ETIKA

FRANZISKUS VON ASSISI

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25.5.2015

12F3240

Franziskus zähmt das Feuer bei der Augenoperation

Der Cronicken der mindern Brüder, das ander Buch, Konstanz 1603

Welcher Gestalt / als es von nöhten war / dem heyligen Vatter mit dem Feur ein Fontanell zu setzen / das Feuer sein Krafft verlierend / ihme gehorsamet.
Cap. 40.
S. Bonaventura. Fioreto.

NIt allein die unvernünfftigen Thier / sonder auch die Elementen / wie in disem und anderen folgenden Exemplen zu sehen / haben dem Heyligen gehorsamet.

Es war diser heylige Vatter lange Zeit mit seinen Kranckheiten beladen / und dieweil er sich (nach deß Protectors Befelch) wegen der kalten und rauhen Zeit nit curieren kondte lassen / war er von mehrer Gelegenheit wegen durch den Medicum von Riete / so ine curierte / in das Kloster zu Fonte Colombo verordnet / und geführt.

Und auff daß er ihne vor dem Lufft / der ime gar schädlich / und dem Glantz der Sonnen / den er nit leiden möcht / verwahrte / liesse er ihm ein grosse Kappen machen / unnd die Augen wol verbinden.

Als nun der Medicus dahin kommen / und die Schwere der Kranckheit erwegen / sagt er/ es wäre nohtwendig ihme ein Fontanell zu setzen hinder dem Ohr / an welcher Seiten das Aug zum meisten litte / welches aber der heylig Vatter (vielleicht an dem Leben zweifflend) gleichwol mehr wegen der Ankunfft des General Vicarii / so er stundtlich verhoffet / auff schube / und verzohe.

Dieweil aber die Kranckheit täglich zuname / und der Vicarius nit kommen wollte / mußte man ine doch letstlich brennen / dessen wegen er dann wenig / sonderlich ein gantze Nacht gar nit ruhen könden: und derhalben dem Bruder / so ime gepflegen und gewacht / auß Mitleiden / daß er wegen seiner Schwachheit weder Tag noch Nacht Ruh hatte / dise nachfolgende Ermahnung gethan:

Allerliebster Bruder und Sohn / lieber beschwere dich nit / von meinet wegen zu leiden / und dich inn diser meiner Kranckheit zu bemühen / dann mein Herr und Gott wirdt dich umb dise deine Bemühung und Schmertzen / so du meinet wegen uberstehest / inn diser und jener Welt belohnen / unnd alle andere gute Werck / so du wegen meiner Chur underlassest / bezahlen: vergwisse dich auch / daß du inn Würckung diser Liebe vil mehr / als inn dem Gebett gewinnest / dann die jenigen / so mir in diser so grossen Noht dienen und helffen / dem gantzen Leib unsers Ordens dienen / und denselben erhalten.  Magst derhalben sicherlich zu Gott dem Herren  (ime dise deine Dienst auffopfferend) sagen: Ich verzehre O Herr / inn dem Dienst dises Menschen / von welches wegen du mein schuldner bist / seytemal ich ihme von deiner Liebe wegen diene.

Dises sagt ihm der heylig Vatter / damit er nit von dem Teuffel der Ungedult uberwunden / disen Verdienst zu Verlur legte / und derhalben (wie oben gesagt) inn Ansehung der grossen Gefahr und Mühseligkeit seiner Brüder / zu dem verordneten Fontanell zu bereiten eingewilligt / ob gleichwol der Vicarius noch not verhanden.

Als nun alle Notturfft fleissig zubereitet / und der heylige Vatter / das glüende Eysen ansahe / stiesse ine ein grosser natürlicher Schrecken und Zittern / wegen deß Schmertzens  so er ausstehen müßte / an / sagt derhalben zu dem Feur gütigklich dise Wort:

O du mein edler Bruder / unnd von dem Allerhöchsten erschaffne nutzlichiste Creatur / ich bitt dich zum höchsten / du wöllest in diser deiner Würckung ein Mitleiden mit mir tragen / und dein Schärpffe gegen mir nit brauchen / seytemal ich dich so hoch von dein unnd meines Erschaffers wegen liebe / welchen ich anrüffe unnd bitte / daß er dein Hitz dermassen temperiere und miltere / daß mein Schwachheit solche erleiden möge /

und darmit das Creutz Zeichen uber den glüenden Kolben gemacht / da doch mitler Weil die Brüder auß Mitleiden / daß sie ihne nit möchten peinigen sehen / alle darvon gangen / und ihne allein bey dem Medico gelassen.

Als er aber nun gebrent / und die Brüder wider berüfft sagt er zu selben:

O ir eines schwachen Hertzens und Glaubens / warumben seyt ihr geflohen? ihr sollet wissen / daß ich kein einigen Schmertzen empfunden / und wann der Medicus vermeynet / daß er die Fontanell nit recht gesetzt / bin ich zu friden / daß er noch ein mal / oder wider ein mal / und so lang biß sie recht werde / brenne.

Von welchem grossen Wunderzeichen (durch welches das Feur nit verletzen / oder helffen mögen / und daß der Heylig ohne anderer Hebung des Kopffs zu disem Brand unbeweglich und unempfindtlich verbliben) der Medicus hoch erschrocken / köndte sambt den anderen Brüderen nichts anderes sagen / dann daß inn diser Welt nichts bessers wäre / als ein wahrer Diener des höchsten GOTTES zu seyn.

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