ETIKA

FRANZISKUS-CHRONIK

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10.9.2013

12F3198

Franziskus sorgt für Einigkeit zwischen Bischof und Gubernator

Der Cronicken der Minderen Brüder, Konstanz 1603. I, Cap. 98, S.316-318

Von der Einigkeit unnd Friden / so zwischen dem Bischoff unnd Gubernator von Assisi / durch Mittel zweyer Brüder / so der H. Franciscus dahin geschickt / daß sie vor inen das Gesang der Sonnen solten singen / erfolget.
Cap. 98. Fioreto.

ES haben die Schmertzen deß heyligen Vatters  / so bey S. Maria den Englen kranck lage / die Feindschafften so zwischen dem Bischoff und Gubernator von Assisi schwebten / gemehret und doppliert / weil der jene disen in den Bann gethan / und excommuniciert / und diser durch ein Edict verbotten / daß dem Bischoff nichts solte verkaufft oder abkaufft werden / unnd also täglich etwas Newes / und teuffelischer Erdichtung / zu höchstem Schaden ihrer Seelen / und der ganzen Statt Ergernus auff die Ban brachten.

Unnd dieweil niemandts / weder Geistlich noch Weltlich sie zu vereinigen / nach Mitlen zu trachten sich beflisse / sagt der heylige Vatter eines Tags zu seinen Brüderen:

Wahrlich es ist uns / die wir wahre Diener Gottes geachtet wöllen seyn / ein grosse Schand und Spott / daß wir diese so gefährliche unnd abscheuliche Feindschafft also lassen fort gehen / unnd einige Mittel nit darwider gebrauchen / rüffet derhalben zweyen derselben / unnd sagt:

Gehet alsbald unverzogenlich zu dem Gubernator / und sagt ihme von meinet wegen / er solle mit den Fürnembsten / und allen so er inn Eyl zu sammen bringen könde / sich inn den Palast zu seinem Bischoff verfügen / zweyen andern befilcht er / sie sollten in Mittels zu dem Bischoff gehen / und alsbald der Gubernator mit dem Volck dahin kommen wäre / das Gesang der Sonnen / sammt dem Vers so er selbigs mals daran gehenckt / wie oben gesagt / zu dem Lob Gottes vor ihnen beyden singen / inn welchen ich hoffe (sagt er) ja gewiß bin / daß diese verhärteten Hertzen sich mit einander versöhnen / unnd ein ewigen Friden beschliessen werden.

Also geschach es. Dann als erstlich der Gubernator (als ob ihme Gott zu dem Bischoff zu kommen anbefohlen) auß Gehorsame / mit sammt allem Volck so er versamblen mögen / dahin gangen / und den Bischoff mit der ganzen Clerisey inn einem grossen Saal versamblet fande / fienge einer deren Brüder / so der heylige Vatter zu dem Bischoff gesandt / auff solche Weiß an zu reden:

Allergeliebste Herren inn Christo / der Vatter / Bruder Franciscus hat uns / weil er personlich inn dieser seiner so schweren Kranckheit nit kommen mag / allher zu euch gesandt / ein Gesang so er zu der Ehr unnd Lob Gottes gemacht / zu singen / bitten euch von der Liebe wegen / so ihr zu Gott / und ihme tragen / ihr wöllet fleissig mit Andacht zuhören:

Fahen darauff beyde an solches mit heller Stimmm zu singen. Der Gubernator höret mit auffgehebten Händen und Augen gen Himmel / unnd wegen der Andacht so er zu dem heyligen Mann truge / mit ernstlichem Weinen fleissig zu / sagt als es vollendet / durch Eingebung Gottes vor menigklich:

In Wahrheit schwere ich / daß ich nit allein dem Bischoff / (welcher  mein Patron ist) sonder einem jeden / der mir auch heut mein Bruder umbgebracht hätte / von Hertzen verzeyhen unnd vergeben wolte / gehet also zu dem Bischoff / unnd sagt: Secht gnädiger Herr / hie bin ich / alles das jenig was mir umb der Liebe Gottes / unnd seines Dieners Francisci willen von euch aufferlegt wirdt / zu leisten.

Der Bischoff allerdings begütet / wendet sich zu dem Gubernator / sagt:

Mir hätte gebürt / ja wäre auch (weil ich ein Praelat bin) schuldig gewesen zu vorderist die Gedult und Demut zu erzeigen / weil ichs aber nit gethan / gib ich mir Unrecht / und bitt euch umb Verzeyhung.

Umbfangen sich also mit dergleichen freundtlichen Worten / unn küssen sich zu einem Zeichen der Freundschafft / mit grossem Verwunderen und Freuden aller deren so zu gegen waren / die Gott darumben lobten.

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