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Franziskus-Chronik, 2. Buch

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12F3212

Teufel strafen Franziskus im Auftrag Gottes

16.6.2014
S. 387f.

Der Cronicken der Minderen Brüder / Das ander Buch. Konstanz 1603
In welchem folget das Leben / Absterben / unnd Wunderzeichen deß Seraphischen Vatters Francisci.
Auß der Spannischen Sprach in die Italianische verkehrt durch M. Horatium Diolam Bolognesern: Und an jetzo in Teutsche Sprach gebracht / Durch Den Edlen / Gestrengen Herren Carl Kurtzen von Senfftnaw / Röm. Key. Maiest. etc. Raht / etc.
Getruckt zu Costantz am Bodensee / bey Nicolao Kalt. M.DC.III

Wie hoch der heylige Vatter Franciscus die Obligation der Praelaten gegen ihren Anbefohlnen geachtet.

Cap. 12. Fioreto.

ES war der heylig Vatter allzeit in Regierung seiner von Gott anbefohlnen Herd ein wachtsamer Hirt / behertzet sie zu dem Gebett / Fasten / und Haltung der heyligen Armut / underrichtet sie dem höchsten Meister Christo Jesu nachzufolgen / welcher vor anfienge zu würcken / als zu underrichten / der auch vil Sachen selbst mit Gedult truge / und leidet / seinen Kinderen dardurch ein Exempel zu geben.

Als er eines mals inn S. Eleutherij Kloster nahent bey Rieti war / müßte er wegen der grossen Kälte so regierte / und deß Magens Wehes so ihne bekräncket / seinen Habitum und den Magen / innen und aussen mit einem groben schlechten Thuch füteren / befahle seinem Gesellen solches gleichfals zu thun.

Als er aber hernach von solcher Füterung grosse Linderung seines Wehetagens befunden / unnd den Mangel seiner Brüder betrachtet / sagt er mit grossem Mitleiden zu dem Gesellen:

Seytemal ich ein Spiegel unnd Exempel meiner Kinder seyn solle / so muß ich auch sambt ihnen die Kälte / Hitz / und andere Beschwernussen tragen. Derhalben ob ich gleichwol diser Füterung wegen ein grosse Ringerung meiner Kranckheit empfinde / so will es doch von nöhten seyn / daß ich inn Erinnerung / daß vil derselben gleichmässig Anligen / und doch kein solche Gutthat oder Ringerung haben / mit ihnen leide / auff daß wann sie sehen daß ich leide / sie ihre Burde auch desto ringer tragen /

reisset mit disen Worten die Füterung wider hinwegk von dem Habitu, und verlaßt darmit ein herrlich Exempel der Vollkommenheit.

Welches Exempel eines guten Praelaten gegen den Anbefohlnen / wie hoch es Gott dem allmächtigen angenem und gefällig / hat sein Göttliche Maiestät inn disem wunderlichen hernach folgenden Casu angezeigt.

Als er wegen etlicher den Dienst Gottes betreffenden Sachen / zu dem Cardinal seinem Protectoren gangen / seine Sachen verrichtet / und seinen Abschid genommen / hat er sich / ehe daß er von selbem Ort gewichen / den Cardinal S. Croce / einen heyligen und hochweisen Praelaten / unnd seinen gar hoch vertrauten Herren zu besuchen begeben / von welchem er gar freundtlich / als von deme er hoch geliebt / und sein Conversation uber alles begert / empfangen worden.

Als der vernommen / daß sich der heylig Vatter bald wider hinwegk begeben wolte / aber nit gestatten kondte / nimbt er mit sonderer Weißheit die Gelegenheit der Zeit / die zu wandlen gar grob unnd rauch / wegen der Winterkälte / und grosser Winden / so sich erhebt hätten / wendet sich zu dem Heyligen / und sagt:

Allerliebster Bruder / dises Wetter (wie ihr secht) ist nit zu reisen / derhalben will ich / daß ihr heut bey mir verbleibet / darnach wöllen wir uns nach dem Wetter richten / in Mittels wirdt mein Seel sich was trösten / und erbawen. Und auff daß ihr nit beschwert werden / versprich ich / daß ich euch als ein anderen Bettler halten / und nit mehr oder weniger als den anderen Bettleren zu essen geben will /

welches er wißte dem heyligen Vatter zu dem angenemmesten seyn: Erbeut ime darzu ein Behausung / so von dem Palast abgesünderet / und eintzig war / darinnen er sambt dem Gesellen / ohne alle Irrung wohnen / und seine geistliche Ubungen verrichten köndte. Zu disem hulffe Bruder Angelus / einer der ersten Discipel deß heyligen Vatters / so gegenwärtig war / und gern sahe daß dem Cardinal willfahrt wurde / der sagte / daß nit weit von dannen ein eintziger Thurn wäre / da er nit weniger als inn dem Kloster / das Gebett verrichten möchte.

Der heylige Vatter wirdt von disem Zusprechen und Ungewitter bewegt / gehet mit gedachtem Bruder den Thurn zu besichtigen. Unnd als ihme derselbig gefallen / antwortet er dem Cardinal / er wolte ihme zu Gefallen etliche Tag allda verbleiben / befilcht dem Bruder Angelo / er solte niemandts in gedachten Thurn / weil er darinn wäre / gehen lassen / sonder solte ihme das Essen durch ein Fenster reichen lassen / auff daß er ohne Hinderung seinen gewohnlichen Ubungen / sambt seinem Gesellen / abwarten möchte.

Sihe gleich zu der ersten Stund deß Schlaffs kommen die Teuffel zu ihme /und schlagen ihne greulich. Derhalben rüfft er dem Gesellen / welcher in einer anderen Kammer nahent darbey lage / erzehlt ihme wie er von dem Teuffel getractiert worden / und sagt:

Allerliebster Bruder / die Teuffel haben mich biß an jetzo greulich geschlagen / und ich will dir die Ursach anzeigen.

Wisse daß die Teuffel Schergen / und Gerichts Diener Gottes seynd / gleichwie die Weltfürsten / wann sie einen Ubelthäter wissen / schicken sie ihre Schergen denselben zu fahen / und zu straffen: Also strafft und züchtiget Gott der allmächtig / der Fürst aller Fürsten / durch Mittel seiner Profosen und Schergen / welches seynd die Teuffel / die jenigen so er liebet / wann sie das jenig / so sie der Göttlichen Maiestät / unnd Nächsten schuldig / nit verrichten.

Und dieweil der unvollkommen Ordensmann vil malen unwissend / wann er seine Sünden nit erkent / sündiget / laßt er ihne durch dise seine Diener straffen / auff daß er sehe / was er für einen Weg gehe / und inner unnd eusserlich die Sachen / darinnen er seinen Gott möchte beleydiget haben / betrachte:

Dann die jenigen so er liebet / unnd selig machen will / strafft er in disem Leben / verzeucht kein Straff in das ander / welches die ewige Glori ist. Derhalben als ich an jetzo dises in mir betrachte / erkenne ich doch / daß ich ihne durch sein Gnad und Barmhertzigkeit nie beleydiget habe / allein gedunckt mich / ich habe inn der Beycht unnd Buß / wegen menschlicher Blödigkeit / nit genug gethan. Und solches desto mehr / weil ich durch verlyhene Gnad in dem Gebett alle Sachen erkenne / in welchen ich ime gefallen / oder mißfallen kan.

Von welches wegen / weil mir biß auff dise Stund von disem Accident unnd Zustand nichts offenbart worden / habe mich der Herr / wie ich vermeyne / unnd keines anderen wegen dise Nacht durch seine Schergen züchtigen lassen / allein darumb / daß obwol der Cardinal dises Werck der Liebe eine mir notwendige (sic) Gutthat gegen mir geübt / daß doch meine Brüder / so die Welt durchreisen / Hunger / Durst / und alle Mühseligkeiten leiden / so wol die anderen so in den armen Zellen und Klösteren wohnen / wissende daß ich bey einem Cardinal mich auffhalte / Ursach wurden haben zu murren / unnd zu sagen / wir bringen inn so grosser Armseligkeit und / Trübsal unser Leben zu / und unser Vatter lebt in so grosser Gelegenheit und Hochheit rühigklich. Derhalben solle ich / der ich mich schuldig erkenn / denselben allezeit ein gut Exempel vorzutragen / (seytemal ich ihnen von Gott zu einem Hirten gesetzt) unnd meine Brüder vil mehr durch mich / wann ich bey ihnen in ihren armen Zellen wohne / und ihnen inn der heyligen Armut Gesellschafft leiste / erbawet worden / als wann ich bey den Reichen / und grossen Herren / inn weltlichem Trost mich befinde / und leiden desto ringer ire Trübseligkeiten / wann sie wissen / oder vernemmen /  daß ich sambt ihnen leide / erkenne in disem / daß ich vast ermanglet habe:

Gehet als bald es Tag worden / zu dem Cardinal / erzehlt ime was er vergangne Nacht gelitten / und sagt:

Die Menschen so mich nit kennen / halten mich für Heylig / aber die Teuffel so mich besser erkennen / sehend Herr / wie sie mich halten / und meine Sünd züchtigen /

begert seinen Abschid / und kehrt wider zu seinen Brüderen.

Auff diese Weiß beflisse sich der heylige Vatter nit allein in geringen und kleinen Nöhten und Anligen / sonder in den grösten und beschwerlichsten Beschwernussen seines Leibs / sich menigklich ein gut Exempel zu geben / auf daß er die Gelegenheit des Murrens hinwegk nemmen / und sie mit Wahrheit nit sagen möchten / daß er inn den Nohtwendigkeiten die Remedia und Mittel für sich selbsten / und nit sie suchte.

Leidet und geduldet vil malen so uberschwencklichen Schmertzen und Wehetagen / ohne Zuthuung einiger Mittel / daß die jenige Brüder so ime pflegten / und die solches wißten / sich auß grossem Mitleiden deß Weinens nit enthalten möchten / suchten einer mit Bitten / der ander mit Befehlen / daß er gebürende Remedia und Mittel darwider gebrauchte. War derhalben kein Bruder / der sich durch sein gut Exempel nit behertzte / allerley eigne Betrübnussen unnd Arbeitseligkeiten (sic) / zu Nachfolgungen eines solchen heyligen Hirtens / gedultig zu leiden / unnd wegen höchster Begird deß Creutzes / der Liebe Christi Jesu / und Befestigung der Tugent der Gedult / allerley Erquickung deß Leibs zu verachten.

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