ETIKA

FRANZISKUS-CHRONIK

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13.5.2004 – 20.12.2015

12F3312

Wunderzeichen Gottes an Kindern

Der Cronicken der mindern Brüder, 3. Buch, Cap. 12, Bruder Bartholomeo von Pisa, 1603. S. 622-624

 

Das dritte Buch
Von anderen dergleichen zu Hilff der Kinder erzeigten Wunderzeichen.
Cap. 12.

Eines Edelmanns von Carvio Haußfrawen / Juliana genant / starben alle ihre Kinder / gleich wann sie erwachsen waren / lebte derhalben in grosser Betrübnus / beklagte sich ohne Underlaß ihres Unfalls / daß sie bißher die Kinder allein zu der Begrebnus aufferzogen hätte:

Dero begegnet / daß als sie vier Monat schwanger / und wegen der vor beschehenen Todtfäll / mehr auff die Begrebnus / dann die Geburt deß in ihrem Leib empfangnen Kinds gedachte / bate sie den heyligen Franciscum umb Erhaltung deß Lebens dessen so noch nit geboren ware.

Darauff erschine ihr in einer Nacht als sie schlieffe / ein Weibsbild / ein uberauß schönes Kindlein an dem Arm tragende / die ihr solches reichte / sie aber selbes bald zu verlieren besorgende / verweigert sichs zu empfahen.

Das Weib aber tröstet sie / und sagte:

Empfahe es sicherlich / dann es dir von dem gebenedeyten Vatter Francisco dem Tröster der Betrübten zugesandt wirdt / und glaube vestigklich / daß es nit wie die anderen sterben / sonder leben / und du grossen Trost wegen seines Heyls empfahen wirdest.

Als sie erwacht / unnd diese himlische Erscheinung zu Gemüt geführt / erzeigte sie sich hernacher frölicher biß zu der Zeit der Geburt / d / (sic) sie ein schön / gesund / vollkommen Knäblein gebare / an welchem gleich wie es durch die Fürbitt deß heyligen Vatters auff die Welt geboren / also auch die Tugenten und Verdienst dermassen wuchsen und zunamen / daß es auch die Elteren Geistlich zu leben / Christo Jesu zu dienen / und seine glorificierten Heyligen / in sonderheit ihren Tröster den heyligen Vatter Franciscum / mit grossem Eyffer zu ehren und zu preysen bewegte.

In der Statt Tivoli ist ein gleiches Wunderzeichen gesehen worden.

Ein Weib so vil Töchteren nach einander geboren / und höchlich ein Knäblein zu haben begerte / unnd derhalben höchlich bettete / unnd den heyligen Franciscum umb Fürbitt anrüffte.

Die warde schwanger / erlangte dopplierte Gnad / unnd gebare zwen Söhn / dardurch sie höchlich erfrewet / dem Erschaffer / sambt seinem grossen Diener Francisco unendtlichen Lob und Danck gesagt.

Nahent bey der Statt Viterbo / war ein schwanger und der Geburt nähig Weib / dise war wegen allerley Zufäll und Ohnmachten / so ir stundtlich zufielen /  gleich für todt geachtet / war mit denen Schmertzen und Gedancken / so den Frawen inn dergleichen Nöhten zustehen / höchlich  behelliget / unnd als gleich die Natur unnd Kräfften uberwunden / und alle menschliche Hilff vergebens unnd umb sonst / rüfft sie den heyligen Franciscum andächtigklich umb Hilff an / und befahle sich ime mit solchem Glauben / daß sie wunderlicher Weiß entlediget / die Schmertzen nachgelassen / mit Freuden ein schön Knäblein geboren / unnd widerumb gesund warde.

Nit lang hernach / als sie der empfangnen Gutthat vergasse / dem Heyligen die gebürende Ehr nit gabe / unnd dessen Fest herzu nahete / und sie an Statt deß Fastens und Gebetts / anderen schlechten Ubungen unnd Arbeiten oblage / verdorret ihr durch Verhengnus Gottes / zu Straff der erzeigten Undanckbarkeit / gleich selben Tag der rechte Arm:

Unnd war der gerechte Zorn Gottes nit ersättiget / sonder als sie solchen / der als ein erstorben Glid hangete / mit dem anderen auffzuheben begerte / befande sich derselbig gleichfalls außgedorret.

Dannenhero sie inn grosser Trübsal stunde / erkente / und berewete den begangen Irrthumb / versprache mit Göttlicher Hilff eine solche Besserung / daß die verlorne Empfindtligkeit der Armen / ihrer wahren Rew und Leyd wegen / durch die Verdienst der Demut deß heyligen Vatters Francisci / von Gott ihr wider gegeben.

Darauß zu sehen / wie hoch die Undanckbarkeit von Gott unserem Herren gestrafft / und der wahre Büsser in sein Genad widerumb angenommen werde.

Ein ander Weib deß Lands Arezo inn Toscana / so mit grosser Pein siben Tag an einander die Schmertzen der Geburt gelitten / und von Grösse deß Wehetagens aller erschwartzet/ und inn dem Angesicht ungestalt worden / verlobt sich / als sie irer Entledigung gleichsam verzweifflet / mehr mit Hertzen als dem Mund dem heyligen Francisco / begert mit solchem Vertrawen / Glauben und Hoffnung seiner Hilff / also dz sie entschlaffen.

In dem Schlaff sahe sie disen ihren Fürsprecher / so sie freundtlich befragte / ob sie ihn kennete / und als sie von Ja geantwortet / ihr das Salve Regina zu betten anbefahle / dann ehe sie das vollenden wurde / so wurde sie auch geberen.

In diesem Gespräch erwachte das Weib / fienge an mit grosser Hoffnung das Salve zu betten: unnd als sie die Wort / Illos tuos misericordes oculos ad nos converte, sprache / gebare sie alsbald ein schön Knäblein / sagte der Himmelkönigin und Mutter der Barmhertzigkeit groß Lob / Ehr uns Danck / welche durch die Verdienst deß heyligen Vatters ir gefallen lassen / sich ir zu erbarmen / und in dieser eusserster Noht und Gefahr zu trösten / und darauß zu erledigen.

 

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