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ETIKA
D12FA |
FRANZISKUS-CHRONIK |
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12F3320A |
Wunderzeichen
durch das Zeichen des heiligen Kreuzes, Tau |
Der Cronicken
der mindern Brüder, 3. Buch, Cap. 20 A, 1603 |
Von den Wunderzeichen / von dem heyligen Francisco durch
das Zeichen deß heyligen Creutzes beschehen.
Es
war ein Mann in dem Dorff Choro / deß Bisthumbs Ostia / welcher dermassen die
Krafft unnd Stärcke deß einen Fuß verloren / daß er auff demselben weder gehen
noch stehen / oder den das wenigist von dem einen Ort zu dem anderen bewegen
möchte.
Dannenhero
als er gleich aller menschlichen Hilff und Gesundheit verzweifflet / fienge er
einer Nacht an als ob er inn Gegenwärtigkeit deß heyligen Francisci wäre / mit
ihme zu reden / unnd zu sagen:
O
heyliger Francisce hilffe mir / erinnere dich der Mühe und Fleiß / so ich in
deinem Dienst / als ich dich mit so grosser Andacht auf meinem Eselein geführt
/ gebraucht / deine heylige Händ unnd Füäß hab ich geküsset / und habe allezeit
zu dir grosse Andacht getragen / und liebe dich hertzigklich: Sihe derhalben
wie ich durch disen tödtlichen Schmertzen so hoch gepeiniget wird.
Von
diser billichen und Gottsförchtigen Klag ward der danckbare / unnd empfangner
Wolthaten unvergeßne Vatter beweget / und erschine sambt einem anderen Bruder
dem Freund alsbald / weil er noch wachete / und sagte: Ich komme zu dir /
dieweil du meiner begert / unn bringe dir Mittel dich zu heylen / nahet sich
hinzu / berürt in an dem schmertzhafften Ort mit
einem Stäblein / darauff das Zeichen deß Thau, (eines griechischen
Buchstabens Creutzweuß also gestaltet T) und alsbald eröffnet sich das Apostem
deß Fuß / der Schmertzen liesse nach / und ward völlig geheylet.
Unnd
dises so das Wunderzeichen mehret / war / daß an dem Ort deß Wehetagens zu
Gedechtnus deß Wunderzeichens der Buchstaben T allezeit hernach verblibe.
Dises
war der Sigel / mit welchem der heylig Vatter Franciscus seine Brieff / wann er
seinem Freund einem umb was Werck der Göttlichen Liebe zuschribe / besiglet.
Allhie
ist aber wol zu mercken / daß inn deme wir die underschidliche Wunderzeichen
dises glorificierten heyligen Vatters durchgehen / hat sich durch Göttliche
Fürsehung unn Willen dises unüberwindtlichisten Heerführers / und Fendreichs
deß heyligen Creutzes / dise unsere Histori in dem Thau, einem Zeichen unsers
Heyls geendet: Dann auß disem könden wir abnemmen / daß wie es ihme ein
Erhebung und Erhöhung der Verdiensten zu seinem Heyl / in dem er Christo Jesu /
als sein Held und Ritter nachgefolgt / gewesen: Also es ihme auch / als der mit
Christo allbereit triumphiert / ein starcke unnd veste Zeugnus seiner Ehr und
Glori worden seye.
Dann
dises grosse und wunderliche Mysterium unnd Geheimnus deß Creutzes / inn
welchem die Gaben der Gnaden / die Verdienst deß Lebens / und die Schätz der
Göttlichen Weißheit mit solcher unergründtlichen Tieffe bedeckt / und den
Weltweisen verborgen / waren also vollkommenlich disem Bettler Christi
geoffenbaret / welcher inn seinem gantzen Leben nichtem als den Fußstapffen deß
heyligen Creutzes nachgefolget / noch in anderem dann in der Liebligkeit dises
Creutzes / einigen Wollust gehabt:
Dannenhero
er zu Anfangs seiner Bekehrung / mit dem H. Apostel Paulo wol sagen mögen:
Wölle Gott nit / daß ich mich in anderm rühme / dann allein in dem Creutz Jesu
Christi meines Erlösers unn Seligmachers.
Nit
weniger sagt er hernach wahrhafftig in seiner Regel: Alle die jenigen / die
disen Orden und Regel halten und nachfolgen / uber dieselben wirdt seyn der
Friden / und die Barmhertzigkeit:
Wahrlicher
aber wirt er an seinem End mit dem Apostel könden sagen: Ich trage an meinem
Leib die Wundenmaal Christi Jesu meines Herren. Dannenhero wir dise Worte von
ihme zu hören begeren: Die Gnad Christi Jesu seye mit euch (ihr Brüder) unnd
mit ewerem Geist / Amen.
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