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ETIKA D12FA |
FRANZISKUS-CHRONIK |
http://www.etika.com 28.9.1999 |
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Die Himmelsleiter baut auf der Selbstverachtung auf |
Der Cronicken der mindern Brüder, 3. Buch, Cap. 21, 1603 |
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Ein Tractat / wie der glorificierte Vatter Franciscus zu der vollkomnen Betrachtung auffgestigen.
Gar treulich und nutzlich gedunckt uns allhie zu seyn / so wol zu mehrerem unnd wahrerem Verstand der vollkommenlichen Betrachtung und Vereinigung mit Gott / deß glorificierten Vatters Francisci / als zu Hilff unn Wolfahrt der Seelen / so seinem Leben und Ubung nachzufolgen begeren / anzuzeigen / auff was Weiß / Ordnung und Staffel der heylige Geist die seinen zu so hoher Vereinigung mit Gott zu erheben pflege.
Derohalben (nach der Lehr deß heyligen Augustini) zu mercken / daß die Menschen zweyerlei Fundament haben: Das ein der Verderbung / so da ist die eigen Liebe: und das ander deß Heyls / so da ist die Liebe Gottes:
Oder aber sie haben zweyerlei End: Etliche in Gott / und etliche in ihnen selbsten / alle ihre Werck für sich selbsten richtende / und in dem Mittel diser beyden End stehet unser Willen / welcher da ist / wann er sich durch Liebe zu Gott bekehrt / selbigem zu seinem End nimbt / so weit er sich von den Creaturen / und sich selbsten absündert / so vil mehr nahet er sich / durch Mittel der Gehorsame und Liebe / zu Gott / und mag mit Göttlicher Hilff zu vollkomner Verachtung und Verlaugnung seiner selbsten gelangen / und sich aller dings in die Liebe Gottes (welche unser End ist / und inn welcher alle unsere Vollkommenheit unn Heyligkeit stehet) transformieren.
Dise Regel hat uns unser Herr und Meister Christus Jesus in seinem heyligen Evangelio verlassen / da er sagt: Wer mir nachfolgen will / der verlaugne sich selbsten /ersehe sich inn seiner falschen Erkantnus / mit welcher er groß zu seyn vermeynt / hasse und sterbe ihme selbsten / auff daß er mich erkennen / lieben / und in mir / und ich in ihme leben könde / und wie es dem Feur uber sich zu steigen natürlich / also ist es natürlich / der freyen und von der eignen und natürlichen Affection entledigten Seelen auffzusteigen / und in Gott / welches ihr eigen Ort ist / inn welchem sie vollkommenlich / ewig / und seligklich zu ruhen erschaffen / erhebt zu werden.
Unnd zu gleich wie es natürlich / daß
der Stein wegen seiner Schwere das Centrum suche: Also ist es natürlich, / daß diß mit eigner unnd der Creaturen Liebe beschwerte und beladne Hertz wegen seiner Unschuld inn die Höll abfalle und versincke.Derohalben die Seel / demnach sie all ihr End inn Gott gesetzt / und zu dem Thron der Gnaden deß wahren Salomonis Christi (welcher als ein fridlibender unnd lieblicher König) / zu der Rechten deß Vatters sitzet / unnd in welchem alle dieBegirden der Englen und Heyligen erfült werden ) auffzusteigen begert / die betrachte die Leiter Jacobs / welcher Höhe den Himmel berürt / und auff daß er desto sicherer und ordentlicher auffsteige / kan er siben underschidliche Stafflen brauchen / welcher von dem Ubertino also gesetzt seynd:
Die Erkantnus derhalben diser Stafflen unn Ubungen / erlangen wir mehr durch dero Würckung unn Werck / (wie das jenig anderer geistlichen Sachen) dann durch sie selbsten / seytemal sie durch die Göttliche Augen gesehen / welchen alles / in sonderheit aber dise seine gütige Würckungen unnd Gnaden offenbar seynd.
Dannenhero die Seel / die in denselben zunemmen / und Nutz schaffen solle / wie bessers Gesicht sie wirdt haben / ihre Schwachheit und Schuld zu erkennen / sich zu bekehren / und in ihr selbst Ertödtung zu verharren / unnd sich inn Wercken der Liebe zu üben / desto weniger wirdt sie sehen ihre Augen in den Grad oder Höhe ihrer Vollkommenheit zu setzen / sonder derselben Sorg Gott allein lassen / und sich allein in ihrer Erniderung bemühen.
Welcher aber gleichwol nur geringen Verstand unnd Erkantnus der Sachen deß Geists haben wirt / der wirt gar wol erkennen mögen / daß von der Sorgtragung deren Dingen / nemmlich der Bemühung der Vollkommenheit / die Gott allein berüren / nichts nit zu der Ertödtung seiner selbsten diene unnd nutze.
Darauß dann erfolget / daß so wenig der wahren Geistlichen / und die dises Namens würdig / ob gleichwol vil / die solches wegen irer Profession oder Ubung zu seyn praetendieren / gefunden werden.
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