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ETIKA D12FA |
FRANZISKUS-CHRONIK |
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12F3281 |
Von der Frau, die sich erhängen wollte |
Der Cronicken der mindern Brüder, das ander Buch, S. 575 f., Ersatznummer 81, 1603 |
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Wie von gedachten Heyligen ein ander Weib so sich erhencken wöllen erlediget worden.
Ein anders seiner gar andächtiges Weib inn dem Königreich Portugall, Sara genant, so uber die Maß ubel von dem Mann geblagt war, dann uber den Ehebruch, so er begienge, war jhrer Wein und Brot zu Hauß nichts anders als Schmachwort und Streich, die kame eines Nachts inn solche Verzweyfflung, daß sie an den Thromen jhrer Kammer einen Strick bande und allbereit den Lätsch, sich daran zu hencken, machte.
Inn deme hört sie starck an der Kammer klopfen und eylends ihr zuzurueffen unnd zusprechen, sie solte auffthun. Als nun sie den Strick verborgen und auffgethan, fande sie zwen Brüder, so sie durch Gottes willen umb die Nachtherberg baten. Als sie nun die, wer sie wären, befragte, sagten sie, daß sie auß frembden Landen Mindere Brüder Franciscus und Antonius genant wären.
Als sie diß hörte, name sie die alsbald zu Herberg auff, sagte, sie wären jr wegen der heyligen Francisci unnd Antonij gar liebe angenembe Gäst, truge jhnen für das best so sie hatte, und legt sie darnach in ein Kammer und liesse von jhrem bösen Fürnemmen selbige Nacht ab:
Die Heyligen aber erschinen zu Mitternacht dem Mann unnd sagten: Zu dir seynd wir von Gott gesandt, an seiner Statt dir zumelden. Daß wann du dich von Sünden nit bekehrest, deine böse Weg verlassest unnd mit deinem Weib unser so gar andächtigen nit fridlich unnd eynig lebest,
so wirst du inn dreyen Tagen sterben und in die Höll begraben werden, seytemal du ein Ursach bist, daß wann wir sie dise Nacht nit erhalten, sie sich selbsten erhenckt hätte.Stehe derhalben alsbald auff, und dessen zu einem Zeichen begere an sie den Strick, daran sie sich erhencken wöllen. Von welchen Worten der arme Mann allerdings erschrocken unnd berewet, alsbald das Weib in dem Hauß zu besuchen gangen, welche als sie auffgestanden unn daß die Brüder nit mehr vorhanden sahe, und wie sie auß dem Hauß kommen mögen, weil sie die Schlüssel an der Seiten hatte, betrachtet, eylet sie mit großem Schrecken dem Mann auffzuthun.
Unnd als sie den Strick, daran sie selbe Nacht sich erhencken wöllen, so demütig jn von jr begeren hörte, wußte sie nichts zu sagen, darüber jhr Mann den gantzen Verlauff unnd wie sie von den heyligen Francisco und Antonio erlediget worden erzelt, und von selber Stund an mit jhr heylig und fridlich gelebt.
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