ETIKA

Franziskus-Chronik, 2. Buch

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12F3214

Epistel für Bruder Elias

26.7.2014
S. 396ff.

Der Cronicken der Minderen Brüder / Das ander Buch. Konstanz 1603
In welchem folget das Leben / Absterben / unnd Wunderzeichen deß Seraphischen Vatters Francisci.
Auß der Spannischen Sprach in die Italianische verkehrt durch M. Horatium Diolam Bolognesern: Und an jetzo in Teutsche Sprach gebracht / Durch Den Edlen / Gestrengen Herren Carl Kurtzen von Senfftnaw / Röm. Key. Maiest. etc. Raht / etc.
Getruckt zu Costantz am Bodensee / bey Nicolao Kalt. M.DC.III

Von einer Epistel / so der heylig Vatter Franciscus / dem Bruder Heliae  seinem General Vicario geschriben.

Cap. 14.

ALs der H. Franciscus noch kranck lage / schribe er dem Bruder Heliae / seinem General Vicario / so den Orden regieret und visitieret / dise Epistel.

Bruder / Gott gebe dir seinen Segen: In allem deinem Thun erinnere ich dich / daß du seyest gedultig / unnd alles das jenig so dir Mißfallen bringen möchte / zu tragen bereit: und wann sich begebe / daß du von den Brüderen oder jemands anderem härtigklich beleydiget wurdest / du solches / als von der Hand deß Herren kommende / annemmest / und der Welt erzeigest / daß du nichts anders / dann sie als wahre Diener Christi Jesu zu lieben / begerest: und derhalben erfordere nit mehr von ihnen / als dir der Herr geben wirt / und in deme allein will ich erkennen / ob du Gott deinen Herren / und mich seinen und deinen Knecht liebest / wann du wirst thun / dz kein Minderer Bruder in der Welt seye / welcher / ob er gleichwol vil gesündiget / zu deiner Gegenwärtigkeit kommen wurde / ohne Barmhertzigkeit nit von dir abscheide / und wann du nacher tausent mal  hörest daß er sünde / ihne noch mehr als mich liebest: und wann er auß Forcht / oder Reverentz solche zu begeren nit getraute / du ime zusprechest / ein Hertz machest / und o ber Barmhertzigkeit wölle befragest / auff daß er sich seines Verbrechens erinnere / dasselbig erkenne / und sich zu der Buß wende / und solches sonderlich gegen den Schwachen übest.

Also solst du nit erwinden / solches den Guardianen zu wissen zu thun / auff daß sie sich gleichmässig verhalten / und solches allezeit zu halten vestigklich sich entschliessen.

Und derhalben sollen alle die Brüder / die da erfahren werden / daß ihr Mitbruder gesündiget / ihne nit zu schanden machen / noch vil von ihme murren / sonder mit seiner Blödigkeit ein Mitleiden tragen / gedenckende / der Gesunde mangel des Artzets nit / sonder der Krancke. (Lucae 5.)

Wann ein Bruder durch Anreitzung deß Teuffels in ein Todtsünd fallen wurde / der solle in der Gehorsame verbunden seyn / alsbald seinem Guardian zuzulauffen / der solle ine dem Pronvincial zuschicken / der ihne mit Barmhertzigkeit auffnemmen / trösten / unnd versehen solle / wie er selbsten begerte getröst zu werden / und kein grösseren Gewalt dem Bereuten zu Buß auffzulegen haben / dann allein zu sagen: Gehe in dem Friden / und sündige nit mehr. (Ioan. 8.)

 

Anmerkung ETIKA: Franziskus ahnte nicht, daß es einmal Kinderschänder unter den Geistlichen geben würde. Sonst hätte er anders gedacht. Franziskus irrte, als er zwischen den Verbrechen nicht unterschied.

Dazu ein Zitat aus den “Dolomitenvom 30.6.2014: “Pädophilie: Täter ist nicht krank, er ist böse. Massimiliano Frassi, Vorsitzender der Vereinigung “Prometeo”, welche sich den Schutz sexuell missbrauchter Kinder auf die Fahnen geschrieben hat: “Ein Pädophiler ist ein Mensch, der absolut urteilsfähig ist, der weiß, wie man Schlechtes zufügt und damit Kinder trifft. Er weiß, wie er seine bösen Pläne umsetzen kann, die immer kriminelle Pläne sind.”” (u)

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