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ETIKA D12FA |
FRANZISKUS-CHRONIK |
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12F3189 |
Warum
Franziskus weinte, wenn er ein Lamm sah. Verfluchung des Schweins |
Der Cronicken der Minderen
Brüder, Konstanz 1603. I, Cap. 89 |
Franziskus aktuell zum Thema Rinderwahn /
Creutzfeldt-Jakob-Krankheit / Weihnachtsbraten / Osterlamm
Ein Klassiker! Man lasse
sich diesen Genuß nicht entgehen und mache sich die Mühe der Lektüre dieses
mittelalterlichen Textes. Das ist der wirkliche Franziskus wie er leibt und
lebt;
Warum Franziskus weinte, wenn er ein Lamm sah
Verfluchung des Schweins
David als Wurm
Wie der heylige Vatter Franciscus /
wann er einige Creatur sahe beleydigen /
den Herren darin betrachtende / sich deß Weinens nit erhalten köndte.
Cap. 89
S. Bonaventura.
Wegen diser
mitleidenlichen Liebe / die er vollkommenlichen zu seinem Christo Jesu truge /
ward sein Seel dermassen in seines Nächsten / als eines Glids Christi /
Widerwertigkeiten zu Mitleiden geneigt / daß er sich derselben / als wann sie
ihme selbst begegnet / bekränckte / unnd name solche Reynigkeit so vil zu / daß
er auch die unvernünfftige Creaturen nit möchte beleydigen sehen / sonderlich
die jenige / welchen unser Erlöser inn der heyligen Geschrifft verglichen
worden.
Liebet derhalben sonderbar die Lämblein / inn welchen die
Gedult unnd Sanfftmütigkeit unsers Herrens figuriert
wäre.
Als er mit
Bruder Paulo (welchen er zum Minister der Marck geordnet) von Ancona gen Osimo
reiset / traffe er under Wegen einen Hirten an / welcher under vilen Geissen
nur ein einig Schäffle hätte / welches als ers sahe / ihne sehr behertziget /
daß solches armseliges Thierle allein under so vil verweiten Geissen weiden
solte / spricht derhalben zu dem Gesellen (Anm.: einem Mitbruder):
Siehst du Bruder / wie dises Schäfflein so sanfftmütig under so vil Geissen unn Böcken
wandlet: Also ist Christus unser Herr under den Schrifftgelehrten und
Phariseeren sanfft- und demütig herumb gezogen / in dessen Namen bitte ich
/ laß uns alle Mittel versuchen / ob wirs von den Händen dises Hirten erledigen
möchten.
Der Bruder der
ime (weil sie kein Gelt hätten) zu helffen nit wißte / facht an sambt dem H.
Vatter seinen Schmertzen zu beweinen.
Inn deme kombt
ohne gefert dahin ein Kauffmann / begert die Ursach irer Betrübnus zu wissen.
Als er solche
vernommen / bezahlt er dem Hirten das Schaff / unnd gibts dem heyligen Vatter /
der erfrewet sich dessen hoch / führt es mit sich biß gen Osimo für den
Bischoff / der verwunderet sich / begert die Ursach zu wissen.
Als er die
vernommen / entsetzt er sich wegen der grossen Frommkeit deß heyligen Vatters /
unnd kan sich deß Weinens sambt ihme nit enthalten.
Den andern Tag
hernach schenckt er das Schäfflein / auff daß ihme nit weiters Ubel begegnet /
den Klosterfrawen zu S. Severina / mit grossem irem Frolocken / wegen der
Andacht so sie zu dem heyligen Mann trugen:
behieltens als sein Heylthumb mit sonderem Fleiß /
da es in kurzer Zeit so vil Wollen gegeben / daß sie dem heyligen Vatter einen
Habitum darauß machten / unnd ihme bey nächst gefolgten Capitel zu seinem
grossen Wolgefallen zuschickten.
Er umbfieng den
/ berueffet (Anmerkung: im Text heißt es berüffet, genauer gesagt ein u mit
einem winzigen e darüber, daher also kommt das ü, man sprach wohl damals auch
Brüder wie Brüeder, wie etwa heute noch im Schwäbischen) alle gegenwertigen
Brüder / ermahnet sie sich mit ihme zu erfrewen / wegen deß grossen Gewins / so
er an disem Lämble gethan hätte.
Ein ander mal /
eben in diser Provintz / begegnet ime ein anderer Baursmann / so zwey Lämmlein auff den Marckt solche
zu verkauffen / truge: als er nahend zu dem Vatter kommen
/ legt er sie ab auff den Boden umb ein wenig zu ruhen / dise weil sie gebunden
/ fahen an zu blärren / unnd der fromb Vatter sich deren zu erbarmen / wendet
sich zu dem Bauren / fragt warumb er sie also gebunden.
Er antwort /
damit sie mir nit
entfliehen / dann ich will sie auff den Marckt tragen / unn wegen großen Mangel
Gelts daselbst verkauffen.
Der heylig Vatter sagt:
Und was werden
die so sie kauffen / darmit thun?
Der Baur
schütlet (Anm.: also doch ein schwäbischer Übersetzer) den Kopff und
sagt:
O du guter Gesell / sie werdens abstechen / unnd nach ihrem
Gefallen sieden oder braten / und alsdann essen.
Der Vater sagt
bey ihme selbsten aller betrübt:
Ey das soll nimmer geschehen / dann ich will sie
für mich behalten /
ruefft dem Bauren
/ und sagt /
komme her / wilst du mir die Lämblein umb disen
meinen Mantel geben.
Der Bauer
besinnet sich nit lang / dann der Mantel war new / und ihme erst kurtzlich
gegeben) sagt:
machen also den
Tausch (Anm.: das wäre überhaupt die ideale Wirtschaftsform, und wenn unsere
Industriegesellschaft längst zusammengebrochen ist und von den Millionen
Städtern vielleicht nicht mehr viele übrig sind, werden die Aymará- und
Ketschua-Indianer auf dem Altoplano wie ihre Vorväter weiter Tauschhandel
treiben und überleben, obwohl ein Reisender geschrieben hatte, die
Globalisierung würde diese Relikte einer überholten Zeit bald gnadenlos
hinwegfegen. Die Verfasser des Handbuchs des einfachen Lebens)
/ und der heylig Vatter facht an zu trachten / wie
er die Lämblein versorgen wolte / gedunckt ine das best zu seyn / (wie er sich
mit seinem Gesellen berahtschlagget) er solts dem Bauren zu versorgen wider
zustellen / der müßt ihme aber versprechen / daß er sie weder verkauffen / noch
umbbringen wolte.
Als er nahend
bey Agubio inn S. Verecondi Kloster war / fellet ein Schäfflein ein Lamb / nit
weit von einer Saw / welche das Lämblein gefressen.
Als er solches
vernommen / facht er an hertzigklich zu weinen / und sagt:
Ach du mein liebstes Lämblein / wie wol andeutest
du den unschuldigisten Todt unsers Erlösers Jesu Christi.
Alsbald verflucht er das Schwein / ein wunder Ding / es
erkranckt zur Stund / stirbt den dritten Tag (Anm.: Man beachte,
wie Franziskus mit denjenigen umgeht, die das Gute zerstören, vergleiche einen
anderen Artikel, den wir in diesen Tagen publiziert haben.): das Aaß wirdt
wegen des Gestancks / in ein Gruben geworffen / kein Vogel oder Thier greiffts
an / oder wolt darvon fressen / verfault nit / dorret auß / und ward also zu
einer Gedechtnus behalten.
Von welchen Exempel ein
jedweder / der gegen seinem Nächsten einigen Grewel übet (Anm.: wir denken
an ...) / lernen solle die ewige Straff Gottes / unnd wie billich deß
Heyligen Mitleiden gewesen / weil er von Gott erhört zu werden verdienet:
welcher auch / weil sich David selbsten
einen Wurm / und nit Menschen nennet / die Würm so er in der Strassen fandt /
auff daß sie durch die Durchreisenden nit zertretten / auffhebet.
Den Immen (wann er
sie zu Winters Zeit sahe) gabe er / auff daß sie nit sturben / Wein oder Honig
zu essen:
und also inn
allen Creaturen Gott seinen Schöpffer erhebt / inn ihme tröstigklich gelebt /
unnd sich inn seinen Göttlichen Genaden erhalten.