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ETIKA D12FA |
FRANZISKUS-CHRONIK |
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12F3183 |
Drey guldene Medeyen |
Der Cronicken der mindern Brüder, das erst Buch, Cap. 83, S. 274ff., Konstanz 1603 |
Von etlichen Erscheinungen / so dem Heyligen in seiner
Contemplation oder Betrachtung geschehen.
Cap. 83.
S. Bonaventura.
Es suchte der heylige
Vatter Franciscus allezeit Einöde / verborgne Ort / in welchen er desto
freyer mit Gott / und seinen heyligen Englen conversieren möchte /
machet ihme daselbsten sein Zellen von Esten der Bäumen / weit von aller
andern Bewohnung der Brüder / und befahle Bruder Leoni seinem Gesellen / er
sollte ihne nit mehr als ein mal deß Tags besuchen / und allein Brot und
Wasser zutragen / unnd zu Nachts zu der Metten Zeit zu dem anderen mal /
und zu seiner Ankunfft sagen:
Domine
labia mea aperies, O Herr thu auff meine Lefftzen: unnd wann er antwortet /
Domine ad adiuvandum me festina, O Herr eyle mir zu helffen: sollte er
hinein gehen / ihme die Metten helffen betten / wann er aber schwige / wider
darvon ziehen / dann er wäre etlich mal also verzuckt / daß er weder bey Tag
oder Nacht reden köndte.
Bruder Leo kame dem
Befelch auff das fleissigst nach / kondte doch nit umbgehen ihne jeweilen zu
seinem Trost außzuspehen.
Dannenhero er ihn vil
malen inn die Lüfft erhebt sahe / gienge alsdann freydig hinzu /
umbfienge ihm die Füß / wann er ihn aber nit erlangen köndte / weil er vil
malen so hoch als die Bäum / ja daß ihn menschlich Aug nit erweichen möchte /
erhebt ware / kniet er under ihm nider / und ruefft an die Barmhertzigkeit
Gottes.
Es erzehlet diser Bruder /
er hätte ihne kniend / mit auffgerichteten Augen / unnd Händen gegen Himmel /
gesehen / und gehört daß er diese Wort offt gesagt / unnd mit vilen Zeheren
wider erholet:
O mein Gott / wer bist du? und wer bin ich?
Auff welche Wort ein
Liecht herab auff sein Haubt kommen und im selbigen Schein ein Stimm / so mit
ihme redet / gehört / er hätte aber / weil er von dem heyligen Mann nit gesehen
wollte seyn / weit darvon gewesen / solche Wort nit verstehen mögen: Sahe
allein den Heyligen seine Hand zum dritten mal inn selbige Feurflammen
stossen / nach welchem das Gesicht alsbald verschwunden.
Inn seinem Wegkgehen aber
kondt er so still nit seyn / daß ihn der heylig Vatter nit hörte / ruefft ihm
alsbald / unnd strafft ihn darumb.
Bruder Leo gibt sich
schuldig / bittet / dieweil er ihm verzigen / er sollte ihme die Gnad auch thun
/ unnd was diese Erscheinung (so er geschehen) bedeutet / anzeigen.
Der heylig Vatter / der
ihme sein Bitt nit verweigeren wollte / facht an die Vision auff dise Weiß zu
entdecken: Du solt wissen / daß zu der Zeit als du das Liecht herab steigen
gesehen / mir von dem Herren die Erkantnus seiner Göttlichen Maiestät / und
meiner selbsten / communiciert und vertrawt worden.
Das
war dises / so ich an ihne begert / da ich sagte: O mein Gott wer bist du? /
und wer bin ich? Welches dann ist sein Hochheit / unnd Macht / und mein grosse
Gering- und Nichtigkeit / in der ich bin. Daher ich mich zu fragen nit
ersättigen könden: Woher ist es dann O Herr / daß du dich mit mir so
verworffnem Wurm so vil würdigest? Er aber antwortet mir so hohe Sachen / daß es
der menschliche Verstand nit fassen mag. Hernach inn dem Abschid begert er /
ich sollte ihme was opferen / ich aber sagte / ich hätte nichts inn dieser Welt
/ ich selbsten wäre sein / unnd hätte mich ihme inn Ewigkeit geschencket /
darumben wißt ich ihme weiter nichts zu geben. Er befahle darauff ich solte mit
der Hand drey mal inn mein Schoß greiffen / und was ich darinnen funde / ihme
opfferen. Ich thats / fande drey guldene Medeyen / welche ich ihme under
drey malen geopffert. Er zeigte mir an dise drey Medeyen bedeuteten / die Armut
/ Keuschheit / und Gehorsame / welche ich (durch sein Gnad) ihme dermassen
geopffert / daß in Haltung derselben / mich mein Gewissen mit dem wenigisten
nit naget.
Zu
Widergeltung aber dises Geschäncks so ich ihme thate / bewilliget er mir durch
sein grosse Güte / daß ich so wol umb diß / als andere Gnaden unnd Gutthaten /
so sein Göttliche Maiestät mir verlyhen / ihme mit Hertzen unnd Mund Danck
sagen wollte / unnd solche für sein unnd nit mein erkennen. Dises war das Außstrecken
der Händ / so du zu dem dritten mal gesehen.
Weil
ich dich nun aber befriden wöllen / so befihle ich dir doch darneben / daß du
solches keinem Menschen / weil ich lebe / offenbarest / unnd daß du mir / wann
ich bette / nit mehr nachgehest / zeuhe nun hin mit der Benediction deß Herren
deiner Zellen zu.
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