ETIKA

FRANZISKUS VON ASSISI

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14.12.1998 – 6.5.2015

12F3238

Tiere gehorchen Franziskus

Der Cronicken der mindern Brüder, das ander Buch, Cap. 38, S. Bonaventura, S. Vincent, Konstanz 1603

Von der Gemeinsame und Gehorsam / so allerley Art der Thieren /
mit dem heyligen Vatter Francisco gehabt
S. Bonaventura. S. Vincent.

Die Seel deß H. Vatters Francisci / war dermassen mit Unschuld begabet / daß sie so wol jnner- als eusserlich / den höchsten Stand der Unschuld von Gott erlangt zu haben sich erzeigte / dann sie erhielte sich in selbiger steiff unnd vollkommenlich / GOtt dem Herrn underthänig unnd gehorsam / auß welchem erfolgt /  daß er von andern nideren Creaturen / uber welche jme Gott vollkommenlich Gewalt gegeben / geehrt und gehorsamet worden / wie auß dem Exempel zusehen.

Als er eins mals durch die Statt Senis wandlet / fande er auff einer Wisen / ein grosse Anzahl Schaff / gienge zu den selben / unnd grüsset sie / die Schaff verlassen die Weid und gehen (ob sie Verstand hetten) jm zu / sehen jhne mit auffgereckten Köpffen an / und erzeigten ab seiner Gegenwärtigkeit / ein sonders Wolgefallen: Die Gesellen und Hirten entsetzen sich ab einer solchen ungewohnten Sach hoch,/ in dem sie die als vernünfftige Creaturen / den H. Vatter also zu ehren / und daß sie ohne sein Benediction nit wid´ zu der Weid kehren wolten / ansahen / und verwunderten sich hoch.

Bey S. Maria der Engeln / ward jhme ein Schaff / das er sehr liebte / geschenckt / dann es jhme alsbald / in allem gehorsamet: Also daß wann die Brüder zu Chor gangen / es sich zu der Kirchen Thür stellet / und allda mit großer Auffmerckung wartet / wann dann das hochwürdige Sacrament auffgehebt wurde / kniet es zu Confusion der Ketzer unnd bösen Christen / mit beyden Knien nider / und bettet an den höchsten Erschaffer / welches den Brüdern ein große Mehrung der Andacht verursachet.

Es hat sich der H. Vatter Franciscus / eine Zeit mit einem Lämmle / zu Gedechtnus und Reverentz / deß gedultigen Lämmleins Christi Jesu / sehr belustiget unnd erfreut / als er aber hinweck scheiden mußte /  solches einer sehr andächtigen edlen Frawen / Giacoma von Settesoli genant / anbefohlen /  welches gleich wie es der heylig Vatter für sich abgerichtet / also es die Frawen wann sie zu / und von der Kirchen gangen / begleitet / unnd wann es die Zeit der Meß vermercket / als wann es die Glocken höret / sie mit der Stimm und Geberden gemahnet / in Massen / daß der Discipel deß H. Vatters diser edlen Frawen ein Meister der Andacht worden.

In dem Kloster zu Grecio ward jme ein junger Has verehrt / den laßt er alsbald ledig lauffen / wolt aber nit von jhme hinweck / als er diß sahe / rufft er jhm wider / alsbald springt jhm der Has in die arm / er umfacht jhn als ein Kindlein / und fragt gar lieblich / warumben er sich also fangen lassen / und letstlich als er sich seiner erbarmet / gibt er jn einem Bruder / der solt jhn inn das Gebirg / an ein sicher Ort tragen / befilcht jhm, er solte sich von niemandts mehr fahen lassen. Vil dergleichen Sachen seynd jhme bey dem Perusianischen See begegnet.

Als ein wildes Küllele gefangen worden / unnd dem Heyligen zugetragen / ist es jhme alsbald es jne ansichtig worden in die Händ und Schoß gesprungen.

Als er uber den See zu Reate / in das Kloster zu Grecio zu ziehen passiert / hat jhme ein Fischer auß grosser Andacht einen Wasser Vogel verehret / welchen er frölich empfangen / unnd jhme die Hand zum Flug geöffnet / weil er aber nit hinweck wolte / ward der heylig Vatter nachdem er die Augen auff gen Himmel erhebt / gleichsam verzuckt / als er nun wider zu jhme selbsten kommen / und den Vogel noch inn der Hand gesehen / gabe er jhme die Benediction / unnd befahle er solte hinfliegen wo hin er begerte: Alsbald nach empfangner Benediction schwingt sich der Vogel auff / und fleugt frölich davon.

Bey obgedachtem See / ward jhme ein großer lebendiger Fisch geschenckt / als er denselben empfangen / und dem Geber dancket / warff er jhn wider alsbald in den See / der Fisch aber erzeigt sich alsbald wid´ hoch auff dem Wasser / volget dem H. Vatter allezeit an dem Gestad nach / so lang biß er zu dem Port kommen / da der Heylig abweichen mußte / alldorten stellet er sich / und facht an auff dem Wasser zuschwimmen unnd zuspringen / und wolte von dannen nit weichen / so lang biß jme der heylig Vatter die Benediction geben.

Freiwillige Übung für Schüler: Obigen Text frei ins heutige Deutsch übersetzen

 

 

 

Der hl. Franziskus ist mit seiner Tierliebe genauso von den christlichen Kirchen verraten worden wie die Tiere selbst, unsere Mitgeschöpfe, unsere Brüder und Schwestern. Welches Geheimnis steckt wohl hinter dem Leid der Tiere? Was ist mit den Raubtieren, die wie die Bären und Wölfe unschuldige Schafe zerfleischen, und dies unter dem Schutz staatlicher Gesetze? Wer hat denn noch Mitleid mit den armen Schafen wie Franziskus?

Solange die Kirche sich nicht um die Befreiung der Kreaturen bemüht, sondern ihre Tötung rechtfertigt – kann sie eine heilige Kirche sein? Gott, helfe uns in unseren Zweifeln und erleuchte uns am Jüngsten Tage, warum das alles sein muss.

Wir bitten für alle Tierfreunde, die Ärgernis daran nehmen, dass Christen Tiere töten dürfen …

Unser Gewissen, unser Mitleid sagt uns, dass das Böse in der Welt und auch in der Kirche wirkt und dass in der Himmelswelt des Friedens kein Tier und kein Fisch mehr geschlachtet wird. Heiliger Geist, erleuchte uns! Schenke uns Erkenntnis und Mitleid und Barmherzigkeit. Gott will doch von uns Barmherzigkeit und er kann doch nicht wollen, dass wir Tiere auf so grausame Art und Weise töten, wie es Mose vorgeschrieben hat. Welch unendliche Qualen haben doch die Juden und Moslems aufgrund des mosaischen Schächtgebotes unseren ärmsten Brüdern und Schwestern verursacht! Auf wen fallen die Todesschmerzen der Schlachttiere zurück? Gott, erleuchte uns! Herr, sei uns gnädig!

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