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Franziskus-Chronik, 2. Buch

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12F3203

Wie der Ablass bekannt gemacht wurde

24.11.2013
S. 3441ff

Der Cronicken der Minderen Brüder / Das ander Buch. Konstanz 1603
In welchem folget das Leben / Absterben / unnd Wunderzeichen deß Seraphischen Vatters Francisci.
Auß der Spannischen Sprach in die Italianische verkehrt durch M. Horatium Diolam Bolognesern: Und an jetzo in Teutsche Sprach gebracht / Durch Den Edlen / Gestrengen Herren Carl Kurtzen von Senfftnaw / Röm. Key. Maiest. etc. Raht / etc.
Getruckt zu Costantz am Bodensee / bey Nicolao Kalt. M.DC.III

Wie gedachte Indulgentz und Ablas inn S. Maria der Engel Kirchen publiciert worden.
Cap. 3.

AUff daß aber ein so grosse und herrliche Indulgentz und Ablas / mit Apostolischer Authoritet publiciert wurde / hat der Babst etlichen Bischoffen deß Spoletischen Thals / sonderlich aber dem von Assisi / under welches Gebiet gedachte Kirchen war / denen zu Foligni / Augubio / unnd Nocera / zugeschriben / sie solten sich auf den ersten Tag Augusti bey S. Maria der Englen versamblen / die Kirchen weyhen / unnd gedachte Indulgentz derselben / durch Göttliche Offenbarung / unnd Apostolische Bewilligung / auff das Bitt des heyligen Vatters Francisci gegeben / publicieren.

Als der heylige Vatter solche Brieff von ihr Heyligkeit empfangen / und derselben gebürliche Dancksagung gethan / gehet er sambt seinen Gesellen wider darvon / solche mit höchster Demut und Ehrerbietung zu uberantworten / bittet an Gottes und seiner Heyligkeit Statt / sie wolten sich unfelbar auff gesagten Tag inn selbiger Kirchen befinden / unnd dem jenigen so ihnen anbefohlen / Statt thun /  zeucht hernach auff Assisi zu / lasset zu gedachtem Werck ein hoch Gerüst auffmachen / auff daß die Bischöff desto bequemlicher sich daselbsten enthalten / und desto besser von dem Volck gehört möchten werden.

Als nunmehr der angesetzte Tag verhanden / die Bischöff sich inn der Kirchen befunden / und auff die Bünen gestigen / sagten sie zu dem heyligen Francisco / sie wären gleichwol die Indulgentz zu publicieren (wie sie auch thun wolten) dahin kommen / es gedunckte sie aber besser zu seyn / daß er zuvor dem Volck / wann / zu was Zeiten / und auff was Weiß ihme solches von Gott / unnd der Bäbstlichen Heyligkeit bewilliget worden / anmeldete / alsdann wolten sie solche confirmieren / und besteten.  

Disen antwortet der heylige Vatter: Ob ich mich gleichwol unwürdig erkenne / inn Gegenwärtigkeit ewer meiner Herren zu reden / so will ich doch (euch zu gehorsamen ) das jenig / so ihr mir anbefehlen / verrichten / steigt auff die Kantzel / haltet dem Volck / so auff Eingebung Gottes / von allen umbligenden Orten / in grosser Anzahl dahin kommen / ein Sermon / offenbaret ihne solchen kostlichen Schatz mit so grosser Innbrunst / und hoher Geschickligkeit unnd Lehr / dass er vil mehr einem Engel / als Idioten oder ungelehrten Menschen / wie er war / sich gleichet / zu welchem Ende verkündet er an der Statt Gottes / unnd seiner heyligisten Mutter die Indulgentz / sagende:

Jedwedere Person / welche berewt und gebeycht diese Kirchen den ersten Augusti / von der Vesper seiner Vigil oder Abend an die Nacht / und den Festtag biß zu Undergang der Sonnen besuchen wirdt / die wirdt völlligen Ablas und Indulgentz / erstlichen von Gott / unnd dann seinem auff Erden Vicario Babst Honorio dero verlyhen / erlangen / unnd solches ewigklich alle Jar an gedachtem Tag.

Die Bischöff aber so zu gegen waren / die Wort deß heyligen Francisci zu confirmieren / wollten inn das Wort (ewig) nit einwilligen / dessen wegen der Bischoff von Assisi als er die Indulgentz confirmieren sollen / solche auff zehen Jar einziehen begert / er vermöchte aber solches keines Wegs außzusprechen / sonder müßte (mußte) mit Gewalt das Wort Ewig sagen / welches den anderen Bischoffen allen gleichfals begegnet.

Als dises Wunderzeichen dem Volck bekannt / vermehrt es den Glauben vil mehr inn ihme / und liesse aller Zweiffel (daß dise Indulgentz durch den Herren nit solte bewilliget seyn) in ihren Hertzen nach.

Derhalben alsbald die Verkündung und Publication verrichtet / ward durch gedachte Bischöff (so sich dieses Wunderzeichens hoch verwunderten) mit grosser Solennitet dise Kirchen geweyhet / und also mit disem grosen Schatz zu der Glori Gottes / seiner seligisten Mutter der Jungkfrawen Mariae / seines Dieners Francisci  / und dem Heyl aller Christglaubigen Seelen / zu ewigen Zeiten begabet.

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