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ETIKA |
FRANZISKUS-CHRONIK |
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12F3403 |
Todesprophezeiung
für Portugals Königin |
Der Cronicken der
mindern Brüder, Konstanz, 4. Buch, Cap. 3, 1604 |
Der Cronicken der Minderen
Brüder /
Das viert Buch.
Wie die 5. Brüder in
die Statt Coimbria / deß Königreichs Portugall / kommen / und der Königin Vraca
ihren Todt prophezeyet / und ihre Marter.
Cap. 3.
Alte Cronicken. Legent. Portugiesische Cronicken.
Als sie zu Coimbria (eine der hohen Schul Altar / unnd Adels
halber deß Königreichs Portugall
berühmbte Statt) ankamen / fanden sie alldorten die Königin Frawen
Vracam (Anm.: oder Vraca oder Uraca?, v und u wurden damals anders
geschrieben) /
Alphonsi deß Anderen Ehegemahel (Anm. also Alfons II.)
welche sie alsbald berueffen / und als deß Ordens affectionierte (Anm.: dem Orden zugetan)
mit grosser Andacht empfangen liesse / unnd (Anm.:
meist mit zwei n geschrieben, manchmal mit einem)
gar freundtlich / wo sie her kämen (Anm.:
würde in unserer heutigen multikulturellen Gesellschaft kaum noch eine Rolle
spielen, da New York bald überall ist, schade)
und wohin sie begerten / befragte / unnd sich in allem Guten anerbutte.
Diser antworteten die Brüder mit kurtzen Worten und entdeckten ihr Fürnemmen / daß sie von irem General außgesant waren / disem verkehrten Volck den Glauben Christi Jesu zu verkünden.
Die Königin aber / als die jenige / welche vil durstiger deß
Worts Gottes war / als der Hirsch deß Wassers (Anm.: du hoffentlich auch , lieber Leser) /
unnd die sich dises nit ersättigen wolte / fienge an die Brüder in vilerley
Gespräch einzuführen / in welchem als sie so grossen Trost empfienge / unnd
ihre hohe Innbrunst und Verdienst bey
Gott erkante / name sie die bey Seits / beschwerte sie durch den / welches
wegen sie willigklich so grosse Marter unn Pein / ja den Todt selbsten zu
leiden sich begeben / sie solten durch das Gebett die Stund ihres Abschids
von Gott dem Herren erkündigen / wolte kein Außred oder Entschuldigung (daß
es nemblichen ein grosse Vermessenheit / die Geheimnus deß Herren zu erkünden /
unn daß sie solche zu wissen nit würdig ) keines Wegs annemmen / untzt sie
letstlich ir zu willfahren versprechen müßten.
Begaben sich derhalben sammetlich zu dem Gebett / darinnen inen alles so sie begert / und noch mehrers von dem Herren geoffenbaret warde. Giengen wider zu der Königin / und sprachen:
Es mißfalle euch nit (O Fraw) das jenig anzuhören / welches ihr so starck von uns zu wissen begert habt / unnd solches desto weniger / seytemal euch niemandts dem Herren geleich liebet / unnd alles so er mit euch fürnemmen / zu mehrerer ewer Glori und Heyl gedeyen wirt.
Ir solt wissen / daß ir ewer Leben in kurtz / ja auch vor ewerem Ehegemahel enden werdet / und wöllen euch beiläuffig die Zeit auch anmelden / und das Wortzeichen geben.
Wisset derhalben / daß wir gleichfals von deß Herren wegen / in kurtzer Zeit durch das Schwert umbkommen werden / welches wegen seiner Göttlichen Maiestät unendtlichen Danck sagen / unnd daß er uns inn die Zahl seiner außerwehlten Martyrer würdigen wirdt / höchlich erfrewen.
Wann wir nun unseren Lauff vollendet / so werden die Christen / so in dem Land Maroco wohnen / unsere Cörpel mit höchster Andacht in dise ewere Statt führen / und ihr sambt ewerem Gemahel werdet uns mit grosser Pomp unnd Solennitet (Anm: Feierlichkeit) entgegen ziehen.
Wann nun dises alles geschehen wirdt / so wisset daß ewer Zeit auch mit Gott ewigklich zu vereinigen verhanden.