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ETIKA |
FRANZISKUS-CHRONIK |
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12F3401 |
Franziskus sendet
sechs Brüder nach Spanien unter die Mohren |
Der Cronicken der
mindern Brüder, Konstanz, 4. Buch, Cap. 1, 1604 |
Der Cronicken der Minderen Brüder /
Das vierte Buch.
In welchem die Marter viler deß Seraphischen Vatters Francisci Gebrüderen
begriffen.
Wie von dem heyligen Vatter Francisco sechs Brüder in Hispaniam under die
Mohren / den Christlichen Glauben zu predigen / gesant / und wie dero fünff von
Miramolino dem König zu Maroco gemartert worden.
Cap. I.
In dem Jar deß Herren 1219, als das General Capitel under Babst Honorio dem Dritten / in dem vierten Jar seines Babstthums / wie oben gesagt / eilff Jar nach der ersten Confirmation deß Ordens Babst Innocentij deß dritten / hat der heylig Vatter Franciscus auß Göttlicher Eingebung abermalen seine Brüder in allerley Provintzen der Welt / so wol der Glaubigen als der Unglaubigen / den heyligisten Glauben deß Herren zu verkünden / außgesant / unnd under ire Provincial Minister ( so er erwehlt / außgetheylt:
Und dieweil selbiges mal das Wüten der Mohren durch die gantze Welt tobete / hat er sich selbsten inn Asiam begeben / Bruder Egidium in Affricam / und durch Europam / sonderlich aber inn Hispaniam / da dann Miramolinus König zu Maroco selbiger Zeit ware / 6. Brüder auß der Toscanischen Provintz / deren Namen folgen / als Brüder Vitalem, / Bruder Bernharden / Bruder Petru / Bruder Aiutu / Bruder Acursium / unn Bruder Othen abgeordnet / den ersten / als Bruder Vitalem zu irem Obersten gesetzt / und den anderen ihme zu gehorsamen anbefohlen.
Bruder Bernhard war ein sonderlicher Prediger inn Arabischer Sprach / die Brüder Petrus unn Otho Priester / unn Acursius und Aiutus Leyenbrüder / denen hat er zugesprochen / unn gesagt:
Vil geliebte Kinder / der Herr
hat mir befohlen euch in Hispaniam zu
senden / auff daß ir den Mohren den H. Glauben verkünden / unn der
Mahometanischen Sect widerstreben sollen / ziehet derohalben fröhlich dahin /
richtet ewere Seelen zu der Kron / welche sein Göttliche Maiestät euch bereiten
wirdt / und befleisset euch seinen H. Willen (wie er euch eingeben wirt) zu
vollbringen.
(Anmerkung ETIKA: sic, so: einmal wirdt
und einmal wirt, einmal und, einmal unnd, einmal un mit Verdoppelungszeichen,
schon damals lag die Sprachhoheit beim Setzer)
Die Brüder/ als gehorsame Kinder / neigten das Haubt / und schlugen die Arm Creutz Weis uber einander / und erwarteten seiner Benediction.
Der H. Vatter aber thate ihnen zuvor dise folgende Ermahnung:
Erinnert euch, allerliebste Kinder / erstlich und zu vorderist den Friden under euch zu erhalten / unn Mitbrüder nit allein mit dem Habit / sonder dem Geist und Willen zu seyn. Nachher so fliehet den Neid / welcher ein Anfang unser Verdamnus gewesen. Uber alles leidet mit Gedult / seyt allezeit frölich in den Verfolgungen / und demütig inn dem Angesicht Gottes / unnd der Menschen / dann auff dise Weis werdet ihr den Sig uber sichtbarliche unnd unsichtbarliche Feind erhalten. Erinneret euch nach aller Mügligkeiten dem Herren in den drey Gelübten / ewerem Obristen gehorsamend / nachzufolgen: In Gehorsame / gleich wie er seinen Elteren auff Erden gehorsamet: In der Armut / gleich wie er gelebt / der da hat arm geboren / leben / sterben / und die Armut allezeit verkünden und predigen wöllen: Unnd in der Reynigkeit nit allein mit dem Leib / sonder auch dem Geist reyn lebend / seytemal unser Herr und Gott dise Reynigkeit so hoch geliebet / daß er von einer Jungkfrawen geboren / unn alsbald nach der Geburt zu seinen Primitijs die unschuldige Jungkfräwlein haben / und an dem Creutz zwischen zweyen Jungkfrawen / der heyligisten Maria / unnd Johanni dem Evangelisten / sterben wöllen. Setzet all ewere Gedancken inn Gott / der wirt euch beleiten / und stärcken / traget mit euch die Regel / und das Brevier / underlasset nit das Göttlich Ambt vollkommenlich zu sprechen: und uber alles / vergesset nit deß Leidens Christi Jesu / seytemal solches euch alle Betrübnus süß / und alle Pein lieblich / unn disen weiten Weg in Hispaniam / mit den Mohren (ires eignen Erschaffers Feinden) zu conversieren / gering machen wirdt. Unnd seyt gewiß / daß mich anders / euch so weit von mir zu schicken) nit bewegt / dann die Glori Gottes / unnd das Heyl der Seelen: dann wann diß nit wäre / wolte ich euch nimmer mehr von mir absünderen / dann Gott weißt / ob ich wol wegen ewer Gehorsame grossen Trost empfahe / wie hohes Hertzleyd ich doch wegen ewers Abschids empfinde.
Als die gehorsame Kinder dises gehört / fiengen sie an hertzigklich zu weinen / und sich in sein Gebett (inn welches sie nach Gott ir höchst Vertrawen setzten) zu befehlen / sagten:
Gedencke Vatter / daß wir under ein greulich deß Christlichen Namens todtfeindes Volck ziehen / könden ihre Sprache nit / und und seynd irer Gebräuch und Sitten nit erfahren / under ein Volck / das nichts anders als unser Blut dürstet / und desto mehr / wann sie vernemmen werden / daß wir ihre Völcker zu bekehren kommen / zu welchem wir dann unsere Kräfften / unnd uns gar zu schwach erkennen / wann die Barmhertzigkeit Gottes durch dien Fürbitt uns nit zu Hilff kommet: derohalben (uns in dieselben befehlend) bitten und begeren wir demütigklich dein heylige Benediction / auff dz wir dise H. Gehorsame zu der Ehr Gottes / unser / und selber unglaubigen Seelen Heyl verrichten mögen.
Darauff der heylige Vatter die weinenden Augen in Himmel erhebte / und sie benedicierend sprache:
Die Benediction Gottes Vatters / die Liebe deß Sohns / und die Gnad deß H. Geists komme uber euch wie uber die Apostel / beleite / tröste / unnd stärcke euch in aller Trübsal / also daß ihr ritterlich widerstreiten / und die Feind uberwinden möget /
und liesse sie also voller Zehern (Anm.: Zähren, Tränen) / der H. Regel gemäß / zu Fuß / barfuß / ohne Gelt / Zehrsack / unn Stab / mit einem einigen schlechten / armen / und geflickten Habit / dargegen aber mit der Gnad deß Herren wol beleitet hinziehen / welche sie frisch und gesund in Hispaniam beleitet.