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ETIKA D12FA |
FRANZISKUS-CHRONIK |
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12F3184 |
Ein wunderlicher Schein |
Der Cronicken der mindern Brüder, das erst Buch, Cap. 83, S. 277f., Konstanz 1603 |
Von einer andern Erscheinung /
so dem heyligen Vatter geschehen
Cap. 84.
Fioreto
Als
sich ein junger einfältiger Bruder in einem Oratorio, inn welches sich die
Brüder / wann sie inn die Wilde gehen wollten / begaben / zu der Zeit als der
heylig Franciscus auch dahin kommen / befunden / unnd von wegen Einfall der
Nacht allda verbleiben müssen / nimbt er jm für dem jenigen / so er von dem
heyligen Francisco so vil gehört / wie er nemblich zu Nacht in dem Gebett
grosse Sachen verrichtet / Acht zu geben: legt sich derhalben / als die anderen
alle sich zu Ruh begeben / zu den Füssen deß heyligen Vatters / unnd bindet /
auff daß er ohn ihne sich nit hinwegk begebe / seinen an deß heyligen Vatters
Strick / auff daß wann er auffstünde / ihne auch erwecken müßte.
Dises
aber halff ihm wenig: dann der heylig Vatter stehet allgemach auff / löset die
Strick von einander / und zeucht darvon sein Gebett zu verrichten.
Der
Bruder der mit disem Gedancken schlaffen gangen / erwachet bald / und als er
sich allein / und also betrogen befunden / entschleußt er sich / ihme durch das
Holtz auff gut Glück nachzufolgen / unnd ihne zu suchen:
Und
war der Willen Gottes so gut / daß er ihn bald zu obrist auff dem Berg bettende
/ fande / unnd ein Red hörete / nahend hinzu / sicht ein wunderlichen Schein
/ der den Heyligen umbgabe / darinnen unseren Herren Christum Jesum / die
glorificierte Jungkfraw sein Mutter/ und den heyligen Johannem den Evangelisten
/ sambt einer unzahlbaren Menge der Englen / so zu gegen waren.
Als
er diß sahe / umbfienge ihn ein solcher Schrecken und Forcht / daß er gleich
geschwunden zu Boden fiele / und nit wider zu ihm selbsten kame / biß der heylig
Vatter nach Vollendung deß Gebetts / wider der Heimet zu wollte / und ohne
Gefähr in der Finstere an ihne stiesse / und ihme gleich was es wäre
imaginierte:
Nimbt ihn derhalben auff die Achsel / so best er möchte / tragt ihne mit der Hilff
Gottes / wie ein guter Hirt das geliebt Schäfflin / dem Schaffstall zu /
ermuntert ihn / unnd befilcht das jenig so er / weil er gebettet / gesehen /
ihme anzuzeigen / bindet ihme ebner massen ein / solches bey seinem Leben nit
zu offenbaren.
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