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ETIKA
D12FA |
FRANZISKUS-CHRONIK |
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12F3283 |
Wie
Franziskus in Gegenwart des richtenden Herrn über seine Brüder urteilte |
Der Cronicken
der mindern Brüder, das ander Buch, Konstanz 1603, S. 578 f., Ersatznummer 83 |
Wie der heylige Franciscus inn
Gegenwärtigkeit deß richtenden Herrens welche seine Brüder wären oder nit zu
unterscheiden in einem Gesicht sich erzeigt hat.
In
den ersten Zeiten deß Ordens / hat sich ein erschröcklicher / diser Materi
gleichender Casus, in dem Königreich Engelland zugetragen.
Es
war ein Münch S. Francisci Ordens / hoch in den Betrachtungen / und durch die
Verdienst seines Gebetts / vilmaln verzuckt.
Under
welchen einsmals / als ihn der Minister also einen gantzen Tag / stets
weinend sahe / ihne befragte / und sagte: Bruder ich befihle dir in Krafft
der heyligen Gehorsame / daß du wider zu dir selbst kommest / als der Bruder
das Wort Gehorsame gehört / erholte er sich alsbald / ward nach Notturfft
gespeiset / und als er sich ergetzt / und gestärckt / ward ihme von dem
Minister anbefohlen:
Er
solte das jenig so er gesehen / unnd die Ursach warumben er so heiß geweinet /
anmelden / so doch sonsten in den Verzuckungen / der Mensch Freud und Trost
gemeinigklich empfienge / der Bruder durch das Gebott deß Ministers bezwungen /
antwortet und sagt:
Ich
sahe (Vatter) unsern Heyland Christum Jesum / auff einem hohen Thron mit
unglaublicher Maiestät / sambt der gantzen himlischen Ritterschafft / zu
Gericht sitzen / dahin zugleich allerley Geschlecht der Menschen kamen / und
(daß ich doch nimmer glaubt) vil Priester unnd Münch / zu sambt den Weltlichen
verdammen / under welchen ich einen unserer Brüder
mit zartem Thuch bekleidet / daher kommen sahe / welcher / as er wz
Ordens er wäre befragt / sich einen Minderen Bruder S. Francisci Ordens nente /
der höchste Richter aber wendte sich zu unserm heyligen Vatter / so darbey ware
/ und fragte / ob diser Bruder der seinigen wäre / deme antwortet er / er
wäre gar nit der seinigen / dannn selbige trugen nit so zarte / sonder schlechte / ringe und geflickte Kleidung.
Auff
welche Wort der Armselige alsbald in die Höllen
gestürtzt worden.
Nach
disem / als ein anderer mit grossem weltlichen
Anhang beleitet kame / kundte ihne der heylige Vatter gleichfahls
nit für der seinen erkennen / sagende / seine Brüder erhielten sich in dem
Gebett / und anderen geistlichen Ubungen / bekummerten sich der eyteln /
weltlichen Practicken nichts nit / der ward ebenmässig
verdambt.
Gleichfahls
geschahe auch dem dritten / weil er mit einer grossen Anzahl sorgfältiger / uberflüssiger Bücher daher kame.
Nach
solchem liesse sich einer zu stattlichen Gebäwen wolerfahrner sehen / der ward
zu einem Baumeister inn Abgrund der Höllen
verstossen.
Letstlich
kame gar ein Armer / ubel bekleidter /
und zerlumpter herzu / füle demütigklich auff die Knie / bekente sich einen
Sünder / deß Lebens unwürdig / und rueffte
allein die Barmhertzigkeit Gottes an / diser ware von dem heyligem
Vatter freundtlich umpfangen / und in das
Paradeiß geführt / unnd sprache der heylige Vatter zu dem Herren /
diser ist mein Bruder einer.
Mit
disem hat sich die Vision geendet / unnd diß ist die Ursach meines Weinens.
Anmerkung:
Die Schüler der Apostel der letzten Zeiten dünkt das Fernsehen im Kloster,
sprich das Anschauen verführerischer Bilder zum Beispiel bei der Werbung vor
den Nachrichten, noch schlimmer als das Tragen von "zartem Thuch".
Und wer fühlt sich bei dem dritten Fall - man denke auch an Videos, Musik,
Computer - nicht selbst tief betroffen?
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