ETIKA

FRANZISKUS-CHRONIK

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4.10.2013

12F3199

Wie hoch der prohetische Geist Franziskus beigetan gewesen

Der Cronicken der Minderen Brüder, Konstanz 1603. I, Cap. 99, S.319-320

Wie hoch der prophetisch Geist dem heyligen Vatter Francisco beygethan gewesen.
Cap. 99. Fioreto.

EInes mals kommen drey Florentinische Jüngling zu dem heyligen Francisco / die Benediction von ihme zu begeren / unnd zu empfahen. Als ihme der Portner solches angezeigt / gieng er ohne einige Wort dem Garten zu / fünff Feigen abzubrechen.

Als er nun zu den Jünglingen kommen / gibt er den beyden jedem eine / und dem dritten die drey / und sagt zu ihme: Du wirst in Kurtz der meinigen seyn / gibt ihnen den Segen / und laßt sie wider hinziehen: stehet nit lang an / dieser Jüngling gehet inn den Orden / und lebt in demselben gar andächtig und exemplarisch.

Wann der heylige Vatter Franciscus benediciert oder segnet / gebrauchet er sich diser Worten:

Gebenedeyet seye der Namen unsers Herren Jesu Christi / sein allerheylsamist Leiden / und die seligiste Jungkfraw so ihne geboren / sambt allem himlischen Heer.

Derhalben als er eines mals inn dem Gebett ware / ihme die Mutter Gottes erschinen / und einen uberauß schönen Apffel geschenckt / und gesagt:

Zu gleich wie dir dises Geschänck annemblich / also ist auch meinem Sohn gefällig / als offt er höret mit Andacht sprechen: Gebenedeyet seye der Nam unsers Herren Jesu Christi: dises wäre so vil / als wann er ihme ein grosse Gab opfferet.

Dannenher er solcher hernach vil öffter sprache.

Als sich der heylige Vatter in dem Kloster zu Grecio wegen seines Wehetag der Augen befande / und der Medicus ihne eines Tags besuchte / ladet er ihne in das Kloster zu dem Mittagmal  / (Richtig: () ob er wol sonsten sein Wohnung nahend daselbst hätte) nie alldorten pflegte zu verbleiben / und ihne aber dises mal der heylige Franciscus lüde / willig verbliben.

Der Guardian der dessen von dem heyligen Vatter durch seinen Gesellen berichtet / laßt ihme anzeigen / es wäre nichts dem Gast fürzusetzen verhanden.

Der heylig Vatter entbeut ihme / er solte dises Brot und Zugemüß so verhanden / bereiten / unnd umb das uberig den Herren sorgen lassen.

Und sihe als sie gleich zu Tisch sitzen / wirdt an dem Thor geklopfft. Der Portner gehet zu sehen / findet ein Weibsbild / einen grossen Korb von Eyeren / Brot / Fisch / Keß / Früchten / und anderen guten Sachen / auff dem Kopff tragende / so ein Fraw ein Meil Wegs von dem Kloster wohnend / dahin gesandt hätte.

Dises empfacht der Portner mit Freuden / tragts zu der Taffel / erfült sie alle mit Wunder (Anm.: Staunen) / unnd erinneren sich durch dises Wunderzeichen deß Heyligen Wort / da er gesagt / er solte Gott sorgen lassen / confirmieren und befestigen sich je länger je mehr in dem prophetischen Geist  deß Vatters.

Dessenwegen sich der Medicus zu den Brüdern wendte / und sagte:

Wahrhafftig (liebe Brüder) erkennen wir die Heyligkeit dises unsers Vatters nit / dann ich bin allein von seiner Liebe wegen allhie verbliben / und mich contentiert / auß Andacht schlechtlich mit euch gespeißt zu werden: Er aber hat mich zu Gast zu laden / biß er den Uberfluß der Speiß in dem Geist erkant / auffgeschoben.

Darauff sagten die Brüder / dises wäre ein sonderbare Krafft inn ime / daß er zukünfftige Sachen vorsagen / unnd gar nit irren und fehlen köndte.

 

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