ETIKA

FRANZISKUS-CHRONIK

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31.8.2013

12F3197

Von andern Sachen des prophetischen Geists des hl. Franziskus

Der Cronicken der Minderen Brüder, Konstanz 1603. I, Cap. 97, S.314-316

Von andern Sachen deß prophetischen Geists deß heiligen Francisci.
Cap. 97. Bonaventura.

ALs er in deß Bischoffs von Riete Hauß / mit seinem gewohnlichen Augenwehe beladen / sich befande / ware daselbsten ein besoldeter Priester desselben Bischoffs / ein ziemlicher Weltmann genant Gedeon / mit langwiriger Kranckheit beladen / lage zu Beth / kondte sich nit bewegen / unnd wann ihne andere regten / unnd auffhüben / kondte er sich doch nit auffrecht erhalten / sonder müßt also gebogen und gekrümbter verbleiben.

Derhalben als ihne nichts helffen wolte / unnd den heyligen Vatter Franciscum so nahend bey sich hätte / entschleußt er sich / er wölle sich dahin tragen lassen.

Als er dahin kommen / falt er ihme zu Fussen / bittet er solte sich so vil behelligen / und allein das Creutzzeichen uber in machen. Deme antwortet der heylig Vatter:

Wisse Bruder / daß weil du bißher inn deinen fleischlichen Begirligkeiten gewandlet / und das Gericht unsers Herrn Christi Jesu nit betrachtet / oder geförchtet / hat der allmächtig Gott dir dise Straff / auff daß du dich besserest / zugeschickt: Unnd sihe ich segne dich in seinem heyligen Namen / und weissage dir / daß wenn du dein Leben nit wirst besseren / wirt dir wegen der Sünd der Undanckbarkeit vil ärgers begegnen.

Macht also das heylig Creutzzeichen uber ihn. Der Priester wird frisch und gesund / stehet auff mit einem solchen Krachen der Beiner deß Ruggrats / und anderer Zwerchbeiner / als wenn dürre Stecken von einander gebrochen wurden.

Weil aber diser Undanckbare / und seines Heyls Feind / sich gleich bald wider zu vorigem Unlust der Welt begabe / begegnet ihme / als er sambt vilen Gesellen seinen Mutwillen und Sünden eines Tags oblage / daß zu Mitternacht das Tach deß Hauß einfiele / und ihne allein unter den anderen allen / auff daß die Rach Gottes nach deß heyligen und glorificirten Vatters Francisci Prophezey desto klarer erschine / erschluge.

Als er in dem Oratorio zu Grecio war / wirdt ihme gesagt / dass inn derselben Gegne das Wetter alle Jar das Getreid erschlüge / und die Wölff das Vich beschädigten / also daß sie ihre selbst Personen zu versicheren genug zu schaffen hätten.

Als er sich nun desselben Volcks erbarmet / prediget er ihnen / und ermahnet sie zur Besserung ihres Lebens / weil solches der sicherste Weg den Zorn Gottes abzuwenden / sprach ihnen zu sie solten beychten / communicieren / einen vesten und steiffen Fürsatz haben nit mehr zu sündigen / also wurde der Herr dise Straff leichtlich von inen nemmen. Wann dann dasselbig geschehe / solten sie sich wol verhüten nit mehr zu sündigen / sonsten wurde sich die Straff dopplieren.

Auff dise heylige Erinner- unnd Ermahnungen bereitet sich dises erschrockne Volck mit grosser Rew / beychtet / communiciert / würckte Buß / und rüffte an die Barmhertzigkeit Gottes. Dannenhero sie durch solches / unnd die Fürbitt deß heyligen Vatters / der allmächtig Gott von dem Ungewitter / und Wölffen erlediget / unnd ihre Einkommen gemehret / daß sie nit allein ihres Schadens ergetzt (sic) / sonder allesambt reich warden.

Sie möchten aber nit lang verharren: dann als sie deß heyligen Vatters Erinnerung inn Vergeß gestelt / unnd gar zu feißt worden / fiengen sie an uber die Schnur zu tretten: unnd derhalben der Herr sie mit der Ruten der Pestilentz dermassen geschlagen / daß wenig derselben lebendig verbliben / und ein guter Theyl desselben Bodens  verbrent warde / damit das jenig so der heylige Franciscus ihnen prophetiziert / wahr gemacht und erfüllet wurde.

Weil er in der Landschafft Puglia zu predigen umbzoge / kombt seines Ordens ein außgesprungner Bruder zu ihme / wirfft sich ihme zu Fussen / bittet mit vilen Zeheren umb Verzeyhung / verspricht grosse Besserung / wann er ihme den Habitum wider gebe / unnd in den Orden annemme.

Der heylig Vatter befilcht ihme auffzustehen / unnd ehe er was anders redet / zeigt er ihme einen Galgen / der alldorten auf der Strassen war / und sagt:

Ich nimme dich wider an / habe aber gute Acht / dann wann du noch einmal auß dem Orden springest / so wirst du an diesem Galgen erhenckt werden.

Gleich also ergieng es. Dann als er in wenig Tagen wider auß dem Orden gesprungen / und sich an böse Gesellschafft gehenckt / und seiner Missethaten gefangen / er eben an disen Galgen / wie der heylig Vatter prophezeyt / erhenckt / und also das Sprüchwort / Wer ubel lebt / der stirb ubel / bestetet worden.

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