ETIKA

FRANZISKUS-CHRONIK

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14.12.1998 – 15.11.2015

12F3281

Von der Frau, die sich erhängen wollte

Der Cronicken der mindern Brüder, das ander Buch, S. 575 f., Ersatznummer 81, 1603

Wie von gedachten Heyligen / ein ander Weib so sich erhencken wöllen / erlediget worden.

EIn anders seiner gar andächtiges Weib / inn dem Königreich Portugall / Sara genant / so uber die Maß ubel von dem Mann geblagt war / dann uber den Ehebruch / so er begienge / war ihrer Wein und Brot / zu Hauß nichts anders / als Schmachwort / und Streich /

die kame eines Tags inn solche Verzweyfflung / daß sie an den Thromen ihrer Kammer / einen Strick bande / und allbereit den Lätsch / sich daran zu hencken / machte / inn deme hört sie starck an der Kammer klopffen / und eylends ihr zuzurüffen unnd zusprechen / sie solte auffthun / als nun sie den Strick verborgen / und auffgethan / fande sie zwen Brüder / so sie durch Gottes willen / umb die Nachtherrberg baten / als sie nun die wer sie wären befragte / sagten sie / daß sie auß frembden Landen / Mindere Brüder Franciscus / und Antonius genant wären /

als sie diß hörte / name sie die alsbald zu Herrberg auff / sagte sie wären ir wegen der heyligen Francisci unnd Antonij / gar liebe angenembe Gäst / truge ihnen für das best so sie hatte / und legt sie darnach in ein Kammer / und liesse von jhrem bösen Fürnemmen selbige Nacht ab:

Die Heyligen aber erschinen zu Mitternacht dem Mann / unnd sagten: Zu dir seynd wir von Gott gesandt / an seiner Statt dir zumelden. Daß wann du dich von Sünden nit bekehrest / deine böse Weg verlassest / unnd mit deinem Weib unser so gar andächtigen nit fridlich / unnd eynig lebest / so wirst du inn dreyen Tagen sterben / und in die Höll begraben werden / seytemal du ein Ursach bist / daß wann wir sie dise Nacht nit erhalten / sie sich selbsten erhenckt hätte /

stehe derhalben alsbald auff / und dessen zu einem Zeichen / begere an sie den Strick / daran sie sich erhencken wöllen.

Von welchen Worten der arme Mann allerdings erschrocken unnd berewet / alsbald das Weib in dem Hauß zubesuchen / gangen / welche als sie auffgestanden / unn daß die Brüder nit mehr verhanden / sahe / und wie sie auß dem Hauß kommen mögen / weil sie die Schlüssel an der Seiten hatte / betrachtet / eylet sie mit großem Schrecken dem Mann auffzuthun /

unnd als sie den Strick / daran sie selbe Nacht sich erhencken wöllen /  so demütig in von ir begeren hörte / wußte sie nichts zu sagen / darüber ihr der Mann den gantzen Verlauff / unnd wie sie von den heyligen Francisco und Antonio erlediget worden / erzehlt / und von selber Stund an / mit ihr heylig und fridlich gelebt.

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