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FRANZISKUS-CHRONIK

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12.7.2003 -24.12.2015

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Heilung von Blinden

Der Cronicken der mindern Brüder, 3. Buch, Cap. 13, Bruder Bartholomeo von Pisa, 1603. S. 625f.

 

Von den Blinden / so durch die Krafft dises heyligen Vatters das Gesicht wider erlanget.

Cap. 13.

Zu Neaples in dem Convent der Minderen Brüder / war ein Bruder Robertus genant / welcher vil Jar blind / und ime ein Ubergewächs von Fleisch in den Augen gewachsen ware / also daß er die Augenlider nit mehr brauchen köndte.

Als nun in gedachtem Convent vil Brüder auß underschidlichen Orten der Welt zu sammen kamen / wolte der heylige Vatter Franciscus (auff daß er die zu fürgenomner Reiß desto behertzter machte) disem blinden Bruder in ihrem Beysein auff solche Weiß helffen.

Als einer Nacht gedachter Bruder tödtlich kranck ware / unnd sein Seel allberit (sic) Gott befohlen hatte / erschine ihme der heylig Franciscus  / sambt dreyen seiner geliebten Ordens Gesellen / dem heyligen Antonio genant von Padua / Bruder Augustino / unnd Bruder Jacoben von Assisi / name ein Messer / und schnitte ihme das Ubergewächs deß Fleischs auß den Augen herauß / gabe ihm das Gesicht wider / und erledigte in zu gleich von der Gefahr deß Todts / und sagte:

Dise Gnad / O Roberte / so ich dir ertheyle / seye ein Zeichen und Gezeugnus den Brüderen / so von hinnen in underschidliche Land verreisen werden / daß ich allezeit vor ihnen hergehen / und ihre Fußstapffen richten wölle / auff daß sie ihre aufferlegte Gehorsame getröst / mit frölichem Hertzen in der Liebe Gottes verrichten mögen.

Nahent Thebe inn dem Römischen Gebiet / als ein blind Weib den Abend deß heyligen Francisci inn Wasser und Brot fastet / führte sie folgenden Morgen der Mann zeitlich in die Kirchen der Minderen Brüder / die Meß zu hören / daselbsten warden ir bey Erhebung  deß heyligisten Sacraments die Augen auffgethan / saht dasselbig klärlich / und bettet es mit höchster / müglichister Andacht an / mit heller Stimm schreyende:

Groß Lob / Ehr und Danck sag ich dir meinem Gott / und dir dem H. Francisco / daß du mir den heyligisten Leib deß Herren zu sehen verlyhen.

Als solches durch das Volck / so allda versamblet / gehört / und gesehen / lobte es Gott / kondte nach Vollendung  der Meß sich nit ersättigen dises Weib / so sie zuvor blind erkent / wegen eines so herrlichen Wunderzeichens anzuschawen / welches als es zu Hauß kommen / mit den Wercken / heylig und Gottesförchtig lebend /  Gott dem Herren / sambt dem heyligen Francisco / unabläßlichen gedancket und gelobet.

In der Römischen Campagna / inn dem Dorff Pofia (oder Posia) war ein vierzehenjäriger Knab dermassen an einem Aug mit Wehetagen beladen / daß es auß seinem Ort herauß getriben / unnd er acht Tag das Wang ubersich (sic) gezogen  müßte halten / wegen der Nerven des Augs / die sich  eines guten Fingers lang erlängert / und das Aug als verdorret herauß hienge / die Artzet auch nit was zu thun wißten / dann abzuschneiden / war die Gefahr zu groß / also daß sie gleichsam verzagten.

Der Vatter aber / d´ gleichsam von Schmertzen verschmachtet / wendet sein Hertz zu Gott / unnd dem heyligen Vatter Francisco / begert mit grossem Vertrawen Hilff / unnd ward gütigklich erhört / dann ohne alle andere Mittel / wunderlicher Weiß dem armseligen Knaben das erdorrete Aug schön unnd klar mit grossen Freuden und Andacht menigklichs / widerumb an das rechte Ort eingesetzt warde.

 

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