ETIKA D12FA

FRANZISKUS-CHRONIK

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12.7.2003 -29.11.2015

12F3283

Wie Franziskus in Gegenwart des richtenden Herrn über seine Brüder urteilte

Der Cronicken der mindern Brüder, das ander Buch, Konstanz 1603, S. 578 f., Ersatznummer 83

Wie der heylige Franciscus inn Gegenwärtigkeit deß richtenden Herrens / welche seine Brüder wären oder nit / zu unterscheiden / in einem Gesicht sich erzeigt hat.

IN den ersten Zeiten deß Ordens / hat sich ein erschröcklicher / diser Materi gleichender Casus, in dem Königreich Engelland zugetragen.

Es war ein Münch S. Francisci Ordens / hoch in den Betrachtungen / und durch die Verdienst seines Gebetts / vilmaln verzuckt.

Under welchen einsmals / als ihn der Minister also einen gantzen Tag / stets weinend sahe / ihne befragte / und sagte: Bruder ich befihle dir in Krafft der heyligen Gehorsame / daß du wider zu dir selbst kommest / als der Bruder das Wort Gehorsame gehört / erholte er sich alsbald / ward nach Notturfft gespeiset / und als er sich ergetzt / und gestärckt / ward ihme von dem Minister anbefohlen:

Er solte das jenig so er gesehen / unnd die Ursach warumben er so heiß geweinet / anmelden / so doch sonsten in den Verzuckungen / der Mensch Freud und Trost gemeinigklich empfienge / der Bruder durch das Gebott deß Ministers bezwungen / antwortet und sagt:

Ich sahe (Vatter) unsern Heyland Christum Jesum / auff einem hohen Thron mit unglaublicher Maiestät / sambt der gantzen himlischen Ritterschafft / zu Gericht sitzen / dahin zugleich allerley Geschlecht der Menschen kamen / und (daß ich doch nimmer glaubt) vil Priester unnd Münch / zu sambt den Weltlichen verdammen / under welchen ich einen unserer Brüder mit zartem Thuch bekleidet / daher kommen sahe / welcher / als er wz Ordens er wäre befragt / sich einen Minderen Bruder S. Francisci Ordens nente / der höchste Richter aber wendte sich zu unserm heyligen Vatter / so darbey ware / und fragte / ob diser Bruder der seinigen wäre / deme antwortet er / er wäre gar nit der seinigen / dannn selbige trugen nit so zarte / sonder schlechte / ringe und geflickte Kleidung.

Auff welche Wort der Armselige alsbald in die Höllen gestürtzt worden.

Nach disem / als ein anderer mit grossem weltlichen Anhang beleitet kame / kundte ihne der heylige Vatter gleichfahls nit für der seinen erkennen / sagende / seine Brüder erhielten sich in dem Gebett / und anderen geistlichen Ubungen / bekummerten sich der eyteln / weltlichen Practicken nichts nit / der ward ebenmässig verdambt.

Gleichfahls geschahe auch dem dritten / weil er mit einer grossen Anzahl sorgfältiger / uberflüssiger Bücher daher kame.

Nach solchem liesse sich einer zu stattlichen Gebäwen wolerfahrner sehen / der ward zu einem Baumeister inn Abgrund der Höllen verstossen.

Letstlich kame gar ein Armer / ubel bekleidter / und zerlumpter herzu / füle demütigklich auff die Knie / bekente sich einen Sünder / deß Lebens unwürdig / und rüffte allein die Barmhertzigkeit Gottes an / diser ware von dem heyligem Vatter freundtlich umbfangen / und in das Paradeiß geführt / unnd sprache der heylige Vatter zu dem Herren / diser ist mein Bruder einer.

Mit disem hat sich die Vision geendet / unnd diß ist die Ursach meines Weinens.

Anmerkung: Die Schüler der Apostel der letzten Zeiten dünkt das Fernsehen im Kloster, sprich das Anschauen verführerischer Bilder zum Beispiel bei der Werbung vor den Nachrichten, noch schlimmer als das Tragen von "zartem Thuch". Und wer fühlt sich bei dem dritten Fall - man denke auch an Videos, Musik, Computer - nicht selbst tief betroffen?

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