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ETIKA D12FA |
FRANZISKUS UND DIE TIERE |
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12F3234 |
Die Vogelpredigt |
Der
Cronicken der mindern Brüder, das ander Buch, Cap. 34, S. Bonaventura, S.
Anto., Konstanz 1603 |

Giotto: Franziskus predigt den Vögeln, Assisi,
Franziskusbasilika, Oberkirche
Wie der heylige Franciscus als er
von Carnerio zogen,
etlichen Vöglen geprediget
Es
erzehlen die heyligen Bonaventura und Antonius daß als der heylige Franciscus
von Carnerio hinweck gezogen und ehe er gen Benammo kommen, habe er ein große
Anzahl allerley Vögel auff einem Baum und gleich gegen denselben uber ein
andere Schar dergleichen angetroffen. Ein Sach würdig zu sehen, dann es
erschine, als ob sie etwas Extra ordinari, wie dann geschehen, andeuteten. Dann
der heylige Vatter durch Erleuchtung und Eingebung Gottes verlaßt die Brüder,
gehet denselben Vöglen zu, denen zu predigen, und als er zu dem Baum kommen,
grüßt er sie und sagt: Der Frid deß Herren seye mit euch:
Die
Vögel erzeigten sonderbare Zeichen der Freud, bereiteten sich alle zu der
Predig: Die auff dem Baum steigen herab, stellen sich zu den andern in die
Ordnung unnd erwarteten als es scheinte, mit großer Stille deß H. Vatters
Anfang.
Welcher
derhalben also angefangen: Ihr meine Brüder und Vögel, ihr seyt hoch verbunden,
Gott eueren Schöpfer allezeit zu loben, der euch die Flügel, mit welchen ihr
ringfärtig unnd schnell durch die Lüfft, wo es euch am angenembsten, fliegen
köndt: Ein Gnad (so er soviel anderen Thieren nie mitgetheylt) gegeben. Uber
das euch mit allerley schönen, lieblichen, zierlichen Federen geziert und
bekleidet mit ringem Leib erschaffen und euch ohne Müh (weil ihr von dem
Schweiß der Menschen lebet) erhaltet: Und auch darumb, daß er euch ein solch
lieblich, wolschallend Gesang verlihen unn in so großer Anzahl von Anfang der
Welt erhalten, euch von dem Sündfluß wunderlich (seitemal er von allen eueren
Geschlechten in die Arch Noe geschickt) bewaret und darnach eins der vier
Elementen zu besitzen geben.
Derhalben
dann die Schrifft gewohnt, euch Vögel deß Himmels zu nennen: Uber das, daß ihr
die Berg, Bühel, Thäler und Ebenen, die Brunnen, Bächlein, Bäum und Häuser zu
den Nesteren alle zu euer Erquickung besitzet: Und uber das alles, daß der
allmächtig Gott durch den eignen Mund deß Herren unseres Erlösers sich
gewürdiget, der Welt Kundschafft zu geben, daß er euch ohne das ihr säet oder
arbeitet, Winter und Sommer zu bekleiden unn alle Notturfft zu euer
Auffenthaltung zu gebe Sorg traget, welche alle Wolthaten Wahrzeichen seynd der
Liebe, so er gegen euch als seinen Creaturen traget. Derhalben jhr von Gott
gebenedeyte Brüder unnd Schwestern, hütet euch gegen seiner Göttlichen Maiestät
undanckbar zu seyn. Sonder (dieweil er euch die Welt geben) lobet jhn
unablässigklich mit euern lieblichen Stimmen. Amen.
Als
der H. Vatter dise Predig geendet (ein wunder Sach), fangen alle dise Vögel an,
die Schnebel auffzuthun, die Flügel als wolten sie jhm dancken zu schwingen,
und weil sie solches mit dem Maul nit außsprechen kunten, neigten sie die
Köpff, ehreten jhne und gaben gleichsam als ob sie seine Benediction und
abschid begerten zu verstehen.
Von
welchen Geberden der heylige Vatter in Ansehen wie selbige Creaturen jhrem
Schöpffer gehorsameten, große Consolation unnd Trost empfangen, jnen den
Abschid und Benediction gegeben. Als sie solche empfangen, schwingen sie sich
einhelligklich inn die Lüfft, erfüllen denselben mit lieblichem Gesang, fliegen
hinweck, theylen sich die Benediction deß Heyligen gleich inn vier Theyl
Creutzweiß auß. Der heylige Vatter aber kehrt wider zu den Gesellen, welche
gleichsam solche große Wunder in unvernünfftigen Thieren sehende von jhnen
selbster kommen und bittet sie demütigklich umb Verzeihung darumb, daß er also
den Vögeln zu predigen verlassen. Und dieweil er dise so gehorsam und bereit
das Wort deß Herren anzuhören befunden, beflisse er sich hinfüro, allen
Creaturen zu predigen unnd sie jhren Schöpfer zu loben zu ermahnen, auff daß
dem Herren der gantzen Welt Ehr und Glori erzeigt und erwisen wurde.
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Freiwillige Übung für Schüler: Obigen Text frei ins heutige
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