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ETIKA |
FRANZISKUS VON
ASSISI |
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12F3238 |
Tiere
gehorchen Franziskus |
Der Cronicken der mindern Brüder, das ander
Buch, Cap. 38, S. Bonaventura, S. Vincent, Konstanz 1603 |
Von der Gemeinsame unn Gehorsam /
so allerley Art der Thieren
/
mit dem heyligen Vatter
Francisco gehabt
Die Seel
deß H. Vatters Francisci war dermassen mit
Unschuld begabet, daß sie so wol jnner-
als eußerlich den höchsten Stand der Unschuld von
Gott erlangt zu haben sich erzeigte, dann sie erhielte sich in selbiger steiff unnd vollkommenlich
Gott dem Herrn underthänig unnd
gehorsam, auß welchem erfolgt, daß er von andern nideren Creaturen, uber welche jme Gott vollkommenlich Gewalt gegeben, geehrt und gehorsamet worden, wie auß dem
Exempel zu sehen.
Als er eins mals durch die Stadt Senis wandlet, fande er auff einer Wisen eine große
Anzahl Schaff, gienge zu den selben unnd grüßet sie; die Schaff verlassen die Weid und gehen
(ob sie Verstand hetten) jm zu sehen jhne mit auffgereckten Köpffen an unn erzeigten ab
seiner Gegenwärtigkeit ein sonders Wolgefallen: Die
Gesellen unn Hirten entsetzen sich ab einer solchen
ungewohnten Sach hoch, in dem sie die als vernünfftige Creaturen den H. Vatter also zu ehren unn daß sie
ohne sein Benediction nit wid´ zu der Weid kehren wolten,
ansahen und verwunderten sich hoch.
Bey S. Maria der Engeln
ward jhme ein Schaff, das er sehr liebte, geschenckt, dann es jhme alsbald
in allem gehorsamet: Also daß wann die Brüder zu Chor
gangen, es sich zu der Kirchen Thür
stellet und allda mit großer Auffmerckung wartet;
wann dann das hochwürdige Sacrament auffgehebt wurde, kniet es zu Confusion
der Ketzer unnd bösen Christen mit beyden Knien nider und bettet an
den höchsten Erschaffer, welches den Brüdern ein große Mehrung der Andacht
verursachet.
Es hat sich der H. Vatter Franciscus eine Zeit mit einem Lämmle zu Gedechtnus und Reverentz deß gedultigen Lämmleins Christi
Jesu sehr belustiget unnd erfreut; als er aber hinweck scheiden mußte, solches einer sehr andächtigen
edlen Frawen, Giacoma von Settesoli genant, anbefohlen, welches, gleich wie es der heylig Vatter für sich
abgerichtet, also es die Frawen, wann sie zu unn von der Kirchen gangen,
begleitet, unnd wann es die Zeit der Meß vermercket, als wann es die
Glocken höret, sie mit der Stimm unn Geberden gemahnet in Maßen, daß der Discipel
deß H. Vatters diser edlen Frawen ein Meister
der Andacht worden.
In dem Kloster zu Grecio ward jme ein junger Has
verehrt, den laßt er alsbald ledig lauffen, wolt aber nit von jhme hinweck; als er diß sahe, rufft
er jhm wider; alsbald springt jhm
der Has in die arm, er umfacht jhn
als ein Kindlein und fragt gar lieblich, warumben er
sich also fangen lassen; und letztlich, als er sich seiner erbarmet, gibt er jn einem Bruder, der solt jhn inn das Gebirg
an ein sicher Ort tragen, befilcht jhm, er solte sich von niemandts mehr fahen lassen. Vil dergleichen Sachen seynd jhme bey dem Perusianischen
See begegnet.
Als ein wildes Küllele gefangen worden unnd dem
Heyligen zugetragen, ist es jhme, alsbald es jne ansichtig worden, in die Händ
und Schoß gesprungen.
Als er uber
den See zu Reate in das Kloster zu Grecio zu ziehen passiert, hat jhme
ein Fischer auß großer Andacht einen Wasser Vogel
verehret, welchen er frölich empfangen unnd jhme die Hand zum Flug
geöffnet; weil er aber nit hinweck
wolte, ward der heylig Vatter, nachdem er die Augen auff
gen Himmel erhebt, gleichsam verzuckt; als er nun wider zu jhme
selbsten kommen und den Vogel noch inn der Hand gesehen, gabe er jhme die Benediction unnd befahle, er solte hinfliegen wo hin er begerte:
Alsbald nach empfangner Benediction schwingt sich der
Vogel auff und fleugt frölich davon.
Bey obgedachtem
See ward jhme ein großer lebendiger Fisch geschenckt; als er denselben empfangen und dem Geber dancket, warff er jhn wider alsbald in den See; der Fisch aber erzeigt sich
alsbald wid´ hoch auff dem
Wasser, volget dem H. Vatter
allezeit an dem Gestad nach, so lang biß er zu dem
Port kommen, da der Heylig abweichen mußte; alldorten stellet er sich und facht an, auff
dem Wasser zu schwimmen unnd zu springen und wolte von dannen nit weichen, so
lang biß jme der heylig Vatter die Benediction geben.
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Freiwillige Übung für Schüler: Obigen Text
frei ins heutige Deutsch übersetzen |
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