ETIKA

FRANZISKUS

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19.4.2015

12F3237

Franziskus wird der Berg Alvernia geschenkt – Anschlag des Teufels

Der Cronicken der mindern Brüder, das ander Buch, Cap. 37 (fälschlich als 27 bezeichnet), Fioreto. Konstanz 1603

Wie der heylig Franciscus zu predigen außgangen / und ihme von einem Herren in Toscana / der Berg Alvernia geschenckt worden.
Cap. 27 (richtig: 37; ein eher lässiger Schriftsetzer).
Fioreto.

ALs der heylige Vatter Franciscus / eines mals sich von Spoleti weck begeben / Willens inn Romagnam zuziehen / unnd Bruder Leonem zu einem Gesellen mit genommen / wirdt ihnen underwegs angezeigt / wie daß inn einem Dorff / Monte Feltro genant / ein zimlich stattlich Fest gehalten / und sich allda vil und stattliche Personen versamblen wurden / wendt er sich zu dem Gesellen und sagt: Bruder laß uns auch zu dem Fest gehen / damit wir auch Frucht daselbsten schaffen mögen / ziehen dahin / und begeben sich stracks der Kirchen zu / alldorten under andern / befande sich Herr Orlandus Graff von Chiusi / welcher von wegen dessen / so er von dem H. Vatter gehört / ihne sehr liebte / und den hefftig zusehen und zuhören begerte: Diser als er sein Ankunfft vernommen / eylt er ihme zu / findet ihne / als er gleich auff einer Höhe / auff dises Subiectum (So vil hoffe ich zugeniessen / als ich mich erfrewe zuleiden) zu predigen angefangen:

Auff welche Wort er sovil und wunderliche Sachen / auß Eingebung deß H. Geists gesagt / alles den Mühseligkeiten und Verfolgungen attribuierend / welche die Apostel und Martyrer Christi / und hernach die Beychtiger gelitten / die als stete Martyrer / nit eines Tags / oder Augenblick solche uberstünden / wegen der Hoffnung unnd lebendigen Glaubens / daß sie umb die Pein weniger Tagen / die ewige Seligkeit zubesitzen hetten / wie dann auch die wahren lebendigen Christen / welche mit brinnender Liebe / irem Herren / unnd dem Nächsten dienen / unnd mit Gedult die Versuchungen / und Trübsal diser Welt leideten / umb (fälschlich geschrieben umd) der Liebe deß Herren wegen jubilierend / und frolockend / mit welchem sie die hohen unnd unbegreifflichen Belohnungen zugeniessen gewiß wären / daß menigklich höchlich erbaut / unnd zu dem Dienst Gottes ermahnet warde:

In sonderheit aber vor andern / ward gesagter Graff Orlandus von der Lehr / und Geist deß H. Vatters vil mehr / als von dem so er gehört / und niemaln vermeint / befridiget / und sich derhalben alsbald nach vollendter Predig zu dem H. Vatter verfügt / und sich als einem der ihme sehr affectioniert und geneigt zu erkennen geben / sagte ime allein (weil die Gelegenheit weiters nit leiden möchte) er begerte höchlich etliche Sachen seiner Seelen Heyl belangendt mit im in geheim zu conversieren. Deme antwortet der H. Vatter / er solte nach verrichtem Mittagmaal / nach seiner Gelegenheit zu ihme kommen / so wolte er ihne gern anhören. Als er nun kommen / redt er nach Lengs mit dem H. Vatter / die Sachen so ine an der Seel und Gewissen wz beschwerten / außführlich / welche durch die Gnade Gottes  der H. Mann  bald erleutert und geringeret.

Nach welches Verrichtung gedachter Graff Orlandus gesagt: Allerliebster Vatter / ich hab ein Ort in Toscana / darauff ein Berg zimlicher Höhe / der Berg Alvernia genant / welcher weil er gar einsam / glaub ich / wurd er euch zu einer Wohnung / Ubung eines Gottsförchtigen andächtigen Lebens und Betrachtung gar fügliche(n?) seyn / möchte derhalben wol leiden / dz ir solchen besichtiget / und wann er euch füglich / mir zu sonderer Freundschafft und Gefallen / euch zu einer Wohnung annemmet / daran ir mir dann ein sondere Gnad und Gunst erzeigen wurdet.

Der H. Vatter (als der seine Wohlthaten / so im allda begegnen wurden / gleichsam vorsahe) nimmt dz Anerbieten (ob er sonsten gleichwol in solchen Sachen sich zuwidern gewohnt) alsbald an unnd sagt / er wolte solchen zubesichtigen 2. Brüder abordnen / unnd wann er also gestaltet wäre / wolt er selbst dahin zuwohnen ziehen / sagte ihme mitler Weilen grossen Danck: Thut im also / schickt alsbald 2. seiner Brüder dz Ort zubesichtigen / und befilcht ihnen / wann sie solches füglich zuseyn befunden / alsbald dz Ort zu dem Kloster außzuzeichnen / und den Posses zunemmen / gibt ihnen den Abschid / und befilcht gesagten Graffen Orlandum der Göttlichen Bewahrung: welcher sich gleich in ein Dorff und dem Berg begeben / allda er die von dem H. Vatter gesandte Brüd´ / als Engel Gottes mit Freuden empfangen / und etlich seiner Leute / mit befelch sie durch den gantzen Beerg wo sie wolten zuführen / mit ihnen gesandt / als die nun dahin gezogen / gefiele innen der berg gleich anfangs wol / und darnach sie fürbaß kommen auff einem Bihel ein schöne Ebene gefunden / fiengen sie alsbald an (weil sie kein gelegner Ort zufinden vermeinten) mit Hilff der zugebnen beleits Leut / Est von den Bäumen abzuhawen / und in kleiner Zeit ein gelegne Hütten zubawen / in welcher sie selbige Nacht verblieben / in dem Namen deß H. Vatters Francisci den Posseß eingenommen / und von dannen / solches denselbigen berichtet / welcher von dieser guten Zeitung (Nachricht) sehr erfrewt / alsbald die Brüder / Leonem / Angelum und Maseum beruffen / sambt inen Gott dem allmächtigen gedanckt / und nachdem er inen seine Gedancken eröffnet / gedachtem Berg zugezogen.

Als er nun die Höhe angefangen zubesteigen /  satzt er sich unter den Schatten eines Eichbaums zu ruhen nider / dahin alsbald ein grosse Schar allerley Vögel / ine zu empfahen kommen / erzeigten ein sondere Freud / mit der Stimm / Kopff und Flügeln / ein Sach wunderlich zusehen / seitemal etliche dem H. Vatter auff den Kopff / etliche auf die Achseln / Händ und Arm mit sonderer Heimligkeit / als wann sie Vernunfft hätten / flogen.

Als solches newe Wunderzeichen der H. Vatter sahe / sagt er zu den Gesellen:

Allerliebste Brüd´ ich glaub vestigklich / dz der Herr ein sonder Wolgefallen habe / dz wir allhie uns ein Wohnung bawen sollen / zeucht darmit nachdem er den Vögeln sein Benediction geben / den Berg fort auff / kommt zu beiden abgesanten Brüd´n / die im dz außgesteckte Ort   der Wohnung zeigten / weil im aber solches nit gefiele / umgienge er den Berg noch weiter / biß er letstlich eins seines Gefallens / zu heimlichister und stillister Betrachtung fande / facht alsbald an mit Esten ein kleine Zellen zubawen / inn welcher im hernach die heyligsten Wundenmaal von dem Herrn gegeben worden / wie hieunden an seinem Ort zusehen.

 

Wie auff gedachtem Berg / der Herr ihme auff einem Stein erschinen / unnd von den Privilegien so er dem Orden geben.

Fioreto.

ALs der H. Vatter in gedachtem (erwähntem) Berg wohnte /erschine ime der Herr / und nachdem er ime seinen Willen entdeckt unnd wider hinweck gescheiden / erforderet der H. Vatter Franciscus zu sich Bruder Leonem / und sagt: Brud´ Gottes Schäfflein / wasche disen Stein mit Wasser / er nimmt alsbald Wasser und wascht in / hernach sagt er: Wäsche in mit Wein / dz that er: und nacher mit Oel / dz that er auch: Zum vierten und letsten befilcht er / er solte in mit Balsam wäschen / Bruder Leo antwortet / es wär keiner verhanden / noch allda zubekommen / darauff erleutert ihme der H. Vatter die Figur und sagt:

Wisse Bruder Schäfflein Christi / dz der Herr / als er mir an jetzo auff disem Stein erschinen / zugleich denen vier Sachen / mit welchen ich dir den Stein zu wäschen befohlen / mir vier Privilegien für den Orden gegeben und bewilliget.

1.   Dz erst / daß alle die jenige / welche die wahren Mindern Brüder / und den Orden von Hertzen lieben / durch die Gnad und Barmhertzigkeit Gottes ir Leben in Gutem beschliessen und enden werden.

2.  Das ander / daß welcher wider Billigkeit / den Orden verfolgen wurde / mercklichen gestrafft solte werden.

3.   Das dritt / daß der Bruder / welcher boßhafftig in dem Orden verharren wurde / nit lang hernach ausser denselben sterben / oder in demselben confundiert verbleiben wurde.

4.   Das vierte und letste / daß dise Religion / zu Hilff seiner heyligen Kirchen / biß zu End der Welt verbleiben und bestehen werde.

S. Bonaventura, und alle.

Dieweil nun der Teuffel dise Vollkommenheit deß H. Vatters nit gedulden möchte / und die grosse Frucht / so er allbereit geschafft / und noch schaffen wurde vermerckte / entschlusse er sich ine umb das Leben zu bringen / und derhalben als sich der H. Vatter eines mals zu Morgens / zu oberst auff dem Berg / oberhalb einer gähen Wand in dem Gebett befande / und Gott den Herrn auß inneristem Hertzen anrüffte / sichs understanden / und in umb das Leben zubringen hinab uber den Berg gestürtzt / unnd weit hinab auff ein harte Stein Blatten geworffen / und dieweil aber der Feind nit mehr als ime von Gott verhengt an dem Heyligen vermöchte / kundt er ime durch dises alles doch kein Schaden zufügen / dann als der H. Vatter die Hilff und Beystand der Göttlichen Allmächtigkeit anrüffte / empfienge in gesagte Blatten (oder Felsen) in sich / als wann sie weich oder lind Wachs oder Leth (Letten, schlammige Erde) wäre / inn Massen / dass die Weite seines Leibs / so aller in selbem Felsen eingeschlossen sich befunden / und dise Höle so er gemacht / wie auch der Eintruck der Händ und Finger daruff er sich geleint / allzeit verbliben / welcher Eintruck dann auff den heutigen Tag mit menigklichs (jedermanns) grossem Verwundern augenscheinlich klar gesehen wirdt / dannenhero der Teuffel höchlich confundiert (verwirrt) / und erwütet / und der Diener deß Herrn wunderlich durch jenige hohe Krafft / welche allezeit iren Dienern gegenwärtig und in allen Nohtwendigkeiten zu Hilff kombt / erhalten worden.

Dises war der Posseß (Besitzergreifung) dises Bergs / so der H. Vatter durch den Willen deß Herrn genommen.

Wöllen nun weiter von der Unschuld deß H. Vatters anfangen zureden / durch welche die Vögel wie wir oben gesehen / gleich wie auff einem einsamem Baum /  sich in ihme versichert / und sein Krafft innerlich erkant / und wöllen sagen / was Massen die andere Thier auch dergleichen gethan haben.

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