ETIKA

FRANZISKUS-CHRONIK

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16.8.2013

12F3196

Vom prophetischen Geist des hl. Franziskus

Der Cronicken der Minderen Brüder, Konstanz 1603. I, Cap. 96, S.311-313

Von etlich anderen Sachen / in welchen der prophetische Geist deß heiligen Francisci wunderlich erkent worden.
Cap. 96. Fioreto.

ALs er eines mals / von dem Ostiensischen Cardinal gen Riete (da Babst Honorius mit dem ganzen Hoff ware) zu kommen gebetten und ersucht worden / und nahend dahin gelangt / sicht er eine grosse Menge Volcks gegen ihme herauß gehen / kehrt derhalben wider zu rugk / begibt sich in ein Kirchen bey S. Fabian genant / (ein gute halbe Meil Wegs von der Statt) da gar ein armer Priester was / welcher ine auff das best so er möchte / gar freundtlich empfienge.

Die Cardinäl / und andere des Hoffs so ihme entgegen gangen / als sie ihne erfahren / begeben sie sich auch dahin / ihne zu besuchen. Von welcher Besuchung deß armen Priesters Weingarten durch unverschämmte Leut vor rechter Zeit gewimmet warde / bekränckt sich dessen hoch / und beklagt sich selbsten / rewet ihn jeweilen daß er den heyligen Franciscum auffgenommen / weil es scheinte als ob ihme auß der Gutthat / so er dem H. Vatter bewisen / Übels entsprungen wäre.

Der heylige Vatter aber / so deß Priesters Klag / die er ihme zu sagen nit getrawete / in dem Geist erkente / unnd den Nutz so er an disem Ort schaffen wurde / und daß er von dem Herren dahin ein grossen fruchtbaren Weingarten der wahren Büsser zu pflantzen gesant wäre / wißte / gedachte es wäre nutzlicher disen irdischen Weingarten / dann den geistlichen zu verderben: jedoch als ein lieblicher Vatter / den Priester berüfft / ihne getröst / und gesagt / er solte nit förchten / dann auß disem so noch inn dem Weingarten wäre / ob es gleichwol wenig / wurde er umb halbs mehr wimmen / als er andere Jar gewimmet hätte.

Dieweil nun der Priester disen deß H. Manns Worten völligen Glauben gabe / verdienet er seinem Glauben gleich auch den Lohn zu empfahen / dann gegen 13. Som Weins / so er andere Jar gepflegt zu haben / waren ihme selbiges Jar 20. des allerbesten Weins / wie ime der heylig Vatter vorgesagt hatte.

Derhalben er dises herrliche Wunderzeichen mit Wunder und Freuden dem H. Francisco / unn allen derselben Gegend Völckern / zu dem Lob Gottes / und seines Dieners Francisci angemeldet unn außgerüffen.

In der Landschafft Massa / auff dem Berg Casal / als er in einer öden Kirchen sein Gebett verrichtet / offenbarte ihm der Herr /wie in selbiger vil Heylthumb seiner Heiligen verborgen legen. Der heylige Vatter erfrewet sich dessen / unnd damit solche nit länger allda unbekannter und ungeehrter verbliben / befilcht er den Brüdern / dieweil er sich allda wegen vil anderer Geschefften nit länger auffhalten möchte / solche zu erheben / und inn ihr Kirchen zu tragen / scheidet darmit von dannen.

Die guten Brüder aber vergaßen des Befelchs. Dannenher als sie eines Tags in ihrem Kloster die Meß lesen wolten / und den Altar darzu bereiteten / fanden sie darauff etliche gar scheinende glantzende Beiner / so einen lieblichen Geschmack gaben: verwunderen sich hoch / wie sie zu selber Zeit dahin kommen / erinneren sich deß heyligen Vatters Befelchs / erkennen / es müßten eben dise Beiner seyn / so der heylig Vatter ihnen zu erheben befohlen / und dieweil sie solches verabsaumbt / hätte der allmächtig Gott solchen Unfleiß wider erstattet / wie dann war.

Als aber der heylige Vatter wider dahin kame / alles vername / und den Brüderen (so ihne demütig darumb baten) verzygen / danckte er dem allmächtigen Gott / welcher so grosse Sorg uber die Eschen seiner wahren Diener trüge / höchlich / und begabe sich mit sonderem Frolocken solche zu sehen und zu verehren.

Als die Brüder Pellegrin und Falcon von dem heyligen Francisco angelegt warden / prophezeyt er ihnen / der erst / ob er gleichwol gar gelehrt / den Brüdern als ein Leyen Bruder dienen / unnd der ander / ob er wol ungelehrt / der Betrachtung obligen wurde / und in derselben / wie der ander in der Demut / vollkommen werden. Das ist also erfolget / wie in dem sechsten Buch zu sehen seyn wirdt.

 

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