ETIKA

Franziskus-Chronik
von 1603

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12.10.2014

12F3224

Was er von den Gelehrten und Fürwitzigen seines Ordens hielt

Der Cronicken der mindern Brüder, das ander Buch, Cap. 24. S. Bonaventura, Fioreto. Konstanz 1603

Was er von den Gelehrten und Fürwitzigen seines Ordens hielte.

Cap. 24.

Fioreto.

ES wirt denen (sagt der heylig Franciscus) so Geschickligkeit und Kunst zu erlangen gar zu sorgfältig seyn / begegnen / daß sie (wo sie glauben und gedencken werden von ihrer Erkantnus wegen mehrer erbawet / und in Andacht gegen Gott erzündet zu seyn / und sich derselben nit mit grosser Demut gebrauchen werden / daß sie von gedachter Geschickligkeit / und grossem angelegtem Fleiß wegen alles anders hinder sich stellend) innwendig aller Frombkeit erlärt (?) / in der Liebe erkaltet / und mit eyteler Ehr erfült / in ihrer Eytelkeit sich erfrewend / und in ihrer Opinion auffgeblasen befunden werden: dannenhero der H. Geist (weil er in denen der Sünd underworffenen Leibern nit wohnen kan) gar von ihnen weichen müssen.

Unnd derhalben als ihm eines Tages von etlichen Frantzösischen Brüderen erzehlt worden / daß zu Paris ein grosser fürtrefflicher Theologus den Orden angenommen / und durch seine Geschickligkeit dem Volck und Clerisey grosse Erbawung / und dem Orden grosse Ehr und Ruhm schaffte / antwortet der heylige Vatter seufftzend: Ich förchte daß solche eines Tags alles das / so der Herr durch mich (seinen unwürdigisten Knecht) in disem Weingarten gepflantzt / destruieren werden. Unnd ich begerte nit bessere Meister in der Theologey / als die jenige / welche mit den Wercken ihren Nächsten die Sanfftmut / Armut / und Demut lerneten / dann so gut ist der Religios / so vil er seiner Regel gehorsamet / und das jenig so er erkent / würcket.

Dise Prediger so allein ihrer Kunst und Geschickligkeit vertrawen / wann sie den Zulauff deß Volcks / daß sie gern gehört werden / und daß sie etliche ab iren Predigen zu Buß bekehren / sehen / werden sie von anderer Wercken wegen / als ob sie ihrer wären / in eytel Ehr auffgeblasen / predigen also andern zu Heyl / und inen selbsten zum Verderben / und Verdamnus / rühmen sich in deme / in welchem sie nit mehr inen zuzueignen haben / als ein Pusaunen / welche allein durch deß Menschen Mund / so den Ahtem darein laßt / den Klang unnd Hall gibt. Dann was seynd diese anders als Pusaunen / durch welche / sie seyen gleich gut oder böß / der Herr seinen Hall gibt?

Dannenhero die Bekehrungen der Seelen nit von ihnen / sonder auß der Krafft der heyligen Lehr / und der einfältigen Zuhörern / obwol solches von inen nit verstanden wirt / herfliessen.

Und diese Einfaltigen seynd meine Ritter der runden Taffel /welche sich verbergen in den Wüstenen / und einöden Orten / auff daß sie sich desto besser dem Gebett und Betrachtung ergeben / ire und andere Sünd beweinen mögen.

Und derhalben ist Gott allein der / welcher den Nutz so sie schaffen / und wie viel Seelen durch ihre Verdienst behalten werden / weißt / und derwegen diese Stimm anzuhören verdienen: Ey du frommer und getrewer Knecht (Matt. 25.) / darumm daß du bist uber wenigem getrew gewesen / will ich dich setzen uber vil: gehe ein in die Freud deines Herren. Die jene aber welche keine andere Gedancken / als vil zu wissen / und anderen ihr Geschickligkeit mit Predigen zu erzeigen / ohne Fürweisung guten Exempels der Wercken gehabt / werden vor dem Thron deß erschröcklichen Richters / arm und alles Gutens beraubt stehen / ire Geschirr voller Scham und Confusion haben / und den Herren zu ihnen sagende hören:

Ihr andere habt euch bemühet / und allein mit den Worten ewer ewer erlangten Geschickligkeit geprediget / ich aber hab durch die Krafft der Verdienst meiner Einfältigen die Seelen geheyliget / derhalben werdet ihr mit dem Wind ewer gesuchten Hoffart verbleiben / und sie die Belohnung ihrer mühseligen Demut empfahen.

Alsdann wirt die Wahrheit / die Krafft der einfältigen Demut / und Gebetts / welches unser Beruff ist / erkant und glorificiert werden / welcher dise auffgeblasene mit dem Lufft ihrer Geschickligkeit zu wider gewesen / vil beredend dise Wahrheit zu verlassen / und die jene so inn derselben wandleten / als die Blinden zu verfolgen. Die Irrung aber unnd falsch Mahnung / darinn sie gelebt / die sie verkündet / und mit welcher sie vil sambt ihnen inn die tiefe Gruben der geistlichen Unwissenheit und Blindheit geführt / wirdt ihnen in Schmertzen und Confusion verenderet / und inn die Finsternus begraben werden / dann es stehet geschriben (1. Cor. 1.): Ich will umbbringen die Weißheit der Weisen / und den Verstand der Verständigen will ich verwerffen.

Und derhalben der heylig Vatter / so vil als seinem Ambt inn dieser Welt gebürt / nit zugelassen / daß einiger seiner Brüder Meister genant solte werden / wann er schon zuvor inn der Welt einer gewesen / sagte ihnen die Wort Christi deß Erlösers ( Matt. 23.): Ihr solt euch nit Rabi nennen lassen / dann einer ist ewer Meister / der inn dem Himmel ist / derhalben nennet euch keine Meister auff Erden. Von ihme selbsten sagt er:

Ob er gleichwol die Geschickligkeit gehabt / wolt er sich doch keinen Doctor oder Meister nennen haben lassen / dann es wäre Christo zu wider. Beschlusse darmit / es wäre dem Menschen vil nutzlicher / wenig zu könden / und demütig zu seyn / dann vil von ihme selbsten halten / grosse Sachen thun / vil wissen / unnd darzu ein auffgeblasenen Kopff haben.

 

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