ETIKA

FRANZISKUS VON ASSISI

www.etika.com
14.12.1998 – 23.2.2008

12F3238

Tiere gehorchen Franziskus

Der Cronicken der mindern Brüder, das ander Buch, Cap. 38, S. Bonaventura, S. Vincent, Konstanz 1603

Von der Gemeinsame unn Gehorsam / so allerley Art der Thieren /
mit dem heyligen Vatter Francisco gehabt

Die Seel deß H. Vatters Francisci war dermassen mit Unschuld begabet, daß sie so wol jnner- als eußerlich den höchsten Stand der Unschuld von Gott erlangt zu haben sich erzeigte, dann sie erhielte sich in selbiger steiff unnd vollkommenlich Gott dem Herrn underthänig unnd gehorsam, auß welchem erfolgt, daß er von andern nideren Creaturen, uber welche jme Gott vollkommenlich Gewalt gegeben, geehrt und gehorsamet worden, wie auß dem Exempel zu sehen.

Als er eins mals durch die Stadt Senis wandlet, fande er auff einer Wisen eine große Anzahl Schaff, gienge zu den selben unnd grüßet sie; die Schaff verlassen die Weid und gehen (ob sie Verstand hetten) jm zu sehen jhne mit auffgereckten Köpffen an unn erzeigten ab seiner Gegenwärtigkeit ein sonders Wolgefallen: Die Gesellen unn Hirten entsetzen sich ab einer solchen ungewohnten Sach hoch, in dem sie die als vernünfftige Creaturen den H. Vatter also zu ehren unn daß sie ohne sein Benediction nit wid´ zu der Weid kehren wolten, ansahen und verwunderten sich hoch.

Bey S. Maria der Engeln ward jhme ein Schaff, das er sehr liebte, geschenckt, dann es jhme alsbald in allem gehorsamet: Also daß wann die Brüder zu Chor gangen, es sich zu der Kirchen Thür stellet und allda mit großer Auffmerckung wartet; wann dann das hochwürdige Sacrament auffgehebt wurde, kniet es zu Confusion der Ketzer unnd bösen Christen mit beyden Knien nider und bettet an den höchsten Erschaffer, welches den Brüdern ein große Mehrung der Andacht verursachet.

Es hat sich der H. Vatter Franciscus eine Zeit mit einem Lämmle zu Gedechtnus und Reverentz deß gedultigen Lämmleins Christi Jesu sehr belustiget unnd erfreut; als er aber hinweck scheiden mußte, solches einer sehr andächtigen edlen Frawen, Giacoma von Settesoli genant, anbefohlen, welches, gleich wie es der heylig Vatter für sich abgerichtet, also es die Frawen, wann sie zu unn von der Kirchen gangen, begleitet, unnd wann es die Zeit der Meß vermercket, als wann es die Glocken höret, sie mit der Stimm unn Geberden gemahnet in Maßen, daß der Discipel deß H. Vatters diser edlen Frawen ein Meister der Andacht worden.

In dem Kloster zu Grecio ward jme ein junger Has verehrt, den laßt er alsbald ledig lauffen, wolt aber nit von jhme hinweck; als er diß sahe, rufft er jhm wider; alsbald springt jhm der Has in die arm, er umfacht jhn als ein Kindlein und fragt gar lieblich, warumben er sich also fangen lassen; und letztlich, als er sich seiner erbarmet, gibt er jn einem Bruder, der solt jhn inn das Gebirg an ein sicher Ort tragen, befilcht jhm, er solte sich von niemandts mehr fahen lassen. Vil dergleichen Sachen seynd jhme bey dem Perusianischen See begegnet.

Als ein wildes Küllele gefangen worden unnd dem Heyligen zugetragen, ist es jhme, alsbald es jne ansichtig worden, in die Händ und Schoß gesprungen.

Als er uber den See zu Reate in das Kloster zu Grecio zu ziehen passiert, hat jhme ein Fischer auß großer Andacht einen Wasser Vogel verehret, welchen er frölich empfangen unnd jhme die Hand zum Flug geöffnet; weil er aber nit hinweck wolte, ward der heylig Vatter, nachdem er die Augen auff gen Himmel erhebt, gleichsam verzuckt; als er nun wider zu jhme selbsten kommen und den Vogel noch inn der Hand gesehen, gabe er jhme die Benediction unnd befahle, er solte hinfliegen wo hin er begerte: Alsbald nach empfangner Benediction schwingt sich der Vogel auff und fleugt frölich davon.

Bey obgedachtem See ward jhme ein großer lebendiger Fisch geschenckt; als er denselben empfangen und dem Geber dancket, warff er jhn wider alsbald in den See; der Fisch aber erzeigt sich alsbald wid´ hoch auff dem Wasser, volget dem H. Vatter allezeit an dem Gestad nach, so lang biß er zu dem Port kommen, da der Heylig abweichen mußte; alldorten stellet er sich und facht an, auff dem Wasser zu schwimmen unnd zu springen und wolte von dannen nit weichen, so lang biß jme der heylig Vatter die Benediction geben.

Freiwillige Übung für Schüler: Obigen Text frei ins heutige Deutsch übersetzen

Mehr von Franziskus - - - Index 1