ETIKA

FRANZISKUS VON ASSISI

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2.6.2015

12F3241

Franziskus liebt alle Kreaturen

Der Cronicken der mindern Brüder, das ander Buch, Konstanz 1603

Von der Liebe /so der heylige Vatter zu allen Creaturen / wegen deß Erschaffers getragen.
Cap. 41.
Fioreto.

ES ist sich gleichwol dennochter nit so hoch zu verwunderen / wann das Feur unnd andere Creaturen dem Befelch deß hyligen Vatters Francisci gehorsambten und dienten / seytemal er sie entgegen geliebet und geehret / daß er sich ihrer Wohlfahrt erfrewet / und Ubels / so vil sich ein Freund deß anderen / wie lieb er auch seye / betrüben möchte / betrübet und trauret / redet mit ihnen / als ob sie Verstand und Erkantnus hätten / erhebte sich von der Nidere unnd Geringe derselben / zu Betrachtung deß allerhöchsten Erschaffers.

Dannenhero er zu denen / so was Gleichnus mit Christo / ein Figur oder Eigenschafft seiner Diener / mehr als zu anderen ein Affection und Neigung truge: als nemblich gegen den Lerchen / weil sie ein Kappen wie er und seine Brüder trügen / daß sie demütig und Erdfarb wären / durch die Gräben und Strassen ihr Nahrung suchten / nachmals sich in die Lüfft erhebten / und Gott ihren Herrn lobten : wären derhalben / wie er sagte / ein Exempel seiner Mindern Brüder / die mit grobem schlechtem erdenfarben Thuch bekleidet / demütig durch die Strassen giengen / und das Allmusen suchen / und wann sie hie unden auf Erden zu nohtwendiger Auffenthaltung ihres Leibs genug conversiert / alsdann sich mit den Gedancken in den Himmel erheben / und ihren Erschaffer loben solten.

Sagte derhalben eines mals / wann er Keyser ware / wolte er durch ein Mandat die Lerchen umzubringen verbieten.

Wann er hernach von anderen Thieren discurrierte / sagt er / er wolte den Regenten und Obrigkeiten aller Länden / Stätten / unnd Flecken befehlen / daß sie an dem herrlichisten Geburts Tag deß Herren / durch die Strassen und Felder Getreid außwerffen müßten / auff daß alle die Vögel an einem solchen Tag auch die Nahrung hätten.

Und das Gedechtnus deß Tags / an welchem er zwischen dem Ochsen unnd Esel geboren / ein jeder so dergleichen Thier hätte / ihnen selbe Nacht Hew und Haber hauffen weiß und uberflüssig geben und fürschütten müßte.

Under den himlischen Creaturen aber liebet er sonderlich die Sonn / wie / und warumb / oben gesehen worden / nach derselben das Feur / als ein adelichist Element / wolte auch solches nit selbsten / in Betrachtung der unzahlbaren Wolthaten / so der Herr durch Mittel desselben uns erzeigte / erlöschen / wie auß hernach geschribnen Exemplen zu sehen.

Als er eines mals bey dem Feur sasse / sprangen ihme etliche glühende Kolen in die Schoß: und ob er gleichwol seinen Habitum darvon brinnen sahe / wolt er doch nit löschen / noch einem anderen Bruder / so zu gegen war / gestatten / biß daß der Vicarius (von selbem Bruder berüfft) herzu kommen / unnd das Feur wider seinen Willen / umb der Gehorsame willen / abgelöschet.

Ein anders mal auff dem Berg Alvernia / hat ein Bruder / so bey ihme ware / wegen der strengen regierenden Kälte / inn seiner Zellen / darinn er asse / ein groß Feur gemacht / laßts also brinnen / gehet dem Heyligen zu an ein ander Ort nahent bey derselben Zell / da er ware / ihne zu berüffen / welcher sich in Lesung selbigen Tags gefallenen Evangeliums auffgehalten / (wie dann der Heylige im Gebrauch hätte / allezeit vor dem Essen das Evangelium / wann er zu vor die Meß nit gehöret / anzuhören) daß in dem sich der Bruder gesaumbt / das Feur so vil gearbeitet / daß wie er mit dem heyligen Vatter dahin kommen / es auff der einen Seiten allbereit zu obrist in die Zell kommen ware / befleißt sich solches auffs best so er möchte / zu löschen.

Der heylige Vatter aber wolt mit dem wenigisten nit helffen / sonder nimbt einen Beltz / mit welchem er sich die Nacht zu bedecken pflegte / eylet mit demselben wider den Berg zu: In deme die anderen Brüder das Feur ersehen / lauffen sie auß dem Kloster / und löschen alsbald.

Als dises geschehen / und der heylig Vatter wider zu dem Essen kommen / sagt er zu dem Gesellen: Ich will disen Beltz nit mehr gebrauchen / dieweil ich auß Geitz nit gestatten wöllen / daß mein Bruder das Feur solchen verzehre.

Nach dem Feur liebt er das Element deß Wassers / weil durch dasselbe die Buß unnd Trübsal bedeutet / unnd mit demselben durch das Sacrament deß Tauffs / die Seel gewäschen wurde. Unnd derhalben wann er das Angesicht oder die Händ wäschte / allezeit ein Ort / damit es nit mit Füssen getretten wurde / suchte.

Zu gleich auch trug er grosse Ehrerbietung gegen den Steinen / in massen / daß er vil malen (wann er an den Egstein Christum Jesum gedachte) mit Zittern darauff trate.

Dem Bruder so auff dem Berg das Holtz hawet / verbotte er höchlich dasselb gar abzuhawen / sonder sollte einen starcken Stamm / zu Gedechtnus dessen / der umb unsers Heyls willen auff dem härten Holtz deß Creutzes gestorben / verbleiben und stehen lassen.

Dem Gartner hat er verbotten / er solte niemalen die Kräuter sambt der Wurtzen / wie dann mit vilen geschicht / gar außreissen / sonder allezeit so vil im Boden lassen / daß sie wider möchten schiessen unnd außwachsen / auf daß sie zu gebürender Zeit / zu Liebe unnd Gedechtnus dessen / der auch ein Blum genant wöllen werden / die Blumen herfür bringen möchten.

Wolte vil mehr / daß er ein abgesünderts Gärtle / allein von wol riechenden und dem Gesicht angenemmen Kräuteren und Blumen / machen solte / auff daß wann zu gewohnlicher Zeit die Blumen herfür wüchsen / sie menigklich wegen ihrer Schöne / den Herren zu loben bewegten / seytemal alle Creaturen in ihrer Sprach redten / und uns anmeldeten unnd sagten: Gott hat uns / O Mensch / allein für dich geschaffen / auff daß du für uns in allen deinen Wercken den Herren lobest.

Wolte derhalben daß sie von menigklich als ein Spiegel geachtet / in welches Beschawung sie die Grösse derselben Erschaffers admirieren / unnd mit grosser Demut ihne allezeit lieben / ehren / unnd anbetten solten.

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