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Franziskus-Chronik, 2. Buch

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12F3211

Eine Vision Bruder Leos
und Segen für Brüder

23.5.2014
S. 383f.

Anmerkung: Antichristen haben unseren Computer attackiert und diese Seite mit falschen Hyperlinks versehen.

Der Cronicken der Minderen Brüder / Das ander Buch. Konstanz 1603
In welchem folget das Leben / Absterben / unnd Wunderzeichen deß Seraphischen Vatters Francisci.
Auß der Spannischen Sprach in die Italianische verkehrt durch M. Horatium Diolam Bolognesern: Und an jetzo in Teutsche Sprach gebracht / Durch Den Edlen / Gestrengen Herren Carl Kurtzen von Senfftnaw / Röm. Key. Maiest. etc. Raht / etc.
Getruckt zu Costantz am Bodensee / bey Nicolao Kalt. M.DC.III

Von einer Vision so Bruder Leo gehabt /
und der Außlegung so der heylige Vatter darüber gethan /
und einer Benediction / so er seinen wahren Kindern verlassen.

Cap. 11. Fioreto. Alte Cronicken.

ALs Bruder Leo bey dem heyligen Francisco / so gar kranck und schwach darnider lage / sich befande / hatte er ein wunderliche Vision oder Erscheinung / welche sich an disem Ort zu erzehlen (so wol wegen der Eyfferigen deß Ordens / als deren die wegen der Profeß und Verbündtnus/ so sie zu der Göttlichen Maiestät  haben / vil Gedancken unnd Fantaseyen zu suchen begeren) gar wol füget.

Dann als dieser nahent bey dem heyligen Vatter dem Gebett oblage / ward er im Geist verzuckt / unnd zu einem grossen schnellen Wasserfluß geführt / und weil er wie durch denselben zu kommen / nachsinnet / sahe er etliche Brüder den Fluß antretten / welche aber alsbald von der Schnelle deß Wassers zu Grund giengen / daß sie nit mehr gesehen wurden.

Andere sah er biß auff das halbe Theyl / unnd schier gar biß an das Port hinüber kommen. Dieweil sie aber mit allerley Sachen schwer auff den Achßlen geladen / wurden sie gleichfals von Strenge deß Wassers uberwunden / und weil sie niemandts erretten köndte / ertrenckt.

Nach diesen folgeten etliche Brüder / so nichts trugen / unnd gar arm waren / diese kamen gering ohne alle Hindernus an das Port.

Der heylige Vatter erkent bald auß Göttlicher Offenbarung / daß Bruder Leo / so nahent bey ihme bettet / ein Erscheinung gehabt (gehaet): Und als er ihne also stillschweigend und betrübt sahe / sagt er zu ihme: O Bruder Leo / sage mir was dir von dem Herren inn dem Gebett erzeigt worden. Bruder Leo erzehlt ihme die Vision ordenlich / begert und bittet / er solte ihme solche (weil ers nit verstünde) außlegen. Der heylige Vatter tröstet ihne mit der Außlegung bald / und sagt:

Du solst wissen / daß alles so du gesehen / wahr ist / der Wasserfluß ist dise Welt / welche mit grossem Gewalt unnd Schnelle dem Verderben zulauffet: die Münch so in demselben ertruncken / seynd jene / welche ihr Evangelische Profession / und versprochne willige strenge Armut nit vollbringen / sonder sich mit den Welt Händlen / so sie zu Grund ziehen / beladen.

Die andern seynd die / welche den Weg deß Herren antretten / sich aber von der Empfindtligkeit / und weltlicher Begirligkeit lassen uberwinden / und ihres Gelübts vergessen / dise werden von dem Wasser uberwunden / und ertrenckt.

Die dritten seynd die jenigen / welche dem Geist deß Herren / und nit der Welt nachgefolget / sich mit irdischer Burde zu beladen / nit nachgefragt / sonder sich mit einem einzigen Habitu zu bedecken / einem Stuck Brot das Leben zu erhalten / und dem nackenden Christo Jesu an das Creutz nachzufolgen / begnügt / dise gehen sicherlich ohne alle Gefahr zu den himmelischen Dingen / dahin sie dann von dem Herren berüfft werden.

Ein ander mal hat er den heyligen Franciscum sammt einem Crucifix vor ihme gehend gesehen / das stunde still wann er stunde / und gienge wann er gienge / und warde von dem Glantz desselben deß Heyligen Angesicht gar schön scheinend und glantzend.

Das dritte mal hat er einen Zedel von Himmel auff dessen Haubtkommende gesehen / darauff geschriben war / Hic est gratia Dei, das ist / auff disem Mann ist die Gnad Gottes.

Als die Kranckheit eines mals bey dem heyligen Francisco so vil zugenommen / daß die Brüder alle vermeynten er wurde sterben / wegen deß Bluts so ihme zu dem Mund auß luffe / und von dem Abend biß zu Metten Zeit nit nachlassen wolte / und andere mancherley schwere Zufäll sich erzeigten / also daß die Brüder weinende zu ime sagten:

Vatter / der du uns als Kinder nach Gott in dise Welt geboren / wie werden wir ohne dich also arme Weißlein / Trostloß / und deiner Gegenwärtigkeit / mit welcher unsere Hertzen sich aufferbaweten / und zu dem Dienst deß Herren anweißten / beraubt verbleiben mögen? Warumben verlassest du uns Vatter / also ohne ein Führer und Wegweiser? Ach gütigister Vatter / wer wirdt unser Blödigkeit stärcken? Wer wirdt die Kranckheit unserer Seelen heylen? Wer wirt (sic) der außgedorrten Wurtzen unsers Hertzen Feuchtigkeit geben / auff daß sie sich in Liebe erhalte? Seytemal von deinen heyligen Erinnerungen / und Exempel deines heyligen Lebens / diese Tugenten in uns erhalten worden / durch welcher Mittel wir die Evangelische Armut auff das strengist halten könden / gib uns O heyligister Vatter / doch einen Trost / (wann diß das Stündle ist) dann wir so allhie in Namen aller der Brüder so da seynd / und noch seyn werden / uns befinden / so begeren wir von dir dein Vätterliche Benediction und Segen. Verlasse uns darzu O Vatter / ein Gedenckzeichen deines heyligisten Willens / auff daß / wann dich der Herr zu sich nimbt / wir als deine gehorsamiste Kinder / verharrlich inn der Ubung deiner heyligen Erinnerungen verbleiben / und sagen mögen: Diese Sachen hat uns der Vatter in seinem Abschid gesagt und anbefohlen.

Als der heylige Vatter sie angehört / wolt er sie trösten / befilcht sie solten Bruder Benedicten von Pirra berüffen / einen der Eltisten deß Ordens / grosser Geschickligkeit und Heyligkeit Mann / welcher auch sein Beychtvatter war / und alle Morgen Meß lase / als er kommen / spricht er zu ihme:

Schreibe Bruder Benedict / die Wort so ich euch meinen lieben Kindern zu einem Testament verlasse: Ich gebe mein Benediction allen denen / so in meiner Religion seynd / und biß zu End der Welt seyn werden: und dieweil ich wegen grosser Schwachheit nit vil reden kann / so erkläre ich mit dreyen Worten meinen letsten Willen und Meynung allen den gegenwärtigen / abwesenden / und zukünfftigen Brüderen.

Das erst / zu einem Zeichen und Gedechtnus meiner Benediction und Testaments befihle ich / daß ihr einander sollen lieben / wie ich euch geliebt habe / und noch liebe.

Das ander / daß ihr allezeit die heylige Armut mein Fraw liebet und haltet.

Das dritte / daß ir (sic) allezeit den Praelaten unsers Ordens underthänig und getrew / und gegen allen Priesteren der heyligen Kirchen demütig und ehrerbietig seyet.

Der Herr aber / der dises Knechts zu seiner Herd hoch bedürfftig war  / und er desto höhere Kron in dem Himmel erlangen möchte / hat ihme das Leben verlengert.

Es ware der heylige Franciscus gar zu wider denen / welche begerten und suchten von der Bäbstlichen Heyligkeit Exception und Privilegien ihres Lebens zu erlangen: Dann es war ime von dem Herren geoffenbaret / daß je mehr die Brüder befreyt / je weniger Frucht sie schaffen wurden.

Er wolte daß der Verstand der Regel auß seinen Worten genommen wurde / wie sie lauter / und jedem Verstand verständtlich / ob sie wol die jenigen gar dunckel gedunckten / welche ihr Leben denselben gleich nit zu richten begerten / sonder dieselben zu verkehren / und derselben Verstand auff ihr unordenlich Leben zu ziehen / und wider alle Billigkeit ir Leben für ein Leben der Evangelischen Vollkommenheit zu achten begerten / sich understehen wolten.

Und daß deme also seye / sicht man wol / daß dise ersten deß heyligen Vatters fromme und einfältige Kinder / diese Beschwer nit herfür gesucht / auß Ursach / daß weil sie ihme nachzufolgen begerten / sie diese Regel gar wol unnd demütigklich verstanden und gehalten / welche vil Hochgelehrte mit allen ihren Außlegungen nit köndten und möchten begreiffen / von welchen nit ohne Ursach gesagt könden werden: Sie haben nit wöllen / und wöllen noch nit selbige verstehen / wie sie von disem heyligen Vatter / ob sie gleichwol einfältig und ungelehrt / verstanden worden.

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