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ETIKA
D12FA |
FRANZISKUS-CHRONIK |
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12F3320B |
Das beleidigte Bild |
Der Cronicken der
mindern Brüder, 3. Buch, Cap. 20B, Bruder Bartholomeo von Pisa, 1603 |
Dises merckliche Wunderzeichen
der heyligen Wundenmaal / von dem Ehrwürdigen Vatter / Bruder Bartholomeo von
Pisa beschriben / ist allher zu End gesetzt worden / auff daß die jenige von
dem H. Bonaventura beschriben / nit interrumpiert werden.
Es
war ein Münch Prediger Ordens (Anm.: vom rivalisierenden
Dominikanerorden) / der ware dermassen durch den Teuffel verblendt /
daß er nit allein ein Abscheuhen ab dem heyligen Francisco hätte / sonder
möchte ihn auch mit seinen Wunden nit angemahlet sehen. Nun begabe sich / daß
er von seinen Oberen in das Königreich Behem / in ein ires Ordens Kloster zu
residieren abgeordnet warde / in welchem gleich inn dem Refectorio der H.
Franciscus mit seinen heyligen Wundenmaalen angemahlet ware.
Als
nun der Münch dises Gemähl nit ansehen und gedulden möchte / name er ihme für
solche Zeichen außzutilgen.
Und
derhalben als es Nacht worden / und die anderen Brüder sich zu Ruh begeben
hätten / zuhe er alleinig dahin / unnd verstriche mit einem Kolen alle deß
Heyligen Wundenmaal.
Als
er aber Morgens wider inn das Refectorium kame / fande er die mit grosser
seiner Verwunderung und Mißfallen / vil schöner als zuvor / setzte ihme
derhalben für solche in allweg außzutilgen / gienge folgende Nacht wider dahin
/ unnd schabte die mit einem Messer gar fleissig hinwegk.
Als
es aber Tag warde / und er in das Refectorium kame / sahe er selbige heylige
Zeichen vil schöner als ers zuvor / das erst / und ander mal gelassen hatte /
ward derhalben von dem Teuffel gar verblendt / erkente die Krafft des
Wunderzeichens nit / entschlusse sich gleich wütend / solche zukünfftige Nacht
unfelbar gantz und gar wegk zu schleissen.
Als
nun die gewohnliche Stund herzu geruckt / gienge er mit einem zu seiner Arbeit
wol zubereitem Eisen / und fienge an die Wundenmaal nit allein / sonder auch
das gantze Bild deß Heyligen abzuschaben.
Als
er nun zu der Seiten kame / und selbe heylige Wunden außzukratzen anfienge /
spritzte ihme das Blut dermassen in das Angesicht / und den Habitum, (Anmerkung:
Hier ist tatsächlich ein Beistrich gesetzt; wir haben uns bemüht, den Text
unverändert abzuschreiben, mit eventuellen Druckfehlern) daß es
ihme auch die Händ allerdings verblütet.
Derhalben
der armselige Mensch mit grossem Schrecken unn Zitteren uberfallen / als todter
auff den Boden fiele / und nit mehr auffstehen kondte.
Deß
Morgens / als der Bruder auff dem Boden also verblütet / von dem Hüter deß
Refectorij gesehen warde / eylete er dem Prior zu / solches anzuzeigen /
welcher alsbald mit den anderen Brüdern dahin kame / unn den Münch mit grossem
Schrecken und Verwunderen in gedachter Gestalt fande / auch die Ursach dessen
(seytemal ein guter Theyl deß Heyligen Bildnus schon außgetilget) allbereit
erkante.
Was
ihnen aber zu thun / und fürzunemmen / (dieweil das Blut noch alleweil auß der
Seiten abranne / und weder mit Thüchlein / noch Baumwollen zu verstellen wäre)
nit wißten / entschlussen sie sich doch letstlich / in diser ihrer Betrübnus
die Minderen Brüder zu berueffen (eigentlich ü) / unnd
sich mit ihnen zu berahtschlagen.
Als
die nun dahin kamen / unn sich mit einander / was mit dem Münch so auff dem
Boden lage / unn wegen Verstellung deß Bluts / so noch stets der Maur nach
abranne / fürzunemmen seyn möchte / berahtschlagten / entschlussen sie sich
letstlich / das Gebett an die Hand zu nemmen / knieten derhalben einhelligklich
mit aller Demut / müglichister Innbrünstigkeit / unnd starckem Glauben und
Vertrawen für das beleydigte Bild auff den Boden / baten mit hauffigen Zeheren
und Flehen die Göttliche Maiestät / und den glorificierten heyligen Vatter /
sie wolten disem Münch seine verkehrte Boßheit verzeyhen / unnd das
abfliessende Blut stellen.
Welches
Gebett so kräfftig ware / daß weil sie betteten / das Blut sich stelte / unnd
der Münch wider gesund von dem Boden auffstunde / bekente seine Sünd mit
grossem Schmertzen und Rew / verlobte Gott und dem heyligen Francisco / daß er
die Tag seines Lebens / vor seinem Bild / wo ers auch funde / nider knien / und
an den heyligen Wundenmaalen nie mehr zweifflen wolte.
Die
Vätter seines Ordens predigten / verkündten dises Wunderzeichen menigklich /
und zeigten und fürwisen das Blut.
Deß
anderen Tags ward ein Mahler beruefft / das Bild wider zu ergöntzen : als er
dahin geführt warde / fanden sie das Bild gantz / und vil schöner als es vor
niemalen gewesen.
Nach
disem begabe sich diser Münch vil Ort / da der heylige Vatter Franciscus
gewesen / zu besuchen / erzehlte daselbsten was ime begegnet / und verliesse
auff dem Berg Alvernia derselben mit Blut besprengten Thüchlein / wie auch inn
S. Francisci Kloster zu Assisi / welche bey den Heylthumben behalten / und wir
an beyden Orten gesehen haben.
Wolan
nun du glorificierter Heerführer Christi / magst du dich sicherlich in der
Glori deß Creutzes Christi rühmen / dann mit dem Creutz hast du angefangen /
nach der Regel deß Creutzes procediert / unnd letstlich inn dem Creutz geendet
/ unnd zu Gezeugnus deß Creutzes bist du allen Glaubigen / wie hoher Glori du
jetzo in den Himlen seyest / geoffenbaret worden / also daß wir sicherlich den
jenen so auß disem greulichen Egypten außgangen / nachfolgen mügen / dann das rote
Meer / mit dem Holtz deß Creutzes zertheylend / seynd sie die Wüste durchzogen
/ auff daß sie den sterblichen Fluß Jordan / durch disen wunderlichen Trager
dises heyligen Creutzes hinder ihnen lassende / inn das Land der Lebendigen
eingehen möchten: zu welchem heyligen Land wölle uns die sichere Begleitung
unseres Herren Jesu Christi deß gecreutzigten / an der Fürbitt seines heyligen
Dieners / durch die Stapffen nachfolgender Leiter gnädigklich führen / Amen.
Allhie
enden sich die Wunderzeichen deß H. Vatters Francisci / von dem heyligen
Bonaventura beschriben.
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