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Franziskus-Chronik, 2. Buch

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12F3204

Wunderzeichen zur Bestätigung der Indulgenz

8.12.2013
S. 346ff

Der Cronicken der Minderen Brüder / Das ander Buch. Konstanz 1603
In welchem folget das Leben / Absterben / unnd Wunderzeichen deß Seraphischen Vatters Francisci.
Auß der Spannischen Sprach in die Italianische verkehrt durch M. Horatium Diolam Bolognesern: Und an jetzo in Teutsche Sprach gebracht / Durch Den Edlen / Gestrengen Herren Carl Kurtzen von Senfftnaw / Röm. Key. Maiest. etc. Raht / etc.
Getruckt zu Costantz am Bodensee / bey Nicolao Kalt. M.DC.III

Von etlichen Wunderzeichen / so zu Bestetigung gedachter Indulgentz durch den Herren beschehen.
Cap. 4. Fioreto.

ES hat dem allmächtigen Gott gefallen uber dises alles / zu mehreren Ehren und Gezeugnus / disen so herrlichen und grossen Indulgentz durch Wunderzeichen und Offenbarungen zu zieren unnd zu mehren / wie hernach folget.

Als das nächst folgend Jar ein grosse Anzahl Volcks zu gedachter Indulgentz kommen / und man bey Nacht in gedachter Kirchen die Vigilen hielte / enstunde ein so grosses Geschrey unnd Getümmel durch das Volck so allda ware / daß es die jenigen Brüder / so sich auff ein Zeit zu Ruh begeben / erwecket  / und als sie inn die Kirchen kommen  /  sahen sie ein schneeweisse Tauben fünff mal inn der Kirchen umbher fliegen / welches besser zu sehen / ihro einer dem Fronaltar zugangen / findet daselbsten Bruder Conraden von Offida / ein heyligen / und inn dem Leben unnd Wunderzeichen fürtrefflichen Religiosen / bittet ihne / er solte ihme / was das für ein Geschrey deß Volcks wäre / entdecken.

Deme antwortet der ehrwürdig Vatter / er wolte es thun / doch mit Geding / daß er solches / weil er lebte / niemandts offenbaret.

Als er solches verheissen / spricht er:

Ich habe gesehen die Königin der Himlen / mit wunderlichem Glantz angethan / sambt ihrem liebsten Sohn an den Armen / von Himmel herab kommen / und menigklich ire heylige Benediction geben. Alsbald sie solche ertheylt / begabe sich dise Tauben / welche neben ihr auff dem Altar stunde / zu dem Flug / und ist zu einem Zeichen der Heimsuchung deß Herren so oft umbgeflogen / welches als es das Volck gesehen (ob es gleichwol alles nit recht gewißt) hat es dises Geschrey gen Himmel erhaben.

Auff gesagten Tag ward von etlich anderen / auch heyligen Lebens Brüderen / und Bilgeren / die Mutter deß Herren mit den Brüderen inn die Kirchen eingehend / und die gewohnliche Procession / sambt einer grossen Menge der Englen / das Lob deß Herren singend / beleitende / gesehen.

Als in der Anconitanischen Marck ein Teuffel in einer besessenen Weibsperson beschweret worden / er solte anzeigen / was für ein Mittel ihne außzutreiben möchten gebraucht werden / sagt er letstlich / er plagte und peinigte dises Weib einiger ihrer Sünden halber nit / sonder allein / daß dardurch Gott der Herr gelobt wurde / derhalben wäre kein ander Mittel verhanden / als daß sie den Ablas unnd Indulgentz bey S. Maria der Engel gewinnen solte / solches müßt er an jetzo wider seinen Willen / mit grossem Gewalt darzu genötiget / anzeigen: bekante auch zu gleich daß durch gedachte Indulgentz ein grosse Menge der Seelen / welche er wegen ihrer schweren begangnen Sünden für eigen gehalten / ihme entzogen wurden.

Darauff wirdt gedacht Weibsbild mit grosser Beschwer und Müh zu S. Maria der Englen / eben an dem Tag der Indulgentzen gebracht / unnd alsbald sie hinein kommen / von dem Teuffel entlediget: Dann er alsbald als er sie in die Höhe erhebt / gewichen / die Armselige aber gleich als todt auff den Boden gefallen / aber alsbald durch die Verdienst der heyligisten Jungkfrawen wider auffgestanden / befindet sich / nach dem als sie gebeycht / durch Krafft der Indulgentz an Leib und Seel frisch unnd gesund.

Noch vil andere Bezeugnussen unnd Kundschafften seynd / welchen die Seelen der Abgestorbnen erschinen / unn ihnen geoffenbart / daß dieweil sie etliche Tag vor ihrem Absterben / gedachter Indulgentz sich theylhafftig gemachet / sie von der heyligisten Jungkfrawen / alsbald ohne Empfindtnus einiger Pein deß Fegfeuers / inn das Paradeiß begleitet waren / wie auch andere deren die nach dem Abschid / durch Mittel der noch Lebenden / solche Indulgentzen empfangen / auß den Peinen deß Fegfeurs erlediget worden / wie in nachfolgender Geschicht zu sehen.

Zu Venedig war ein Gottesförchtiger Priester / adelichen Geschlechts / der hätte sondere Begird solche Indulgentz zu erlangen / inn deme er sich nur auff die Reiß rüstet / erkrancket er / und stirbt / hatte aber zuvor mit seinem Freund und Vertrauten einem / auff folgende Weiß geredt:

Bruder du solt wissen / daß ich auff diser Welt weder Befreundten noch anderen hab / in welchen ich mehr als in dich Glauben und Vertrawen setze / von welchem ich auch dz jenig / so zu meiner Seelen Heyl nohtwendig / mehr zu erlangen hoffe / derhalben bitte ich dich / daß wann die Göttlich Maiestät mich zu beruffen ihro gefallen laßt / daß du dich zu S. Maria der Engel verfügest / unnd selbige Indulgentz unnd Ablas für mein Seel empfahest / unnd sihe nur was du auff die Reiß bedürfftig / so will ich dir so vil verlassen / daß dir uberbleiben wirdt / auff daß der Ablas mein seye / unnd du zu deiner Gelegenheit gehen mögest. Der Freund verspricht ihm / nach dem er reiche Zehrung empfangen / solches zu verrichten.

Alsbald aber diser gestorben / facht der gute Freund an die Reiß zu verschieben / lasset sich die herfliessende Zeit nichts irren / gedenckt nit was er versprochen / gedachte bey ihme selbsten / er wolte das Jar hernach gehen / und solches verrichten / (wie es dann bey den undanckbaren Freunden und Verwandten der armen Abgestorbnen / leyder nur gar zu vil geschicht).

Disem erscheint selbige Nacht inn dem Schlaff der Priester / sagt mit ergrimbtem Angesicht zu ihme / reprehendiert ihn / und spricht:

Gehe alsbald mit denen die sich an jetzo auff den Weg rüsten.

Als der Freund erwacht / entschleußt er sich das jenige so er zuvor mit Liebe nit gethan / an jetzo mit Forcht und Schrecken zu vollbringen / macht sich auff den Weg / unnd eben den Tag als er zu der Kirchen eingangen / und die Indulgentz unnd Ablas erlangt / erscheinet ihme der Priester wider / nit wie zuvor erzürnet / sonder lieblich unnd glantzend wie die Sonn / dancket / entdeckt / unnd offenbaret ihme / daß er zu seinem Eingang inn die Kirchen / auch inn das Paradeiß eingangen wäre.

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