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ETIKA |
Franziskus-Chronik |
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12F3223 |
Franziskus verflucht ungehorsamen Theologen |
Der Cronicken der
mindern Brüder, das ander Buch, Cap. 33. S.
Bonaventura, Fioreto. Konstanz 1603 |
Von der erschröcklichen Malediction / so der heylige Franciscus einem Minister gethan / der Ursach warumm / sammt dem Wunderzeichen so alsbald darauß erfolget.
Cap. 23.
S. Bonaventura. Fioreto.
Bruder Johannes Estitia / Minister der Provintz zu Bologna / ein hochgelehrter Mann / fienge an in dem Kloster zu Bologna / ohne Vorwissen deß heyligen Francisci / ein Studium oder Schul auffzurichten.
Als aber der H. Vatter solches vernommen / begibt er sich alsbald dahin / ihme solches höchlich zu verweisen / und sagte:
Ich will daß meine Brüder vil mehr dem heyligen Evangelio zu gehorsamen lernen / unn sich in der Schul des heyligen Gebetts / da der H. Geist Meister und Lehrer ist / dann (als) in weltlichen Künsten / und fürwitzigem Lesen bemühen / inn welchen sie den Geist der Demütigkeit unnd Sanfftmütigkeit deß Herren verlieren / welches Schul dise Religion ist /
und also dise newe Schul widerumben abgeschaffet.
Alsbald aber der H. Vatter wider hinwegk kommen / fuhre gedachter (erwähnter) Minister mit solcher Schul widerumben fort. Von welchem der H. Vatter auß Eyffer deß Herren hoch beängstiget / ihme als einem ungehorsamen Kind offentlich sein Malediction und Fluch geben. Von welcher er alsbald angefangen schwerlich zu erkrancken / unnd sich zu Beth zu legen.
Als nun die Schwachheit zuname / schickt er mehr auß Schrecken deß Todts / als wahrer Rew zwen Brüder zu dem heyligen Vatter / ine zu bitten / er wolte die gegebne Malediction und Fluch wider von ihme abnemmen. Denen antwortet der H. Vatter:
Die Malediction so ich ihme gegeben / hat mein Herr und Gott in dem Himmel confirmiert / und er ist von Gott vermaledeyet.
In deme falt ein kleiner geschwebeleter Stein vom Himmel herab / fahrt im durch den Leib und Bethstatt / stirbt denselben Tag / unnd verlaßt ein grossen Gestanck hinder ihme.
Mit welcher so ernstlichen Straff der Herr anzeigen wöllen / wie gerecht und sicher den Brüderen deß H. Francisci Räht wären / dz sie der Bücher nit solten begirig seyn / sonder Fleiß anlegen / sich inn dem Gebett / Demut / unnd Armut zu fundieren.
Als er eines mals gefragt worden / ob ime gefiele daß die Gelehrten so in den Orden gangen / und gehen wurden / dem Studieren der H. Geschrifft obligen solten / sagt er /
Ja / doch daß sie dem Exempel Christi nachfolgten / welcher wie von ihme und seinen Disciplen geschriben wäre / mehr gebettet / als gelesen / unn solten das Studium deß Gebetts / andere Geschickligkeit zu erlangen / nit verlassen / sollen nit allein wie sie zu reden / sonder wie sie das jenig so sie lesen / in das Werck zu richten lernen / unnd also würckende / andere Gutes zu würcken underrichten und lernen.
Ich will daß meine Jünger / Discipel deß Evangelij seyn sollen / unnd also inn Erkantnus der Wahrheit fortschreiten / und einhellig in der Reynigkeit der Einfalt wachsen / auff daß sie die Fürsichtigkeit der Schlangen / von der Einfalt der Tauben / so Gott mit eignem Mund zu sammen gefügt / nit absünderen: Und sagte / daß der jenig durch Mittel seiner selbst Erkantnus / leichtlich die Geschickligkeit Gottes erlangen wurde / welcher sie mit Demut / und ohne Praesumption suchen wurde.
Bekränckt sich derhalben hoch / daß (nach Verachtung der Tugent und Beruffs / zu welchem der Religios durch den Herren berufen) derselb auß Fürwitz der Kunst suchte / unnd sagte mit grossem Schmertzen seiner Seelen weiters:
Meine Brüder / welche sich wegen Fürwitz der Geschickligkeit erhebt / werden zu Zeit der Trübsal sich mit lären Händen befinden: ich wolte sie vil lieber geübt in der Tugent der Demütigkeit haben / auff daß wann die Ungewitter der gefährlichen Versuchungen kämen / sie in der Angst den Herren gegenwärtig bey ihnen hätten. Dann es werden Trübsal kommen / darwider weder Bücher / noch erlangte Kunst mit dem wenigsten nit helffen werden. Alsdann wirdt ihnen vil ersprießlicher seyn / einfältig / innbrünstig in der Gehorsame / Demut / und Liebe / dann groß in dem Befehlen / und Sorgfältigkeit der Geschickligkeit zu seyn.
Allbereit vorsahe der heylig Vatter / daß zukünfftiger Zeit die von Eytelkeit auffgeblasene Kunst dem Orden ein grossen Fall verursachen wurde / dann der Fürwitz gedachter Geschickligkeit wurde vil zu Hochmut unnd Vermessenheit (einer Verwüsterin der Gehorsame / Demut / und Armut) bewegen / unnd inn der wahren Religion Ringerungen / unnd newe Privilegien einführen lassen. Es sagte der heylig Vatter:
So viel werden deren seyn / die sich grosse Geschickligkeit zu erlangen bemühen werden / daß selig der jenig / welcher umb der Liebe Christi willen derselben beraubt seyn wirdt.
Und einem seiner Brüder / so sich inn Studierung der Predigen hoch beflisse / ist der heylige Vatter nach seinem Absterben erschinen / straffet und verbotte ihme / dise so hoch beängstigte Gedancken / so er deß Studirens halber hatte / unnd befahle / er solte sich den Weg der heyligen Demut unnd Einfalt zu gehen / befleissen.
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