ETIKA

FRANZISKUS VON ASSISI

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16.8.2015

12F3244

Epistel an das Generalkapitel

Der Cronicken der mindern Brüder, das ander Buch, Konstanz 1603

Franziskus droht Priestern

Von etlichen Lehren  / so von dem heyligen Vatter Francisco inn Schrifft verlassen worden.

Von dem schuldigen Glauben / Reverentz / unnd Ehrerbietung / deß heyligsten Sacraments.

Cap. 44.
Fioreto.

NIt allein / hat der heylige Vatter Franciscus / sich gegenwärtig und leiblich mit dem Exempel unnd Predig den Nächsten zu erbawen geübet / sonder auch denen welchen er mit solchem wegen der Weite nit helffen könden / mit Sendschreiben / und Erinnerungen geholffen / von welchen mich nit ungut bedunckt / etliche / und den Blumen derselben nach der Materi außgetheilt / hieher zu setzen.

Epistel deß heyligen Vatters Francisci / an alle Brüder deß GeneralCapitels.

In dem Namen der heyligsten Dreyfaltigkeit / und aller höchsten Einigkeit / Gott Vaters / Sohns und heyligen Geists / Amen. Meinen geliebsten Brüdern / den General deß Ordens der Minderen Brüder / meinen Herren / andere nachfolgenden Ministern / allen Provincialen / Guardianen / unnd unsern inn Christo vereinten Bruderschafft Brüderen / allen ersten und letsten / einfältigen / demütigen / und gehorsamen / wünschet Bruder Franciscus  ein nichtiger / blöder / hinfälliger Mensch / ewer geringister Knecht / inn dem Namen dessen / welcher uns erlößt / unnd mit seinem rosenfarbenen Blut gewäschen / welches Namen wir auff die Erden nider geworffen / mit grosser Forcht unnd Reverentz anbetten sollen deß allerhöchsten Herren und Sohn Gottes Christi Jesu / und seines allerheyligsten Namens / welcher gebenedeyt ist von Ewigkeit zu Ewigkeit seinen Gruß. Amen.

Mercket ihr Kinder deß Herren / meine geliebste Brüder / behaltet in Gedechtnus meine Wort / neiget die Ohren ewers Hertzens / unnd gehorsamet der Stimm deß Sohns Gottes / haltet und observieret mit gantzem Hertzen / seine liebliche Gebott / unnd umbfacht mit allem ewerem Willen seine Räth / lobet ihn / dann er ist gut / unnd erinneret euch / daß der ewige Vatter euch inn die Welt gesandt / auff daß ihr mit eweren Worten und Wercken / Zeugen seiner Wort und Wercken wären / darumben bezwingt euch menigklich sein einige Allmächtigkeit zu verkünden / verharret inn der Disciplin und Observantz / und mit starckem Fürsatz / erhaltet dasjenig / so ihr ihme versprochen / seytemal er uns als ein Vatter seinen Kindern die wahre und kräfftige / geistliche und leibliche Auffenthaltung gibt / und uns als unser Schutz- und SchirmHerr dem Vatter auffopfferet:

Ich bitte euch Brüder in Demütigkeit die Füß küssend / unnd ermahne euch inn höchster möglichister Liebe / disem allerheyligsten Sacrament alle eusserste möglichste Reverentz / und Ehrerbietung zuerzeigen / durch welches alle himlische und irdische Sachen / mit dem höchsten GOTT versöhnet werden.

Ich bitte in dem Herren alle meine Brüder (so Priester seyn und seyn werden)  daß wann sie die heyligste Meß celebrieren / sie sich reyn / unnd unbefleckt zu seyn befleissen / auff daß sie das wahre Opffer deß heyligsten Leibs und Bluts unsers Herren unnd Heylandts Christi Jesu / mit aller Reverentz / Reynigkeit und heyliger Intention / nit wegen einigen irdischen Respects / Forcht / oder menschlicher Liebe auffopfferen / sonder in Intention unnd Meinung aller Dings in Gott gerichtet / allein seiner Göttlichen Maiestät zu gefallen begere / welcher bey dem H. Paulo sagt: Dz thut zu meiner Gedechtnus. (1. Cor. 11.)

Derhalben wisset O ir Priester / welcher anderst inn disem handlet / der wird Juda dem Verräther sich vergleichen / erinneret euch deß Spruchs deß Apostels / daß diser welcher dz Gesatz Moysi nit gehalten / und mit Kundtschafft / uberwunden  / ohne alle Barmhertzigkeit deß Todts sterben müssen:

Dannenhero / wieviel grosser und erschröcklicher Straff / wirdt der jenig verdienen / welcher den lebendigen Sohn Gottes zertrent / unnd ohne Forcht in Unreynigkeit / dem wahren Blut / deß ewigen Testaments / so von im und dem H. Geist geheyliget / so groß unrecht thun wirdt?

Dann selbiger Zeit der Mensch unwürdig / und besudlet / das H. Mystische Gottes Lämmlein / wann er sich (wie der Apostel sagt) nit examiniert / unnd zwischen dem wahren Brot Gottes / und täglichen ein Underschid machet / zertritt / und derhalber solches unwürdigklich geneußt / seitemal der Herr durch den Propheten Jeremiam sagt (Hier. 48.):

Verflucht sey / der deß Herren Werck farlässig / oder untrewlicht verricht.

Und die jene Priester / welche ein solche grosse Geheimnus und Mysterium, auff das würdigist zu verrichten / nit betrachten / werden von dem Herren verdambt / da er sagt (Matt. 11.; Anm.: Bibelstelle nicht gefunden):

Ich will ewere Segen verfluchen / ja ich will euch selbst verfluchen.

Höret mich bitt ich / höret mich liebe Brüder / wann die glorificierte Jungkfraw / darumb daß sie in ihrem reynisten Leib / Christum Jesum getragen / so hoch (wie billich) geehret wirdt / wann S. Johannes der Tauffer erzitteret / unnd das Haubt Christi anzurüren sich nit getraute / und wann letstlich das Grab / in welchem Christus / so wenig Tag geruhet / in so hohen Ehren gehalten / wieviel mehr solle der jenig / gerecht / heylig / und wol gereyniget seyn / welcher mit seinen Händen handlet / und eignem Mund / so hohe unendtliche Maiestät empfahet / unnd anderen außspendet?

Gedencket / daß dises ein unsterblicher Herr / welcher ewigklich glorificiert lebet / in welches Maiestät Anschawung die Engel / selbst sich nit ersättigen / erkennet O Priester eure Würde / und seyt heilig / dann Gott ist heylig / und wie ihr uber andere Menschen / wegen einer solchen grossen Würde und Mysteriums geehret / also befleißt euch uber andere / disen Herren zu ehren / zu lieben / unnd zu preisen / dann anderst ist wahrlich ewer Armseligkeit groß / unnd hoch zu beweinen / daß weil ir den allermächtigsten Gott / und alles Guten Brunnen / in den Händen tractiert und wandlet / ir weltlichen / irdischen zergencklichen Sachen nachtrachten wöllet:

Es solte vor Forcht erzitteren / unnd vor Liebligkeit die Welt weinen / seytemal die Engel selbsten auff die Knie fallen / wann auff dem Altar / inn den Händen eines geringen Menschen / Christus Jesus der Sohn deß Allerhöchsten tractiert wirdt / O wunderliche Hochheit / und Göttliche Absteigung / O höchste Demütigkeit / daß der Sohn Gottes / ja Gott selbsten / ein Herr und Regierer Himmels und der Erden / sich so fast gedemütiget / under dieser Gestalt deß Brots verborgen / sich uns zu Gutem gegeben.

Betrachtet O ihr Brüder / so tieffe Demut / und erweichet vor seiner Göttlichen Maiestät ewere Hertzen / auff daß an allen denen Orten / da die Brüder seyn / nit mehr als ein Meß (ob wol mehr Priester verhanden) deß Tags gehalten werde / unnd sich die andern solche zuhören vernügen / dann ob er gleichwol an vilen Orten gesehen / so ist er doch ein einiger / unzertheylter / wahrer Gott und Mensch / also kann er in einer Meß so wol als mehreren seine heyligste Gnad / allen Gegenwärtigen und Abwesenden / so sich darzu würdigen / communicieren / solches ein einiger Gott / Vatter / Sohn und heyliger Geist würckend. Amen.

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