ETIKA

FRANZISKUS

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22.3.2015

12F3235

Von der Wirkung der Predigt und Wundern

Der Cronicken der mindern Brüder, das ander Buch, Cap. 35, S. Anto. Bonaventura, Konstanz 1603

Von der Würckung der Predig deß heyligen Vatters Francisci / und etlichen Wunderzeichen bey derselben geschehen
Cap. 35.

DUrch die Statt aber unnd Dörffer / dardurch er wandlete / prediget er mit so grosser Innbrunst / Geist und Würckung / daß kein so verhartet und verstockt Hertz war / so er nit zu der Buß erweichet / unnd uber das so ihme zu Carnerio wie gesagt / begegnet / hat sich vilmaln zu End der Predig begeben / daß ime wol dreissig / und mehr durch seine Wort / bekehrte Mannen nachgefolget / nit allein die Eitelkeiten auff 8. oder 10. Tag wie gebräuchlich / verlassen / sonder der Welt gantz und gar abgesagt / unnd dem Herren in der Evangelischen Armut gedienet.

Die Blindheit der Ketzer hat er wunderlich confundiert / unnd den Glauben der Römischen Kirchen mit dem Mittel / der von dem heyligen Geist eingegoßnen Geschickligkeit / und den wunderlichen Wunderzeichen so der Herr welcher in allen seinen Handlungen ihme gegenwärtig / unnd günstig war / höchlich erhebet.

Die Teuffel tribe er auß allen Menschen auß / und heylet alle Kranckheiten: Dessenwegen dann von allen Orten / Manns und Weibs Personen / Reiche und Arme / Edle und Unedle / Geistliche und Weltliche / ihne als einen von Himmel kommenden Mann / zusehen und zuhören zuluffen / und vil ihne anhörendt / ohne Widerkehrung zu ihren Wohnungen / bey ime Buß zu würcken / verbliben.

Sein Wort war wie Feur / so das inneriste deß Hertz berüret / und verliesse den jenigen so es hörte / berewt und durchdrungen: Dann er predigte nit in Wolredenheit / nach weltlicher Geschickligkeit / sondern durch den H. Geist und Göttliche Eingebung unnd Offenbarung.

Dannenher weil er allzeit / nachdem er von Christo inspiriert prediget / er mit grossem Eyffer / ohne einichen Respect unnd Forcht / die gantze Wahrheit redte: Mit den Grossen kundt er nit gleißnen oder liebkosen / sonder strafft und schalt ihre Laster / unnd auf den Fahl / daß sie offentliche Sünden thaten / züchtiget er sie mit schweren Reprehensionen / unndt bewegts zu Buß.

Als eins Tags der heylige Franciscus / auff dem Gestadt des Meers bey Caieta war / und ein grosse Menge deß Volcks ihne zuhören / und seine Benediction zuhaben zugeloffen / er aber solche Ehr fliehend / sich in ein Schifflin zuverbergen begeben / hat er wunderlich das Schifflein / sich von ihme selbsten von dem Gestadt zubegeben / unnd nit weit darvon wider unbeweglich /  als wann es in Mitten den Wellen ein Felß wäre / stillstehen empfunden: Deßwegen / als er alsbald den Willen deß Herrn erkant / sich zu dem erschrocknen Volck gewendet / ein nutzliche Predig gethan / unnd nach ihrem Begeren / mit dem Zeichen deß heyligen Creutzes sie benediciert / von welchem sie alle getröst / unnd nach Erlaubung  deß heyligen Vatters / hinweck gezogen / darauff sich das Schiff / als der heylig Vatter wolte / wider zum Land genähet: Also daß wol möchte gesagt werden / daß verstockt die Seel wäre / welche dem jenigen deme auch das dürre Holtz gehorsamet / zugehorsamen sich verweigern wolte.

Als er zu Alviano in einer Kirchen prediget / von Schwalmen sehr verhindert war / befihlet er ihnen zuschweigen / und dem Wort Gottes in Stille biß zum End zuzuhören / von welchen Worten (ein wunder Ding) diese Schwalmen auffgehört zufliegen unnd zuschreyen / unnd sich nit mehr / biß zu End der Predig hören lassen.

Dises Wunderzeichen war mit so grosser Erbawung aller deren so es gehört / so wol außgebreitet / daß ein Student zu Pariß / welchen eine Schwalm mit ihrem Geschrey sehr disturbiert und verhindert / bey ime selbsten sagte: Dises wirdt deren Schwalmen eine seyn / welche den heyligen Franciscum / als er geprediget / so sehr disturbiert und geirret hat / gebeut ihr (inn grossem Vertrawen) in Krafft des heyligen Francisci / sie solte schweigen / unnd zu ihme kommen: Sagts nit vergebens / dann alsbald fleugt ihme die Schwalm durch die Wort gezwungen inn die Hand / er erschrickt laßt sie wider fliegen / und ward hernach nit mehr weder gesehen noch gehört.

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