|
ETIKA |
FRANZISKUS-CHRONIK |
www.etika.com |
|
12F3271 |
Wie
die Seele des Franziskus gen Himmel zu fahren gesehen worden |
Der Cronicken der mindern Brüder, das ander Buch, Cap. 71, S, Bonaventura, 1603 |
Wie die Seel deß glorificierten
Vatters Francisci / gen Himmel zufahren gesehen worden.
Dise
heyligiste Seel / hat nie erwunden / inn der Auffahrung zu der Glori / sich
etlichen zu erzeigen.
Dann
Bruder Angelus / ein heyliger Religios / selbiger Zeit Minister der
Neapolitanischen Provintz und tödtlich kranck / sahe die Seel deß Heyligen /
und ob er gleichwol zwen Tag die Sprach verloren / unnd nit mehr geredet /
fienge er doch laut an zu schreyen:
Warte
auff mich Vatter / warte auff mich / dann ich zeuhe mit dir / und als er von
den Brüdern / was diß bedeutet / befragt war / sagt er / sehet ihr nit daß
unser heyliger Vatter Franciscus / gleich jetzo zu der Glori deß Paradeiß auffahrt
/ gabe mit diser Red die Seel GOTT auff / und folget seinem heyligisten Vatter.
Als
der Bischoff von Assisi / auff dem Berg Guargano / die Kirchen deß
Ertzengels S. Michaels zu besuchen / Kirchfahrten gezogen / ist ihme der
heylige Franciscus / eben in derselbige Nacht / als er gestorben / erschinen /
unnd gesagt: Wisse Herr / daß ich an jetzo die Welt verlasse / und in den
Himmel auffahre. Darumben der Bischoff (als er Morgens auffgestanden) allen den
seinigen gesagt / der H. Franciscus wäre den Abend zuvor gestorben / welches
wahr gefunden worden.
Bruder
Christoffen (welcher bey dem Capitel zu Arli in Franckreich / als der
heylig Antonius von Padua geprediget / und S. Franciscus noch bey seinem Leben
creutzweiß in den Lüfften erschinen / der Zeit aber in Italia ware) ist der
glorificierte Abschid deß Vatters Francisci / auff folgende Weiß auch
geoffenbaret worden.
Als
diser ehrwürdige Vatter / inn dem Flecken Marulo / deß Carducensischen
Bisthumbs war / geduncket ihne im Schlaff / wie daß er vor dem Thor eines Hauß
/ darinne der heylige Franciscus kranck läge / sich befande / unnd als er
gerufft / auß Befelch deß heyligen Vatters eingelassen worden / als er nun in
sein Gegenwärtigkeit gelangt / hatte er die Benediction von ihme begert /
darauff ihme der heylige Vatter solche gütigklichen ertheylt / als er aber von
ihme scheiden wöllen / zu ihme gesagt: Mein Sohn / widerkehre inn dein Provintz
/ unnd sage meinen Brüdern / ich habe den Lauff meines Lebens vollendet / und
abscheide an jetzo zu dem Himmel.
Welche
Vision / als Bruder Christoff / Morgens den Brüderern erzehlet / ist hernach
gefunden worden / daß eben inn selbiger Stund der heylige Vatter Franciscus auß
disem Leben verscheiden.
Ein
anderer seines Ordens Religios / der selbige gantze Nacht in höchster
Contemplation unnd Betrachtung gestanden / hat den heyligisten Diacon Christi /
mit einem sehr reichen Leviten Rock bekleidet / mit einer grossen Anzahl Seelen
so ihme in den Himmel nachfolgten beleitet / gesehen / welche (wie
Gottseligklich zu glauben) durch die Verdienst deß heyligen Vatters auß dem
Fegfeur entlediget worden.
Gar
seine liebste Vögel (die Lerchen) haben sich in der Stund seines
Abscheids / seiner Seligkeit erfrewt / seytemal sie in aller Frü / in grosser
Anzahl / auff dem Tach der Zellen / da er gestorben war / erschinen / unn mit
wunderlicher ungewohnlicher Liebligkeit deß Gesangs / vil Stund / das Lob ihres
glorificierten Heyligen gehalten und gesungen.