ETIKA

FRANZISKUS-CHRONIK

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12.7.2003 – 27.12.2015

12F3320A

Wunderzeichen durch das Zeichen des heiligen Kreuzes, Tau

Der Cronicken der mindern Brüder, 3. Buch, Cap. 20 A, 1603

Von den Wunderzeichen / von dem heyligen Francisco durch das Zeichen deß heyligen Creutzes beschehen.
Cap. 20.

Es war ein Mann in dem Dorff Choro / deß Bisthumbs Ostia / welcher dermassen die Krafft unnd Stärcke deß einen Fuß verloren / daß er auff demselben weder gehen noch stehen / oder den das wenigist von dem einen Ort zu dem anderen bewegen möchte.

Dannenhero als er gleich aller menschlichen Hilff und Gesundheit verzweifflet / fienge er einer Nacht an als ob er inn Gegenwärtigkeit deß heyligen Francisci wäre / mit ihme zu reden / unnd zu sagen:

O heyliger Francisce hilffe mir / erinnere dich der Mühe und Fleiß / so ich in deinem Dienst / als ich dich mit so grosser Andacht auf meinem Eselein geführt / gebraucht / deine heylige Händ unnd Füß hab ich geküsset / und habe allezeit zu dir grosse Andacht getragen / und liebe dich hertzigklich: Sihe derhalben wie ich durch disen tödtlichen Schmertzen so hoch gepeiniget wird.

Von diser billichen und Gottsförchtigen Klag ward der danckbare / unnd empfangner Wolthaten unvergeßne Vatter bewegt / und erschine sambt einem anderen Bruder dem Freund alsbald / weil er noch wachete / und sagte: Ich komme zu dir / dieweil du meiner begert / und bringe dir Mittel dich zu heylen / nahet sich hinzu / berürt in an dem schmertzhafften Ort mit einem Stäblein / darauff das Zeichen deß Thau, (eines griechischen Buchstabens Creutzweuß also gestaltet T) und alsbald eröffnet sich das Apostem deß Fuß / der Schmertzen liesse nach / und ward völlig geheylet.

Unnd dises so das Wunderzeichen mehret / war / daß an dem Ort deß Wehetagens zu Gedechtnus deß Wunderzeichens der Buchstaben T allezeit hernach verblibe.

Dises war der Sigel / mit welchem der heylig Vatter Franciscus seine Brieff / wann er seinem Freund einem umb was Werck der Göttlichen Liebe zuschribe / besiglet.

Allhie ist aber wol zu mercken / daß inn deme wir die underschidliche Wunderzeichen dises glorificierten heyligen Vatters durchgehen / hat sich durch Göttliche Fürsehung un Willen dises unüberwindtlichisten Heerführers / und Fendreichs deß heyligen Creutzes / dise unsere Histori in dem Thau, einem Zeichen unsers Heyls geendet: Dann auß disem könden wir abnemmen / daß wie es ihme ein Erhebung und Erhöhung der Verdiensten zu seinem Heyl / in dem er Christo Jesu / als sein Held und Ritter nachgefolgt / gewesen: Also es ihme auch / als der mit Christo allbereit triumphiert / ein starcke unnd veste Zeugnus seiner Ehr und Glori worden seye.

Dann dises grosse und wunderliche Mysterium unnd Geheimnus deß Creutzes / inn welchem die Gaben der Gnaden / die Verdienst deß Lebens / und die Schätz der Göttlichen Weißheit mit solcher unergründtlichen Tieffe bedeckt / und den Weltweisen verborgen / waren also vollkommenlich disem Bettler Christi geoffenbaret / welcher inn seinem gantzen Leben nichtem als den Fußstapffen deß heyligen Creutzes nachgefolget / noch in anderem dann in der Liebligkeit dises Creutzes / einigen Wollust gehabt:

Dannenhero er zu Anfangs seiner Bekehrung / mit dem H. Apostel Paulo wol sagen mögen: Wölle Gott nit / daß ich mich in anderm rühme / dann allein in dem Creutz Jesu Christi meines Erlösers und Seligmachers.

Nit weniger sagt er hernach wahrhafftig in seiner Regel: Alle die jenigen / die disen Orden und Regel halten und nachfolgen / uber dieselben wirdt seyn der Friden / und die Barmhertzigkeit:

Wahrlicher aber wirt er an seinem End mit dem Apostel könden sagen: Ich trage an meinem Leib die Wundenmaal Christi Jesu meines Herren. Dannenhero wir dise Worte von ihme zu hören begeren: Die Gnad Christi Jesu seye mit euch (ihr Brüder) unnd mit ewerem Geist / Amen.

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