biß er ihme letstlich auß Verdruß eines geben
müssen.
Alsbald er’s bekommen
/ gibt er’s dem heyligen Vatter / der zertheylts / gibt’s jedem Bruder darvon
ein wenig / mit solchem Geding / dass ein jeder für disen geitigen Mann
ein Vatter unser / unnd Ave Maria betten sollte: begibt sich sambt ihnen zum Gebett / und erlangen
von Gott / dass dieser geitige Mann freygebig worden / und ihme Gott sein
Irrthumb zu erkennen geben / also
dass hernach keiner ihnen mehr Liebe und Freundligkeit erwise.
Ein
Gottesförchtiger und frommer Edelmann führt den heyligen Vatter offtermalen inn
sein Hauß / erzeigte ihme so vil Freundschaft unnd Wohlthaten / dass er gleich
in ihne verliebt / und ihne inn dem Orden zu haben häfftig wünschte / begerte
von Gott / dass er solchen seinen so lieben Freund wolte erleuchten / auff dass
er die Welt verlassen möchte: verricht solches Gebett mit solchem Eyffer unnd
Innbrunst / eben in seinem Hauß / dass er verzuckt / und in den
Lufft erhebt warde / unnd so
lang verblibe / untzt der Edelmann / der daselbsten fürüber gienge / ihne also
inn den Lüfften / und neben ihme Christum / welcher ihme / als ihn gedunckte /
ein Gnad bewilligte / bekehrt sich darauff / unnd nimbt mit der Hilff unnd Gnad
Gottes den Orden an.
Als er durch den Wald
bey Cortona wandlet / zeucht ihme ein stattliche edle Fraw entgegen / begert
von ihme den Segen:
Als er ihr den
geben / erzehlt sie ihme den unseligen
Stand / in welchem sie sich selber Zeit befande / und sagt / es hätte ir vor
langstem der Herr / dass sie seiner Göttlichen Maiestät dienen sollte /
eingeben / deme sie auch zu gehorsamen begirig / ihr Mann aber wäre disem
ihrem heyligen Fürnemmen so gar zu wider / unnd ihrem Heyl so feind / dass sie inn unauffhörlicher
Bekränckung lebte: begert
derhalben er sollte ihr umb der Liebe Gottes willen rahten / und zu Hilff
kommen.
Der heylige
Vatter antwortet ihr / und sagt:
Weib setz dein Vertrawen inn Gott / dann derselbig / weil er dein Gemüt gerecht und
andächtig sicht / wirdt dein Begird erfüllen. Zeuhe derhalben wider zu Hauß /
unnd sage zu deinem Mann unerschrocken: Ich sage dir an Statt deß Herrens /
jetzt ist die Zeit der Barmhertzigkeit / hernach aber wirdt die Zeit der
Gerechtigkeit kommen / derhalben bitte ich dich durch die Wunden deß gecreutzigten
Christi / du wöllest dich darnach richten / auff dass wir inn Frieden unnd Forcht Gottes hinfüro leben mögen:
unnd du wirst sehen / er wirdt dich erhören.
Das Weib zeucht getröst wider Heim / verlasst den heyligen
Masnn für sie beyde bittend.
Ein wunder Ding / als sie zu Hauß kommen / fragt sie der
Mann woher sie käme:
Sie erzehlt ihme alles nach Ordnung / wie es ihr ergangen / und sagt ihme an Statt Gottes
die jenige Wort / so sie der heylige Franciscus gelernet: von welchen er so
sanfftmütig worden / dass er deme / der er zuvor gewesen / nit mehr gleichet:
Sagt zu dem Weib /
er wollte hinfüro sein Leben enderen / unnd nach ihrem Willen dem Herren
dienen. Sie sagt:
Weil es dir dann gefalt / dem Herren unserem Gott zu
gehorsamen / gedunckt mich für das erst gar thuenlich zu seyn/ dass wir hinfüro
das Gelübt der Keuschheit verloben und halten / welche ein Tugent so dem
Höchsten gar annemlich / und uns hoch verdienstlich seyn wirdt.
Der Mann lasst ims
gefallen / lebten also hinfüro mit einander heyligklich.
Diese Bekehrung erweckte selbiger gantzer Gegend ein grosse
Verwunderung / unnd das noch mehr / (weil sie so einig / und in
allem Guten verharreten
/ und hernach an einem Tag das Weib zu Morgen / unnd der Mann zu Abend / sie zu
einem Morgen- und er zu einem Abendopffer geendet) also durch deß Herren
Würckung jetzo inn dem Himmel / durch die Verdienst deß Gebetts deß heyligen
Francisci / vereinbart seyn sollten / unnd also durch dises grosse
Wunderzeichen derselben gantzen Gegend ein ewige Gedechtnus hinderlassen.