ETIKA

FRANZISKUS-CHRONIK

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9.10.2001 – 18.10.2015

12F3271

Wie die Seele des Franziskus gen Himmel zu fahren gesehen worden

Der Cronicken der mindern Brüder, das ander Buch, Cap. 71, S, Bonaventura, 1603

Wie die Seel deß glorificierten Vatters Francisci / gen Himmel zufahren gesehen worden.

Dise heyligiste Seel / hat nit erwunden / inn der Auffahrung zu der Glori / sich etlichen zu erzeigen.

Dann Bruder Angelus / ein heyliger Religios / selbiger Zeit Minister der Neapolitanischen Provintz und tödtlich kranck / sahe die Seel deß Heyligen / und ob er gleichwol zwen Tag die Sprach verloren / unnd nit mehr geredet / fienge er doch laut an zu schreyen:

Warte auff mich Vatter / warte auff mich / dann ich zeuhe mit dir / und als er von den Brüdern / was diß bedeutet / befragt war / sagt er / sehet ihr nit daß unser heyliger Vatter Franciscus / gleich jetzo zu der Glori deß Paradeiß auffahrt / gabe mit diser Red die Seel GOTT auff / und folget seinem heyligisten Vatter.

Als der Bischoff von Assisi / auff dem Berg Guargano / die Kirchen deß Ertzengels S. Michaels zu besuchen / Kirchfahrten gezogen / ist ihme der heylige Franciscus / eben in derselbige Nacht / als er gestorben / erschinen / unnd gesagt: Wisse Herr / daß ich an jetzo die Welt verlasse / und in den Himmel auffahre. Darumben der Bischoff (als er Morgens auffgestanden) allen den seinigen gesagt / der H. Franciscus wäre den Abend zuvor gestorben / welches wahr gefunden worden.

Bruder Christoffen (welcher bey dem Capitel zu Arli in Franckreich / als der heylig Antonius von Padua geprediget / und S. Franciscus noch bey seinem Leben creutzweiß in den Lüfften erschinen / der Zeit aber in Italia ware) ist der glorificierte Abschid deß Vatters Francisci / auff folgende Weiß auch geoffenbaret worden.

Als diser ehrwürdige Vatter / inn dem Flecken Marulo / deß Carducensischen Bisthumbs war / geduncket ihne im Schlaff / wie daß er vor dem Thor eines Hauß / darinne der heylige Franciscus kranck läge / sich befande / unnd als er gerufft / auß Befelch deß heyligen Vatters eingelassen worden / als er nun in sein Gegenwärtigkeit gelangt / hatte er die Benediction von ihme begert / darauff ihme der heylige Vatter solche gütigklichen ertheylt / als er aber von ihme scheiden wöllen / zu ihme gesagt: Mein Sohn / widerkehre inn dein Provintz / unnd sage meinen Brüdern / ich habe den Lauff meines Lebens vollendet / und abscheide an jetzo zu dem Himmel.

Welche Vision / als Bruder Christoff / Morgens den Brüderern erzehlet / ist hernach gefunden worden / daß eben inn selbiger Stund der heylige Vatter Franciscus auß disem Leben verscheiden.

Ein anderer seines Ordens Religios / der selbige gantze Nacht in höchster Contemplation unnd Betrachtung gestanden / hat den heyligisten Diacon Christi / mit einem sehr reichen Leviten Rock bekleidet / mit einer grossen Anzahl Seelen so ihme in den Himmel nachfolgten beleitet / gesehen / welche (wie Gottseligklich zu glauben) durch die Verdienst deß heyligen Vatters auß dem Fegfeur entlediget worden.

Gar seine liebste Vögel (die Lerchen) haben sich in der Stund seines Abscheids / seiner Seligkeit erfrewt / seytemal sie in aller Frü / in grosser Anzahl / auff dem Tach der Zellen / da er gestorben war / erschinen / unn mit wunderlicher ungewohnlicher Liebligkeit deß Gesangs / vil Stund / das Lob ihres glorificierten Heyligen gehalten und gesungen.

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