ETIKA

Franziskus-Chronik
von 1603

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8.7.2003 – korr. 12.10.2014

12F3223

Franziskus verflucht ungehorsamen Theologen

Der Cronicken der mindern Brüder, das ander Buch, Cap. 23. S. Bonaventura, Fioreto. Konstanz 1603

Zur Warnung für Alle, die versuchen, den einzelnen franziskanischen Orden Schaden zuzufügen. (Aus aktuellen Anlässen, 10/2014)

Von der erschröcklichen Malediction / so der heylige Franciscus einem Minister gethan / der Ursach warumm / sammt dem Wunderzeichen so alsbald darauß erfolget.

Cap. 23.

S. Bonaventura. Fioreto.

 

Bruder Johannes Estitia / Minister der Provintz zu Bologna / ein hochgelehrter Mann / fienge an in dem Kloster zu Bologna / ohne Vorwissen deß heyligen Francisci / ein Studium oder Schul auffzurichten.

Als aber der H. Vatter solches vernommen / begibt er sich alsbald dahin / ihme solches höchlich zu verweisen / und sagte:

Ich will daß meine Brüder vil mehr dem heyligen Evangelio zu gehorsamen lernen / unn sich in der Schul des heyligen Gebetts / da der H. Geist Meister und Lehrer ist / dann (als) in weltlichen Künsten / und fürwitzigem Lesen bemühen / inn welchen sie den Geist der Demütigkeit unnd Sanfftmütigkeit deß Herren verlieren / welches Schul dise Religion ist /

und also dise newe Schul widerumben abgeschaffet.

Alsbald aber der H. Vatter wider hinwegk kommen / fuhre gedachter (erwähnter) Minister mit solcher Schul widerumben fort. Von welchem der H. Vatter auß Eyffer deß Herren hoch beängstiget / ihme als einem ungehorsamen Kind offentlich sein Malediction und Fluch geben. Von welcher er alsbald angefangen schwerlich zu erkrancken / unnd sich zu Beth zu legen.

Als nun die Schwachheit zuname / schickt er mehr auß Schrecken deß Todts / als wahrer Rew zwen Brüder zu dem heyligen Vatter / ine zu bitten / er wolte die gegebne Malediction und Fluch wider von ihme abnemmen. Denen antwortet der H. Vatter:

Die Malediction so ich ihme gegeben / hat mein Herr und Gott in dem Himmel confirmiert / und er ist von Gott vermaledeyet.

In deme falt ein kleiner geschwebeleter Stein vom Himmel herab / fahrt im durch den Leib und Bethstatt / stirbt denselben Tag / unnd verlaßt ein grossen Gestanck hinder ihme.

Mit welcher so ernstlichen Straff  der Herr anzeigen wöllen / wie gerecht und sicher den Brüderen deß H. Francisci Räht wären / dz sie der Bücher nit solten begirig seyn / sonder Fleiß anlegen / sich inn dem Gebett / Demut / unnd Armut zu fundieren.

Als er eines mals gefragt worden / ob ime gefiele daß die Gelehrten so in den Orden gangen / und gehen wurden / dem Studieren der H. Geschrifft obligen solten / sagt er /

Ja / doch daß sie dem Exempel Christi nachfolgten / welcher wie von ihme und seinen Disciplen geschriben wäre / mehr gebettet / als gelesen / unn solten das Studium deß Gebetts / andere Geschickligkeit zu erlangen / nit verlassen / sollen nit allein wie sie zu reden / sonder wie sie das jenig so sie lesen / in das Werck zu richten lernen / unnd also würckende / andere Gutes zu würcken underrichten und lernen.

Ich will daß meine Jünger / Discipel deß Evangelij seyn sollen / unnd also inn Erkantnus der Wahrheit  fortschreiten / und einhellig in der Reynigkeit der Einfalt wachsen / auff daß sie die Fürsichtigkeit der Schlangen / von der Einfalt der Tauben / so Gott mit eignem Mund zu sammen gefügt / nit absünderen: Und sagte / daß der jenig durch Mittel seiner selbst Erkantnus / leichtlich die Geschickligkeit Gottes erlangen wurde / welcher sie mit Demut / und ohne Praesumption suchen wurde.

Bekränckt sich derhalben hoch / daß (nach Verachtung der Tugent und Beruffs / zu welchem der Religios durch den Herren berufen) derselb auß Fürwitz die Kunst suchte / unnd sagte mit grossem Schmertzen seiner Seelen weiters:

Meine Brüder / welche sich wegen Fürwitz der Geschickligkeit erhebt / werden zu Zeit der Trübsal sich mit lären Händen befinden: ich wolte sie vil lieber geübt in der Tugent der Demütigkeit haben / auff daß wann die Ungewitter der gefährlichen Versuchungen kämen / sie in der Angst den Herren gegenwärtig bey ihnen hätten. Dann es werden Trübsal kommen / darwider weder Bücher / noch erlangte Kunst mit dem wenigsten nit helffen werden. Alsdann wirdt ihnen vil ersprießlicher seyn / einfältig / innbrünstig in der Gehorsame / Demut / und Liebe / dann groß in dem Befehlen / und Sorgfältigkeit der Geschickligkeit zu seyn.

Allbereit vorsahe der heylig Vatter / daß zukünfftiger Zeit die von Eytelkeit  auffgeblasene Kunst dem Orden ein grossen Fall verursachen wurde / dann der Fürwitz gedachter Geschickligkeit wurde vil zu Hochmut unnd Vermessenheit (einer Verwüsterin der Gehorsame / Demut / und Armut) bewegen / unnd inn der wahren Religion Ringerungen / unnd newe Privilegien einführen lassen. Es sagte der heylig Vatter:

So viel werden deren seyn / die sich grosse Geschickligkeit  zu erlangen bemühen werden / daß selig der jenig / welcher umb der Liebe Christi willen derselben beraubt seyn wirdt.

Und einem seiner Brüder / so sich inn Studierung der Predigen hoch beflisse / ist der heylige Vatter nach seinem Absterben erschinen / straffet und verbotte ihme / dise so hoch beängstigte Gedancken / so er deß Studirens halber hatte / unnd befahle / er solte sich den Weg der heyligen Demut unnd Einfalt zu gehen / befleissen.

 

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