ETIKA

FRANZISKUS VON ASSISI

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23.8.2015

12F3245

Empfangt den Leib Christi nicht unwürdig

Der Cronicken der mindern Brüder, das ander Buch, Konstanz 1603

Von etlichen Lehren  / so von dem heyligen Vatter Francisco inn Schrifft verlassen worden.

Von dem Glauben / und Erkantnus Christi unsers Erlösers / unnd dem heyligen Sacrament.

Cap. 45.

ALlen Christen / Ordensleuten / Geistlichen / Weltlichen / Mann und Weibs Personen der gantzen Welt / wünscht Bruder Franciscus ihrer Knecht und Underthan in aller Reverentz und Ehrerbietung / in Gott dem Herren / den wahren himlischen Friden.

Gleich wie ich ewer aller Diener bin / also bleib ich allen zudienen / unnd das lieblichste Wort meines Herren und Heylands Christi Jesu / zu administrieren schuldig.

Derhalben als ich in meiner Seelen betrachte / daß ich wegen Vile der Kranckheiten / mit denen ich beladen / euch (wie gern ich wolte) persönlich nit besuchen kan / also hab ich solches durch Schreiben zuverrichten / und euch in Schrifft das Wort Christi Jesu / welches da ist das Wort deß ewigen Vatters / sambt dem Wort des heyligen Geists ( welche Geist unnd Leben seynd) zu administrieren mich entschlossen.

Bericht euch derhalben liebe Brüder / daß ihr mit allem möglichisten Fleiß / ewere Sünden dem Priester beychten / und von desselben Hand / den wahren Leib unnd Blut Jesu empfahen wöllet / dann wie der Herr sagt  (Joan. 6.) : Welcher mein Fleisch nit isset / unnd mein Blut nit trincket / der wirdt kein Leben inn ihme haben.

Lasset uns derhalben selbst befleissen und berüffen / ein solche und hohe Maiestät / würdigklich zu empfahen / seytemal der solches unwürdig empfahet / der empfahet an Statt deß Heyls / das Gericht unnd den Todt. (I. Cor. 11.)

Nach disem ermahne ich euch die heyligen Kirchen offt zubesuchen / und die Priester zu ehren / nit sovil ihrer Person halber / wann sie auch Sünder seynd / als wegen der Reverentz und Ansehen deß Ambts / und Würde so sie tragen / daß sie Außspender und Diener seynd deß kostbarlichen Leibs und Bluts unsers Heylandts und Erlösers Christi  Jesu / welcher von ihnen auff dem Altar gewandlet / empfangen / unnd euch außgespendet wirdt / und ohn welchen niemandts die Seligkeit erlangen mag / welcher durch die heylige / von ihnen außgesprochne / verkündte und ministrierte Wort / von Himmel herab auf Erden kommet / und solches niemandt anders / als sie verrichten könden / O wie selig und gebenedeyt seynd die jenigen / welche nach dem H. Evangelio / (Matt. 15.) Gott den Allmächtigen / auß gantzem Hertzen / gantzer Seelen / unnd allen ihren Kräfften / unnd den Nächsten wie sich selbsten lieben.

Ich lade und berüffe euch alle Brüder und Schwestern / zu diser heyligen Liebe / lasset uns alle mit reynem Affect und Neigung unsers Hertzen / einhelligklich Gott den Herren lieben und anbetten / seytemal dises das jenig / so er uber alles von uns begert / und befilcht / wie er selbsten sagt: (Ioan. 4.): Die wahrhafftigen Anbetter / betten Gott in Geist und Wahrheit an / und die ihn anbetten / die müssen ihne der Gestalt anbetten.

 

Anmerkung: Heyland einmal so geschrieben, einmal Heylandt. Einmal heißt es himlisch, dann wieder Himmel. Der Abschreiber bemüht sich um Sorgfalt.

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