ETIKA

Franziskus-Chronik
von 1603

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30.11.2014

12F3227

Von den Betrübnissen des Ordens in der Zukunft

Der Cronicken der mindern Brüder, das ander Buch, Cap. 27. Fioreto. Konstanz 1603

Von den Betrübnussen deß Ordens /
dem heyligen Vatter auff zukünfftige Zeit geoffenbaret.

Cap. 27.
Fioreto.

ALs der H. Vatter einmals bey S. Maria der Engeln in dem Gebett war / und Gott den allmächtigen innigklichen umb Erbarmung deß Christlichen Volcks / uber welches er ein scharpffe Geisel / wie im geoffenbaret / schicken wollte / bate / antwortet im der Herr /

Francisce wann du wilt / dz ich uber mein Volck Erbarmung trage / so verschaffe mit allem Fleiß / daß diser dein Orden / wie er angeordnet / also erhalten werde / auff daß in demselben Leut gefunden werden / die würdigklich für das Volck bitten. So versprich ich dir / daß ich von dein / und gesagts deines Ordens wegen die jene Straff / so meiner Kirchen bevor stehet / nit uber sie will kommen lassen. Will aber daß du wissen sollest / daß wann dein Orden praevaricieren oder den mißbrauchen wirdt / daß die Erstgestrafften in meiner Kirchen seyn sollen / die Ubertretter desselben / und will dem Teuffel allen den Gewalt / so er begeren wirdt / uber sie geben: Dannenher werden zwischen im und der Welt / soviel Ergernussen erwachsen / daß ime niemands disen deinen Habitum allein in den Wildenen und Wüsten anzulegen / vertrawen wirdt / allda will ich die wenig Außerwehlten erhalten / gleich wie ich die Kinder Israel sovil unnd sovil Jar erhalten hab / und wirdt also / weil die Frommen und Gerechten / in meiner Gnad erhalten  werden / der Orden wider in seinen vorigen Stand kommen.

Auff dises dann der heylige Vatter Franciscus propheticiert / daß von wegen erlangter Geschickligkeit / inn seiner Religion / ein uberauß starcke Versuchung  / entstehen wurde / mit welcher gleich wie ein starcker Wind auß der Gegne der Wüste / (zu Gleichnus der Trübseligkeiten Jobs) kommende / unnd an die vier Eck deß Hauß / seiner Religion ungestümmig stossende / wurden seine eigne Kinder dieselb umbwerffen / dann sie werden (sagt er) von ihrer Geschickligkeit wegen auffgeblasen / unnd inn dieselben vertrawende sovil List brauchen / unnd den wahren ehelichen Kindern / die von dem grossen verfluchten Weib der Hoffart gemachte Strick legen / derselben ihre Theyl / nemblich ihre Werck opfferen / unnd von dem Gewin derselben / und dem Lohn ihrer Schambarkeit / unnd Hochmut / in Wollust leben.

Dannenhero derselben Gewalt / den Gerechten so von ihnen verfolgt werden / gar bitter und unleidenlich seyn wirdt / dann ihr Einfalt / Geho(r )same / Armut / unnd Eyffer der Ehr Gottes / wirdt sie gleichsam stillschweigend confundieren.

Unnd darumben  (weil sie solche wegen ihrer Hoffart nit gedulden werden mögen) durch ihre Weltweißheit / Rhuem / Ubermut unnd Auffblasung den Arm der Welt Fürsten durch den Weg der Ambition erlangen / unnd sie als die gerechten und wahren Halter deß Ordens bis in den Tot verfolgen.

Noch ein Prophecey deß H. Vatters Francisci / durch Bruder Leonis Handt geschriben / wirdt gefunden / von der grossen Spaltung / unnd Zertheylung / so nach Erwehlung Babsts Urbani des sechsten /inn dem Jar deß Herren 1378. gefolgt / unnd nach biß inn die 40. Jar geweret / dises Innhalts:

Es wirdt ein Zeit kommen / inn welcher die heylige Kirchen / voller Spaltung seyn wirdt / von welcher wegen / die so wol geistlichen / als weltlichen Standes Menschen / in grosser Perplexitet unnd Zweyffel sich befinden werden / und der Teuffel vil Nachfolger haben / und sich uber sein Gebrauch befleissen mit diser Gelegenheit / sein Reich zu mehren / in derselbigen Zeit wirdt die Schöne diser unnd anderer Regel befleckt / und besudlet / unnd die eytel Apostasey  (Anm.: Glaubensabfall) / unnd Zwispalt beyder Reich / wann weder der Bäbstlichen Heyligkeit noch der heyligen Kirchen wenig in wahrer Liebe gehorsamen / und dem jenigen so zu dem Babstthum nit rechtmessiger Weiß erwehlt und der Ketzerey verdacht wirdt / gehorsamet / dann durch desselben Arglistigkeit vil zu seinem pestilentialischen Irrthumb verkehrt werden.

Alsdann werden die Ergernussen wachsen / und die Christenheit (weil nit vil ihme widersprechen werden) zertheylt / und der Spaltungen und Zertheylungen in dem Clero / den Religionen / und Verkehrten so vil seyn / daß wann dieselbige Tag von dem Herren nit abkürtzt / wurden die Außerwehlten (wann es möglich wäre) in ebenmässige Irrthumb / wann sie Gott durch seine Barmhertzigkeit nit erhielte / fallen.

Von dieser Offenbarung wegen / hat er sonderlich in sein Regel das Glübt der Gehorsame der Bäbstlichen Heyligkeit derselben rechtmessiger Weiß erwehlten Nachfolgern / und der H. Römischen Kirchen / gesetzt / und als er bey dem Anfang unnd End sahe / wie hoch seinem Orden / sich steiff zu halten / zu disen betrübten Zeiten vonnöthen / und nutzlich / wolte er ihnen dise Lehren unnd Underricht geben / auff daß sie sich darnach richten möchten.

 

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