ETIKA

Franziskus-Chronik
von 1603

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23.11.2014

12F3226

Weitere Ärgernisse für Franziskus

Der Cronicken der mindern Brüder, das ander Buch, Cap. 26. S. Bonaventura, Fioreto. Konstanz 1603

Von einer Antwort / so der Herr dem heyligen Vatter inn dem Gebett geben / als er wegen etlicher fürgangnen Ergernussen gar beängstiget gewesen.

Cap. 26.
S. Bonaventura

ALs der heylige abgemüdete Vatter vorgemercket / daß etliche seines Ordens Ministri den einfältigen Brüdern böses Exempel gaben / und in dem Geist betrachtet / wie leichtlich und bald vil von der Observantz deß Ordens möchten abgeführt werden / sagt er auß grossem Schmertzen / wegen des Eyffers der Ehr Gottes / dise Wort:

O Herr / ich befihle dir dises Haußgesind / so du mir anbefohlen / und geben hast.

Unnd als er dise Wort mehrmalen erholet / hört er ein Stimm  so zu ihm sagte:

Warumb betrübest du dich / O armer Mensch? Warumb bekränckest du dich so hoch / wann ein Bruder nit durch meinen Weg wandlet / oder böses Exempel gibt? Vermeynest du vielleicht / ich habe dich der Gestalt zu einem Hirten diser Religion erkohren / daß du nit erkennest / daß ich der fürnemmeste Gubernator unnd Regierer derselben seye? Wer hat diese Religion der Minderen Brüder gepflanzt? Wer bekehrt die Menschen zu der Buß? Wer gibt ihnen Krafft und Stärcke darinn zu verharren? Sag mir/ bin ich nit der jenig / der das alles thut? Habe dich vil mehr nit ein Gelehrten unnd Wolberedten / sonder Einfältigisten erkohren / auff daß du das / so in dir ist / würckest / und umm das ander mich sorgen lassest / und auff daß dise newe Bekehrung der Menschen nit deinem Verstand / noch weltlicher Geschickligkeit / sonder allein meiner Gnad zu ermessen wurde. Damit aber du / und die gantze Welt wisse / daß ich uber mein Herd wachen wölle / habe ich dich gleich wie ein weisses Zeichen / allen Brüderen vorgesetzt / auff daß sie die Werck / so sie thun sollen / sehen / welches eben dise seynd / so sie von dir sehen werden / und ich will sie bewahren / unnd erhalten / unnd ob etliche fallen werden / werden doch andere auffstehen / dise so durch meine Regel und Wege wandlen / kommen zu mir / unnd werden die meinen seyn / welche aber durch dieselb nit wandlen / denen wirdt das jenig / so sie Guts zu haben vermeynen / auch genommen werden. Dessentwegen befihle ich dir / daß du dich hinfüro nit mehr so hoch bekümmerest / sonder thu das so du thust / und würcke das so du würckest / unnd wisse / daß ich die Religion der Mindern Brüder / in vollkommner Liebe hab gepflantzt / solche erhalten will /und so hoch liebe / daß wann einer derselben Brüder / zu dem Unlust kehret / will ich schaffen / daß ein anderer an seiner Statt die Kron empfahe / und wann er nit geboren / will ich ihne erschaffen. Und auff daß du wissest / wie hoch ich das Leben und Religion deiner Brüder liebe / daß ob gleichwol / nur drey in disem Orden uberbleiben wurden / ich sie doch nit verlassen / sonder sie drey sollen mein Religion seyn.

Von welchen Worten sich der heylig Vatter getröst / unnd hinfüro alles / mit mehrer Gedult getragen / und vilmaln in den Capitlen / diese Wort den Brüdern gesagt.

Ich hab Glübt und Profession / inn der Regel der Mindern Brüder gethan / unnd alle Brüder / haben auf gleiche Weiß sich zu derselben verbunden. Und habe das Ambt die Brüder zu regieren / wegen meiner Kranckheiten / und daß mir solches von der Göttlichen Mayestät / zu Wolfahrt meiner Seelen vergunt / verlassen / dannenhero weiß ich / daß die grösste Hilff / so ich meiner Religion beweisen kan / ist / daß ich stets von iretwegen mein Gebett verrichte / und den Herren /daß er sie erhalte / bitte / inn dem ubrigen / bin ich mehr nit verbunden / als menigklich ein gut Exempel vorzutragen / und auff den Fahl / daß einer wegen meines bösen Exempels zu Grund gehen wurde / Gott dem allmächtigen / für ihne Rechenschafft zu geben: Und derohalben / weil sie eben die Regel haben / so ich habe / unnd gar wol wann sie wöllen / das jenig / so sie zu thun schuldig / weil sie es von mir unnd andern / in Ubung sehen unnd wissen / unnd nit was ihnen gebürt tun mögen /  wirdt es ihr Schad seyn / unnd Gott sie straffen / und ich werd für sie nichts verbunden seyn.

Eins mals sagten etliche Brüder / under dem Schein grosser der Seelen Hilff / zu dem heyligen Vatter:

Sihest du Vatter / daß jeweiln die Praelaten / uns zu predigen nit vergunnen wöllen / welches ein Ursach / daß wir vil Zeit deß Jars müssig verligen: Gedunckt uns derhalben / es wurde zu dem Dienst Gottes / unnd der Seelen Heyl gar sprießlich seyn / wann man von der Bäbstlichen Heyligkeit ein General Erlaubnus / uberal frey mit einem Privilegio zu predigen begerte.

Auff welche Wort der heylig Vatter antwortet (reprehendiert sie hoch / die Ergernus so leichtlich auß disem / zwischen dem Clero unnd der Religion entstehen möchte / vorsehend) unnd sagte:

Ihr Mindere Brüder / wöllet den Willen deß HERREN nit erkennen / unnd wöllet mich die Welt / nach dem Willen Gottes nit bekehren lassen. Derohalben sage ich euch daß ihr dise Bewilligung / von gedachten Praelaten mit Demütigkeit unnd gutem Exempel ewers Lebens erlangen müsset / welches wann es in euch verharret / werden sie selbsten euch bitten / daß ihr in ihrem Dioecesi unnd Kirchen prediget / und ihre Völcker zu der Buß bekehret / und auff dise Weiß werden sie euch vil besser zu dem Predigambt beruffen / als die Privilegien unnd Freyheiten / welche euch zu nichtem andern / als inn der Hoffart zu erheben / dienen wurden. Also wann ihr mir folgen werden / werdt ihr euch befleissen / vor den Lastern deß Geitzes /deß Neids / und eiteln Begirden (Sachen so eweren Seelen / unnd dem Nächsten durch das Exempel schädlich) zu befreyen: Unnd in eweren Predigen werdet ihr das Volck / den Priestern den gebürenden Zehenden zu reichen ermahnen. Dann also werdt ihr zu predigen unnd ihre Beycht anzuhören / von ihnen gebeten werden: (Ob ihr gleichwol  solchem Beychthören nit so starck / als dem Bekehren abwarten sollet / dann der Mensch so bekehrt ist / findet bald den Beychtvatter) Und ich begere für mich kein andere Freyheit und Privilegum von dem Herren / als einen jeden zu lieben unnd zu ehren / unnd durch die Gehorsame Gottes / unnd der heyligen Kirchen / so vil als möglich / die Sünder zu bekehren / mehr mit Demut / und Exempel der Observantz unserer Regel / dann mit Worten.

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