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ETIKA |
FRANZISKUS-CHRONIK |
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12F3312 |
Wunderzeichen Gottes an Kindern |
Der Cronicken der mindern Brüder, 3. Buch,
Cap. 12, Bruder Bartholomeo von Pisa, 1603. S. 6222-624 |
Das dritte Buch
Von anderen
dergleichen zu Hilff der Kinder erzeigten Wunderzeichen.
Cap. 12.
Eines Edelmanns von Carvio Haußfrawen / Juliana genant / starben alle ihre Kinder / gleich wann sie erwachsen waren / lebte derhalben in grosser Betrübnus / beklagte sich ohne Underlaß ihres Unfalls / daß sie bißher die Kinder allein zu der Begrebnus aufferzogen hätte:
Dero begegnet / daß als sie vier Monat schwanger / und wegen der vor beschehenen Todtfäll / mehr auff die Begrebnus / dann die Geburt deß in ihrem Leib empfangnen Kinds gedachte / bate sie den heyligen Franciscum umb Erhaltung deß Lebens dessen so noch nit geboren ware.
Darauff erschine ihr in einer Nacht als sie schlieffe / ein Weibsbild / ein uberauß schönes Kindlein an dem Arm tragende / die ihr solches reichte / sie aber selbes bald zu verlieren besorgende / verweigert sichs zu empfahe.
Das Weib aber tröstet sie / und sagte:
Empfahe es sicherlich / dann es dir von dem gebenedeyten Vatter Francisco dem Tröster der Betrübten zugesandt wirdt / unn glaube vestigklich / daß es nit wie die anderen sterben / sonder leben / und du grossen Trost wegen seines Heyls empfahen wirdest.
Als sie erwacht / unnd diese himlische Erscheinung zu Gemüt geführt / erzeigte sie sich hernacher frölicher biß zu der Zeit der Geburt / d / (sic) sie ein schön / gesund / vollkommen Knäblein gebare / an welchem gleich wie es durch die Fürbitt deß heyligen Vatters auff die Welt geboren / also auch die Tugenten und Verdienst dermassen wuchsen und zunamen / daß es auch die Elteren Geistlich zu leben / Christo Jesu zu dienen / und seine glorificierten Heyligen / in sonderheit ihren Tröster den heyligen Vatter Franciscum / mit grossem Eyffer zu ehren und zu preysen bewegte.
In der Stadt Tivoli ist ein gleiches Wunderzeichen gesehen worden.
Ein Weib so vil Töchteren nach einander geboren / und höchlich ein Knäblein zu haben begerte / unnd derhalben höchlich bettete / unnd den heyligen Franciscum umb Fürbitt anrueffte.
Die warde schwanger / erlangte dopplierte Gnad / unnd gebare zwen Söhn / dardurch sie höchlich erfrewet / dem Erschaffer / sambt seinem grossen Diener Francisco unendtlichen Lob und Danck gesagt.
Nahent bey der Statt Viterbo / war ein schwanger und der Geburt nähig Weib / dise war wegen allerley Zufäll und Ohnmachten / so ir stundtlich zufielen / gleich für todt geachtet / war mit denen Schmertzen und Gedancken / so den Frawen inn dergleichen Nöhten zustehen / höchlich behelliget / unnd als gleich die Natur unnd Kräfften uberwunden / und alle menschliche Hilff vergebens unnd umb sonst / ruefft sie den heyligen Franciscum andächtigklich umm Hilff an / und befahle sich ime mit solchem Glauben / daß sie wunderlicher Weiß entlediget / die Schmertzen nachgelassen / mit Freuden ein schönes Knäblein geboren / unnd widerumb gesund warde.
Nit lang hernach / als sie der empfangnen Gutthat vergasse / dem Heyligen die gebürende Ehr nit gabe / unnd dessen Fest herzu nahete / und sie an Statt deß Fastens und Gebetts / anderen schlechten Ubungen unnd Arbeiten oblage / verdorret ihr durch Verhengnus Gottes / zu Straff der erzeigten Undanckbarkeit / gleich selben Tag der rechte Arm:
Unnd war der gerechte Zorn Gottes nit ersättiget / sonder als sie solchen / der als ein erstorben Glid hangete / mit dem anderen auffzuheben begerte / befande sich derselbig gleichfalls außgedorret.
Dannenhero sie inn grosser Trübsal stunde /erkente / unn berewete den begangen Irrthumb / versprache mit Göttlicher Hilff eine solche Besserung / daß die verlorne Empfindtligkeit der Armen / ihrer wahren Rew und Leyd wegen / durch die Verdienst der Demut deß heyligen Vatters Francisci / von Gott ihr wider gegeben.
Darauß zu sehen / wie hoch die Undanckbarkeit von Gott unserem Herren gestrafft / und der wahre Büsser in sein Genad widerumb angenommen werde.
Ein ander Weib deß Lands Arezo inn Toscana / so mit grosser Pein siben Tag an einander die Schmertzen der Geburt gelitten / und von der Grösse des Wehetagens aller erschwartzet/ und inn dem Angesicht ungestalt worden / verlobt sich / als sie irer Entledigung gleichsam verzweifflet / mehr mit Hertzen als dem Mund dem heyligen Francisco / begert mit solchem Vertrawen / Glauben und Hoffnung seiner Hilff / also dz sie entschlaffen.
In dem Schlaff sahe sie disen ihren Fürsprecher / so sie freundtlich befragte / ob sie ihn kennete / und als sie von Ja geantwortet / ihr das Salve Regina zu betten anbefahle / dann ehe sie das vollenden wurde / so wurde sie auch geberen.
In diesem Gespräch erwachte das Weib / fienge an mit grosser Hoffnung das Salve zu betten unnd als sie die Wort / Illos tuos misericordes oculos ad nos converte, sprache / gebare sie alsbald ein schön Knäblein / sagte der Himmelkönigin und Mutter der Barmhertzigkeit groß Lob / Ehr unn Danck / welche durch die Verdienst deß heyligen Vatters ir gefallen lassen / sich ir zu erbarmen / und in dieser eusserster Noht und Gefahr zu trösten / und darauß zu erledigen.
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