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ETIKA
D12FA |
FRANZISKUS-CHRONIK |
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Der
Himmelsleiter siebte Stufe: - Jedem sein Ort im Himmel |
Der Cronicken der mindern Brüder, Konstanz, 3. Buch, Cap. 28, 1603 |
Von dem sibenden Grad der Vollkommenheit.
Von
dem sibenden Grad der Vollkommenheit / welcher ein Privilegium von Gott selten
ertheylt / könden wir mit menschlichen Worten nichts sagen / seytemal solchen
zu erklären / die Zungen der Englen auch zu kurtz und barbarisch wären.
Etlichen
Heyligen / denens Christus der Herr / als Bilgeren / inn disem Fleisch
communiciert / und an jetzo klarlich unendtlich besitzen / hat es Christus
gegeben: die Gerechten empfindens in der Glori / welche kein Aug gesehen / kein
Ohr gehört / noch in keines Menschen Hertzen kommen ist / welche Gott seinen
Außerwehlten vorbehalten.
Und
wie der heylige contemplierende Bernhardus sagt / nit allen / unnd an einem Ort
unnd Grad ist gegeben / die geheime und selige Gegenwärtigkeit deß Herrens zu
geniessen / sonder wie es einem jeden durch den himlischen Vatter bereitet ist:
dann wir nit Gott / sonder er uns erwehlet / und seinen Heyligen das Ort zeiget
/ und einen jeden / dahin er verordnet / erhaltet.
Die
Magdalena hat sich bey den Füssen deß Herren befunden / allda ist ihr das Ort
gegeben:
der
heylige Apostel Thomas ist zu der Seiten zugelassen /
der
heylige Peter inn der Schoß deß Vatters /
der
heylige Johannes auff der Brust Christi Jesu /
der
heylige Paulius ist inn den dritten Himmel verzuckt /
unnd
dem heyligen Francisco seynd die heyligisten Wunden Christi Jesu deß Erlösers
communiciert worden.
Wer
wirt derhalben so frech seyn / der die Vollkommenheit und Verdienst einer
solchen Hochheit / wie die Magdalena inn dem Beth der wahren Buß /
der
heylige Thomas inn dem Liecht der Wahrheit /
der
heylige Peter auff dem Stul deß Glaubens /
der
heylige Johannes inn dem feurigen Offen der Liebe /
der
heylige Paulus auff dem Thron der Weißheit /
und
der heylige Franciscus inn der Liebe unnd Transformation deß gecreutzigten
Christi geruhet / ergründen wölle?
Wir
könden das nit / es gebürt uns auch nit / dann allein den Heyligen inn den
Wercken und Vollkommenheiten (so Gott der Herr uns gnädigklich geoffenbaret) nachzufolgen
/ und deßwegen dem Anfänger alles Guten / immerwehrendes Lob sagen / auff daß
er uns durch die Verdienst so viler seiner Heyligen / dero Fürbitt unnd
heyligiste Gnad / inn gegenwärtigem Leben zu diser Vollkommenheit führe / unnd
hernach inn dem andern / inn ewiger Glori geniessen lasse / Amen.
Das
Ende deß dritten Buchs / und ersten Theyls der Cronicken der Minderen Brüder.
Gott sey gelobt.